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Interkulturelle Kommunikation

Zum Glück wird man in Deutschland nicht gleich vor ein Gericht gestellt, wenn man mal als Fremdsprachler eine Redewendung oder ein Sprichwort nicht ganz korrekt verwendet. Hier wird man ja eher belächelt und bald darauf berichtigt. So kann ich auch ganz locker über diese Beschreibung der Verkehrsverhältnisse in einer asiatischen Metropole hinwegsehen (natürlich nicht, ohne fünf Minuten vor mich hinzugrinsen):

„Ein Bus ist wie eine Konservendose, und drin füllt nur Sardine!“

Wahrscheinlich ist es mal wieder ein durch böse Medien (z.B. BILD, RTL) geschürtes Vorurteil, aber ich würde stattdessen bestimmt eingeknastet werden, wenn ich den Vorsitzenden Mao falsch betone und zum Beispiel als ‚Kätzchen’ bezeichne…

Arne & Petja

Abends in einer mittelgroßstädtischen, sogenannten alternativen Diskothek. Arne und Petja, zwei Soziologie-Studenten gegen Ende zwanzig, sitzen an einem der Nebentische am Rande des Geschehens, gelangweilt vom übrigen Treiben und der Tatsache, dass der DJ nur Musik auflegt von Bands, deren Namen eigenartigerweise alle nur aus Buchstaben- und Zahlenkombinationen bestehen. Die Beiden blättern in einem Szene-Magazin.

Arne: Aaah, hier, das könnte was sein: „Einsamer Single sucht für einmal wöchentlich eine Hilfskraft, die ihm die Flaschen zum Container trägt.“ Und dann noch der Satz: „Ich schaff’s einfach nicht mehr.“

Petja: Das ist doch’n Fake!

Arne: Wie kommste denn darauf?

Petja: Jemand, der von sich behauptet, er wäre einsam, wird doch wohl den Zustand nicht auch noch aufrecht erhalten und in aller Stille zuhause saufen wollen. Der geht abends auch mal weg auf Suche.

Arne: Du meinst, Singles sieht man eigentlich nur draußen auf Achse? So wie uns?

Petja: Ganz genau. Der da mit der Anzeige hat bestimmt ganz andere Absichten. Der appelliert zunächst mal an die Barmherzigkeit und hinterher kommt der große Schlag…

Arne: Und was is’, wenn er einfach nur nicht soviel Geld hat, um andauernd unterwegs zu sein? Wäre doch möglich…

Petja: Hmmm. Dann müsste man ihn am Besten mal danach fragen, was er denn gestern abend so gemacht hat. Und wenn er dann genau weiß, was so alles im Fernsehen lief und sogar Gesten und Sprüche von Gottschalk aufzählen kann, dann ist mit Sicherheit klar: Mensch, hier haste aber mal ungeliebte Seele vor dir. Eine, die obendrein auch noch Not leidet.

Arne: Vor der Glotze hocken kann man aber auch zu zweit.

Petja: Ja, aber da biste nicht so konzentriert bei der Sache für das Geschehen auf der Mattscheibe, da gibt’s auch schon mal Kommentare und Gespräche. Wer weiß, mit der Freundin vielleicht auch mehr. Musste ein bisschen genauer nachfragen, wenn de dich bei dem vorstellst, dann weißte es.

Arne: Wonach? Was er mit seiner Freundin macht?

Petja: Nein, Mensch Arne, was im Fernsehen lief…

Arne: Ja, aber mal ehrlich gesagt, wird mir das langsam auch viel zu teuer, was wir hier machen. Bald arbeite ich ja nur noch für’s allabendliche Ausgehen. Immer diese Eintrittspreise und mindestens 2 Euro für’n Beck’s.

Petja: Wenn’s mal dabei bliebe. Du kannst die Frau ja auch nicht nur von deinem Job durch den Bieratem anöden, sondern musst am Besten noch irgendetwas Tolles erlebt haben, um überhaupt interessant zu wirken. Weite Reisen zum Beispiel. Was da alles noch im Vorfeld dazukommt, um ein toller Hecht zu sein, nee nee nee…

Arne: Ach, Reisen kann ich mir doch schon ganz lange nicht mehr leisten, ich fahr doch höchstens mal ans Steinhuder Meer am Wochenende und das war’s dann. Und auch das nur selten, weil wir ja immer abends raus müssen. Reicht’s denn vielleicht nicht, wenn man einfach nur interessant denkt? Ich könnte mir bestimmt auch ein paar prima Reisen ausdenken…

Petja: Dir ist jawohl klar, dass du damit deinen Single-Status aufrecht erhältst, nicht wahr? Das dauert doch nicht lange, bis das auffliegt.

