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Frühes 17. Jahrhundert…

Baron, nein (wir befinden uns immerhin in einem deutschen Zwergenstaat), Freiherr von Oben fegt auf seinem Hengst zur Inspektion über seine Lehen. Sonst liebt er es, an einem windigen Herbsttag über die Auen zu reiten. Der Wallach hat dann seine Freude daran, die Muskeln spielen zu lassen, während stürmische Urgewalten durch seine Haare blasen.
Heut’ aber ist er in ernster Sache unterwegs. Ihm wurd’ Unerhörtes zu Ohren zugetragen, dass in seinem kleinen Reich, dort unten am schlammigen Fluss, unflätiger Dinger viel getrieben werden. Seine Untertanen glauben, dort würde eine Hexe hausen, in einer (allerdings ziemlich wackeligen) Hütte, allein aus Stein und Stock gebaut. In ihrer Knechtschaft hätt’ sie eine Jungfrau, die würd’ sie mästen, auf dass sie sich an dieser später laben könnt’.
„Adel verpflichtet“, denkt Freiherr von Oben bei sich, kaum steht’ er vor der Hütte Tür, sinniert er doch bereits über ein neues Gesetz des Namens „Gegen geyle* Schlampennerei“. Klopfen tut er, hört von drinnen nur ein leises Wimmern. Doch der Blaublut besinnt sich des Respekts, den man ihm im Volk entgegenzollen soll, ist er doch das Recht und die Gewalt in Einem, und seiner Dominanz, die er durchzusetzen hat, und bricht mit aller Manneskraft und einem lauten Bumsen die Pforte durch.
Zunächst erkennt er nichts, ist’s dunkel drinnen, doch kaum schweift sein Blick umher in eine Ecke nun, kauert dort ein Mägdelein, angekettet und fast nackt. Nur ein paar Fetzen trägt’s am Leib, der ansonsten schon recht prall und dick geworden.
„Tut mir nichts, mein Herr!“, ruft es und winselt, „ich trage keine Schuld. Den lieben langen Tag werd’ ich gezwungen, süße Küchlein in mich reinzustopfen.“
„Wer tut dir sowas an, mein Kind?“ will von ihr der Herr nun wissen.
„Die böse Hexe Sadomaso fängt junge Mädchen aus dem Volk, um sie hier zu mästen und später zu verspeisen. Morgen hätte ich dran glauben müssen, just sucht sie sich ein neues Opfer.“
„Komm her, mein Kind“, spricht nun der Edelmann, durchtrennt mit seinem Schwert die eisnern Fesseln, trägt sie auf seinen Armen ans helle Tageslicht.
Doch weh, oh Graus, kaum draußen angelangt, bemerkt er, wie die fürchterliche Alte dort bei seinem Pferde steht und es tastend prüft, ein Netz mit einem weiteren Mädchen, das feuchten Augs um Gnade weint, auf seinem Rücken tragend, worauf zwei schwarze Vögeln ruhn.
„Lass’ von meinem Pferde ab, sag’ ich dir, Sadomaso. Und den Mädchen schenkst du Freiheit, wenn dir dein Leben lieb“, ruft mutig unser Held.
Die Alte schaut ihn listig an und entgegnet ihm ganz barsch:
„Und was willst du mir entgegenhalten? Dein Wams aus Leder kann meinen Kräften nichts entrichten!“
Sprachlos ist da unser Freiherr.
„Aber ich hätte da vielleicht `nen Vorschlag, kann ich mir doch weder Frauen noch Pferde zaubern“, sagt sie und stiert lüstern auf den Gaul. „Der hier beschert mir länger Freude…“.
Der Adelige überlegt nur kurz, muss er zwar die Mädels schleppen, hat er die Alte doch vom Hals.
„Einverstanden“, spricht er dann, und die beiden schlagen ein. Die Hexe gibt im noch das zweite Mägdelein und unser Held zieht seine Wege. Und wie er schon beinah’ aus Sichtweite der Hütte, hört er von Ferne einen lauten Schrei:
„Heeee, wo issen dem sein Penis?“
Doch Freiherr von Oben denkt: „Der Deal ist gemacht, Kleingedrucktes gab es nicht.“

*„geil“ ursprüngl. = „üppig, ausufernd (Maße betreffend)“

P.S.: Für den Fall, dass jemand an meinen Sinnen zweifelt: Google-Referrer-Hit-Test, inspiriert von Eriador und Jazz

