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Hochzeitsstörungen

Hat von Euch eigentlich schonmal jemand erlebt, dass während einer waschechten, im vollen Leben ablaufenden Hochzeitszeremonie einer der Gäste aufsteht, nachdem der Pfarrer nach Einwänden gegen die Ehe fragt („…der möge jetzt sprechen oder für immer schweigen.“) und dann tatsächlich sagt:
„Ja, ich hier.“
In Literatur und Film wird so eine Situation ja sogar erwartet, klar, Handlungen benötigen Wendepunkte, sonst wird’s langweilig. Und in bestimmt der Hälfte aller Liebesschnulzen (ich hab’ aber nicht nachgezählt) kann man sich an dieser Stelle auf etwas gefasst machen. Aber im realen Leben? Wie würde denn da ein solches Geschehen ausgehen? Ich unterstelle einfach mal, dass so etwas tatsächlich irgendwo passiert, denn hey, Eifersucht und Neid gehören zum Menschen wie Schweiß und Haar und außerdem hätte man sicherlich sonst diesen Satz aus dem liturgischen Zeremoniell längst gestrichen.
Da steht dann also Einer (oder Eine), die übrige Versammlung sitzt da wie zur Salzsäule erstarrt und glotzt mit scheunentorgroßen Mündern. Die Einwände werden vorgebracht: Der Bräutigam ist hochverschuldet, die Braut hat ein „Verhältnis“ und überhaupt, wie ich jetzt erst herausgefunden hab’, seid ihr Geschwister. Das Übliche eben.
Und dann? Sieht das Ritual es vor, die Zeremonie zu unterbrechen? Oder würde der Priester, und mit ihm der ganze Rest, brav-bürgerlich so tun, als ob er nichts gehört hätte? Schnell Ringe anlegen, Küssen und nix wie weg. Onkel Karl hatte die Feier wohl wieder mal vorgezogen.
Das würd’ mich mal interessieren…

Aphrodisiaka

Es ist ja mittlerweile nicht zu fassen, was nicht alles für Ingredenzien als Anheizer für gewisse Stunden gelten sollen. Wenn ich das nächste Mal unverfänglich koche, dürfte ich wahrscheinlich einer anwesenden Frau gar nicht aufzählen, was das Gericht alles beinhaltet, ohne dass mir irgendwelche Absichten unterstellt werden.
Sie: Rouven, wie bereitest du das denn so zu?
Ich: Ja, also erst tu’ ich da x dran, dann leg’ ich es in y ein, dann brat ich es kurz scharf an und würze es noch ein wenig mit z.
Sie: Ooooh *klimper-zweideutig-mit-den-Augen*, was haben wir denn heute noch vor?
Diese Situation hab’ ich mir natürlich nur ausgedacht, aber ich kenne ein paar Menschen, die der Komposition von Lebensmitteln in der Küche tatsächlich eine große Bedeutung beimessen. Ich tue das nicht und darum hau’ ich jetzt ordentlich Muskat in den Spinat. Weil’s schmeckt.

Sichtlich angeschlagen…

Natürlich fühl’ ich mich heute (wegen der letzten Nacht) entsetzlich müde. Nur heute – im Gegensatz zu anderen Tagen, an denen ich mich so gerädert fühlte – darf ich das auch sein. Schön, ausnahmsweise mal geistig völlig abwesend Platz zwischen anderen Studenten einzunehmen und dabei denken zu können: „Ja, heute habe ich es mir verdient, hier ohne Schuldgefühle einfach nur rumzusitzen und die Luft aufzubrauchen“.
Diese Gedanken gehen natürlich an die Adresse der vielen, bösen anderen Studis, die mal wieder die Nacht durchgefeiert haben und deshalb die Augen kaum aufhalten können. Saubande, wie können die nur…Sowas würd’ ich natürlich nie tun. Dumm nur, dass man mir nicht ansieht, woher meine Angeschlagenheit rührt. Heute wird übrigens ein ehrlicher, hart arbeitender Student an den Protesten zu den Studiengebühren fehlen müssen. Er hat’ne Menge Schlaf nachzuholen. Aber erst nach 18 Uhr, nach dem Ende des letzten Seminars…