Arne: Naja, vielleicht gibt es ja eine Frau, die Männer mit Phantasie mag. Neulich hatte ich zum Beispiel einen Traum, in dem war ich Anführer eines Drachenbootes. Das hatte sogar ne Gallionsfigur und die sah aus wie Hannelore Elsner. Dabei ist die ja gar kein Drachen. Jedenfalls hatten wir den Auftrag, zu den Sardellen zu segeln, die irgendwo in irgendeinem Golf lagen. Das schafften wir mithilfe des Passats auch ganz schnell…

Petja: Arne!

Arne: …und trafen dort auf Ureinwohner, und obwohl die Inselkette auf der anderen Seite der Welt lag, konnten die alle nur Schwäbisch…

Petja: ARNE!

Arne: Ja, was ist denn, Petja?

Petja: Was ist das für ein Blödsinn?

Arne: Naja, wie gesagt, eine kleine Phantasiererei…

Petja: Das ist keine Phantasie, das ist ein Traum. Noch dazu ein ziemlich dämlicher…Eine Frau kannste damit jedenfalls nicht beeindrucken, die verschreckst du eher.

Arne: Hmm, vielleicht haste Recht. Müssen wir wohl so weitermachen, oder?

Petja: Sieht wohl so aus. Gibt’s da noch mehr Stellen?

Arne (blickt wieder in das Szene-Blatt): Tja, warte mal….

Und so ziehen wir uns wieder von den Beiden zurück und lassen sie in Ruhe stöbern…

Ich koch’ auch nur mit Wasser…

…aber, ehrlich gesagt, kenne ich niemanden, der etwas anderes tut…

Nächtliche Fernsehimpressionen (für Damen)

Vor ca. 25 Jahren trug man noch Hemdkrägen, die am Hals so doll schmerzten, dass man schreien musste. Aber was tut man schließlich nicht alles, um im Trend zu liegen und gut auszusehen…

Der Deutschen liebstes Kind (im Dorf)

Es wäre reichlich naiv und vermessen zu glauben, an dieser Stelle etwas gegen die Automobilindustrie ausrichten zu können. Das will ich auch gar nicht. Wer will denn schon gerne gegen einen der Exportschlager und größten Arbeitgeber der Republik Einwände erheben? Das ginge vielleicht hier und da hinsichtlich gewisser personalpolitischer Einstellungen der Unternehmen. Das ist aber ein weites Feld und ich glaube, nicht genügend Einsicht in sämtliche Strukturen zu besitzen, um mir wirklich ein Urteil oder eine schlagkräftige Aussage dagegen machen zu dürfen.
Aber ich habe Meinungen und Vorurteile. Und kenne kein Pardon diese auch vorzubringen. Was die Einstellungen von Besitzern zu ihren Autos anbelangt, fühle ich mich sogar in Bezug auf ganz bestimmte unter ihnen beinahe prädestiniert, adäquate Analysen anzufertigen. Doch das werde ich ebenfalls nicht tun. Vielmehr dürstet mich nach Polarisierung, denn in der Kleinstadt, in der ich aufwuchs, ist es für viele Leute unumgänglich, ein „gutes“ Auto (also mindestens Marke VW) zu besitzen. Als Vorwand werden dann immer so fadenscheinige Behauptungen hervorgeholt wie diejenige, dass es dort im Ländlichen unmöglich sei, zeitgerecht von A nach B zu kommen („Zum Einkaufen brauchen wir das aber schon!“). Ein wirklich nach Alternativen interessierter Blick würde schnell eines Besseren belehrt werden, so gut ist auch dort der öffentliche Verkehr. Mit Vernunft rechtfertigen lässt sich dort die Anschaffung eines eigenen Kfzs nur dann, wenn man spätabends oder an den Wochenenden flexibel hinsichtlich seiner Motorisierung sein muss. Also zum Vergnügen, und da hat man’s ja bekanntlich schwer, mit Vernunft zu argumentieren. So mutieren dann auch gerne die Fahrzeuge der Dorfjugend zu beinahe straßengefährdenden Potthässlichkeiten und trauen sich dann auch noch tatsächlich damit in die größeren Städte vor die Discotheken.
Dennoch wird gerade in den „bodennahen“ Gegenden die freie Verfügbarkeit über ein Automobil als Ausdruck persönlicher Reife angesehen (eine Ansicht, über die Stadtbewohner aus gutem Grund schmunzeln). Aber der Wahl des Fortbewegungsmittels sind ab einem bestimmten Alter dabei Grenzen gesetzt. Grundsätzlich gilt: Stufenheck. Ein Stufenheck vermittelt Seriösität, darüberhinaus darf man sein Auto „Limousine“ nennen, womit ein Hauch von Bequemlichkeit den Fahrersitz umwabert und die Wirkung von sorglosem Ruhestand erzeugt. In den Augen anderer Leute erwecken Gefährte mit diesem Äußeren aber oft den Anschein von Biedermeierei und vor wenigen Jahren gestand ein Manager von Volvo bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ tatsächlich offen ein, seine Firma hätte jahrzehntelang dazu beigetragen, dass es Kindern nicht schwerfiele, mit wenigen Strichen Autos zu malen. Das haben die im Ländlichen traditionell dem ZDF verbundenen Zuschauer natürlich nicht begriffen.
Ich selbst hatte seinerzeit bei meiner künstlerischen Umsetzung von Gefährten keinen Volvo als ideale geistige Vorlage, wohl aber ein Modell, dass sich meiner Meinung nach viel besser dafür eignete, nämlich einen Audi 80. Und viel später, endlich im Besitz einer Fahrerlaubnis, versetzten ein Freund und ich den Sehgewohnheiten der Kleinstadtbewohner einen Schrecken, indem wir uns mit unserem damaligen Seattle-Grunge-Look eben solche Gefährte anschafften. Nichts mehr von sorglosem Ruhestand, jeder, der mitfuhr, durfte mal auf dem schwarzen Interieur unterschreiben.
Doch mittlerweile wurden auch Kombis und Vans für die Auslebung des Spießertums salonfähig. Der Familienvater zeigte sich erst zufrieden, wenn eben eine solche Variante des Passats in grau-metallic die Garageneinfahrt zierte und er anerkennende Worte über seinen Wagen vernahm. In der Provinz festigt leider nichts so sehr das Ego wie diese dumme Karre, nicht die Gründung einer Familie, nicht der Bau des Hauses, erst mit dem Erwerb des richtigen, „schönen“ Autos ist man Wer. Blöderweise tragen alle zur Aufrechterhaltung dieser ungeschriebenen Norm bei und wer einmal an deren Sinn zweifeln sollte, wird schnell vom Kollektiv für nicht ganz dicht gehalten.
Es ist im Prinzip kein Wunder, wenn die Jugend wegen dieser und anderer Schrullen schnell ausbüchst und das Weite sucht. Aus Mangel an Einsicht versuchen die Gemeinderäte dem Einwohnerschwund auf anderen Wegen Herr zu werden und so nimmt es nicht Wunder, wenn sie die Grundstückspreise für zuziehendes Volk extrem in den Keller drücken. Aber was sieht jeder neue Bebauungsplan neben dem Eigenheim unhinterfragt vor? Ganz genau, Garagen mit großzügigen Einfahrten.
Müssen wir also in Zukunft noch mehr Nachbarn grüßen, wie sie gerade mit frischgewaschenen und –gewachsten Lieblingskind langsam, ganz bedächtig auf die tagelang vom Unkraut befreiten Pflaster vorm Garagentor einbiegen. Als ich das einmal vor Jahren selbst tat und die elterliche Einparkbucht mit dem eben erworbenen neuen Modell des – obacht – Audi 80 befuhr, regte sich der Nachbar von gegenüber und rief mir beim Aussteigen zu:
„Schööön, die deutsche Wirtschaft ankurbeln!“
In diesem Moment erwischte es mich kalt und in mir keimte – zunächst unbewusst – bereits die erste Saat einer neuen Missgunst…

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