Der Valentinstag…

…kündigt sich bereits in den Medien an. Nicht nur hier auf vielen Startseiten wird man damit zugebuttert, nein, das Fernsehen und die Printmedien schärfen unsere Sinne ebenfalls unerbittlich auf das Geldausgeben in knapp zwei Wochen.
Erinnert sich jemand an die Simpsons-Folge, in der die Unternehmen sich für’s Sommerloch einen neuen Feiertag, den „Liebes-Tag“, erdenken und lediglich Lisa innerhalb der Familie auf die wahren Hintergründe aufmerksam macht? O.K., in der Zeichentrickserie nimmt die Handlung wie so oft eine unerwartete Wendung ein (durch den Verpackungsmüll ermutigt, schwingt Homer sich zum Müllinspektor von Springfield auf), aber wie weit ist es mit diesem einen Tag bereits gediehen?
In anderen Ländern nimmt man den Valentinstag gerne auf und begeht ihn tatsächlich wie einen echten Feiertag (siehe Korea, Japan, Taiwan), dort hat z.B. FedEx alle Hände voll zu tun. Respektable Leistung, gut eingeschlagen, kann man da nur sagen.
Hier ist man ja noch ein wenig reserviert, soweit ich das beurteilen kann. Im Gegensatz zu den eben genannten Gegenden sind wir anscheinend noch nicht so dermaßen medienabhängig, dass uns solche Anlässe permanent ins Bewusstsein gehämmert werden, dass sie irgendwann einen festen Platz dort einnehmen. Mit der Zeit wird sich das bestimmt aber auch ändern (nicht, dass ich es gutheißen würde).
Ich bin allerdings auch nicht ganz von Schuld frei, das muss ich gleich dazusagen. Auch ich hatte mir für diesem Tag einstmals ein ungeheures Quentchen an Kreativität aus den Synapsen gequetscht, um Freude zu bereiten (aber auch nur, weil ich wusste, dass die Adressatin diesen Tag schätzt). Und das war gar nicht mal kostspielig.
Ein ander Mal habe ich ganz kostenlos – als Nettigkeit gedacht – elektronische Valentinskarten versendet. Das erwies sich in einigen Fällen als fataler Fehler, bekamen die Empfängerinnen diese anscheinend in den falschen Hals und dachten, mir sei es damit ernst. Diesen gegnüber musste ich mich fortan diplomatischer als gewohnt verhalten. Diejenigen, die mich besser kannten, wussten es aber als Beweis der Freundschaft zu schätzen. So muss das laufen, wenn überhaupt.
Man kann viel falsch machen. Dass das Beschenken, wenn es einem aufgedrängt wird, eine schier unüberwindbare Gewissensfrage werden kann, lässt sich prima in Florian Illies’ „Anleitung zum Unschuldigsein“ ablesen, Kapitel: „Heute kaufe ich dem Mann mit den Rosen keine ab“. Die Situation kennt wahrscheinlich jeder, der mit einer Angebeteten in einem Lokal sitzt und jemand hält einem unerwartet Blumen unter die Nase.
Der Valentinstag ist natürlich etwas weniger prekär, denn die Angeschmachtete (oder Partnerin) ist ja in den meisten Fällen gar nicht anwesend (oder soll überrascht werden), sonst wäre der Fleuropbringdienst ziemlich witzlos. Jeder Mann weiß, dass Frauen kleine Aufmerksamkeiten mögen, auch wenn sie noch so oft beteuern, dass ihnen nichts daran liegt: Im Fall der Fälle werden sie vor Glückseligkeit quieken und sich am besagten Tag wie eine Schönheitskönigin fühlen, das Selbstbewusstsein himmelwärts und dem Mann, der ihr dieses Gefühl verschafft hat, grenzenlos dankbar.
Tja, was werd’ ich an dem Tag machen? Ehrlich gesagt, ich hadere und weiß es noch nicht…

2046

Gestern abend war ich dann doch in dem bereits angesprochenen Film von Wong Kar-Wai. 3und20 und zwei ihrer Freundinnen nahmen mich gnädigerweise mit und da es sich bei diesen um Menschen mit wesentlich mehr Rezeptionserfahrung diesen Regisseur betreffend handelt als ich es bin, dachte ich bei mir: „Oha, da sag’ ich hinterher bestimmt das Falsche über meine Eindrücke“, kannte ich doch das vorige Werk „In the mood for love“ nichtmal. War aber gar nicht so.
Der Film ist extrem melancholisch, sogar die Melancholie selbst. Ich würd’ noch nicht einmal sagen, dass er besonders asiatisch wirkt, mal abgesehen von der Tatsache, dass die Darsteller ganz offensichtlich von jenem Kontinent stammen. Er handelt von Zeitverlust und Stagnation des „Helden“ Chow (Tony Cheung) in einer Idealwelt, in der die große Liebe – in der Vergangenheit einmal empfunden – konserviert zu haben ist und der er nicht entfliehen kann („Es hat noch niemand geschafft, aus 2046 zurückzukehren“). Frauen pflastern seinen Weg, die mehr von ihm erwarten, aber wegen seiner Gegenwartsflucht nie erhalten…
Sehr traurig, man weiß gar nicht, wen man mehr bemitleiden soll, die Frauen oder den Mann.
Eindrucksvoll sind die Bilder und die Detailverliebtheit der Kamera. Die Erscheinungen der Frauen sind alle unwirklich, was sie zum Großteil ihrer Mode verdanken. Insbesondere die ausnahmslosen Beton-Hochsteckfrisuren lassen sie enorm unnatürlich wirken. Zhang Ziyi altert seit „Tiger & Dragon“ einfach nicht mehr, und jedes Mal, wenn man sie als Mann anschaut, möchte man sich am liebsten sofort selbst der Polizei ausliefern. Sie ist es auch, der eine Beziehung zu Chow möglich erscheint, aber in seiner Idealwelt 2046 taucht sie nicht auf. Diese nehmen dann Gong Li und Faye Wong (der singenden Madonna Chinas) in Gestalt von Androiden mit zeitversetzten Bewegungsabläufen ein.
Es gibt kein Happy-End (war zu erwarten) und das Werk ist hochgradig selbstreflexiv, schreibt doch Chow, während er darüber erzählt, an seinem Roman „2046“, eben so, wie der Film betitelt ist.
Nicht jedermann’s Geschmack, der Streifen. 3und20 meinte vorab noch, sie würde bestimmt weinen. Stattdessen wär’ sie beinahe neben mir eingepennt…

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