Buäähäähää…

…der liebe Türken-Opi hat seinen Kiosk an der Ecke jemand anderem vermacht. Dabei war der immer so putzig, wie er da so fast ohne Deutschkenntnisse, nur mit den Namen seiner Produktauswahl ausgestattet, den Laden schmiss.
„Eine Packung Van Nelle Halbschwarz, bitte.“
„Ahhh, Wanelle Halfswatze….Drrrai Oirro achzich.“ Und immer gute Laune dabei, obwohl er kaum über den Ladentresen gucken konnte.
Bestimmt hat er genug Geld zusammen, um in der Türkei für sich und seine Frau einen ruhigen Lebensabend besorgen zu können. Eigentlich gar nicht mal so dumm, das lieber jetzt zu organisieren als nach einem EU-Beitritt des Landes. Da sitzt er dann auf der Veranda seines zusammengesparten Landguts, seine Frau bringt ihm ein schönes heißes Glas Cai und setzt sich dazu. Die Sonne streichelt ihre Falten in den Gesichtern. Ehrwürdige Falten eines arbeitsamen Lebens. Das haben sie sich jetzt aber auch verdient. Der Postbote winkt von Weitem, es gibt ein großes Hallo. Der ständig bekiffte Sohn schickt eine Postkarte aus Deutschland, er konnte sich doch nicht von seinen vielen Angebeteten trennen.
Den Kiosk hat jetzt so’n Jungspund übernommen, renoviert und gleich mal die Preise angezogen.
Nach und nach verändert sich mein Umfeld und Vertrautes zieht seine Bahnen. Das stimmt mich nachdenklich. Vielleicht sollte ich auch einmal etwas mehr Flexibilität beweisen und nicht so sehr auf meine Einkommensquelle schielen, dem BaföG-Amt des Studentenwerks Bielefeld. Bloß wohin?
Als Anregung könnte ich mir ja die Deutschlandkarte nehmen, die ich beim wochenendlichen Blättern in der ZEIT entdeckte. Gedacht war diese Karte dafür, Familien zu zeigen, wo es sich am Besten für sie leben lässt. Aber daraus kann man sich natürlich auch einen prima Umkehrschluss ziehen. Ich guck einfach nach den Orten, die dort lila markiert als „Singlestädte als Durchlaufstationen“ ausgewiesen sind. Bei näherem Betrachten der Karte muss ich mir allerdings wieder Gedanken machen, aufgrund welcher Daten man diese als solche identifiziert hat. Ich kann mir z.B. partout nicht vorstellen, dass Pinneberg so toll sein soll. Und „Ich wohne in Worms“ will ich auch nie sagen müssen. Wie klingt das denn? Genau. Hach, schwer, schwer. Bleib’ ich wohl doch noch ein paar Momente in Bielefeld, einer „Region mit verdeckten Problemen“.
Mach’s gut, Opi. Nein, mach’s besser…

Den neuen Namen…

…von Auschwitz kann ich mir einfach nicht merken. Darum werde ich ihn mir hier und jetzt einmal notieren: Oswiecim. Mir wird aber niemand deswegen einen moralischen Vorwurf machen können, schließlich weiß ich um der Geschehnisse und bedaure sie. Genausowenig ist es wahrscheinlich schlimm, wenn man sich als kleiner Junge -wie ich damals- etwas ganz anderes unter dem Begriff “Konzentrationslager” vorstellt: Lauter, um ein Feuer sitzende, tiefsinnig grübelnde Camper….

Heut’ nerv’ ich die ZEIT

Die Germanisten gelten in der Öffentlichkeit oft als unverbesserliche Besserwisser, da sie dazu neigen, jeden ihnen gegenüber geäußerten Satz zu korrigieren, auf Genitiv-/Dativ-Verwechslungen hinzuweisen und permanent Etymologien aus dem Ärmel zu schütteln. Dazu will ich nicht gehören, denn ich begehe selbst dauernd solche Fehler und außerdem weiß ich, wie sehr derlei Gestalten nerven können. Aber eben gerade ist mir ein so unglaublicher Faux-pas unter die Augen getreten, dass ich mich darüber nicht ausschweigen kann. In der meistgelesensten Wochenzeitung Deutschlands ist ein Artikel über Lobbyarbeit in der heimischen Politik zu lesen, der inhaltlich grauenhaft unheimlich ist und in vielerlei Hinsicht Anlass zur Debatte darstellt. Beim Lesen des folgenden Absatzes schoss mir aber das Blut in den Kopf und ich visionierte bereits über Reaktionen der Auslandspresse:

„Als der Kanzler schließlich einen Umbau des Sozialstaats versuchte, fragte er nicht einen Strategen aus seiner Partei, sondern den VW-Personalvorstand Peter Hartz, dessen Name inzwischen zum Synonym für die vielleicht größte Reform in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg wurde.“

Ich anstelle des wahrscheinlich schlafenden Lektors hätte diesen Absatz dick rot angestrichen und den Autoren (Götz Hamann, Mitarbeit: Tina Hildebrandt und Joachim Fritz-Vannahme) mit folgenden Worten zurückgereicht:
„Liebe Autoren, bitte überdenken Sie den markierten Satz. Sie stellen auf diese Weise den millionenfach todbringenden Zweiten Weltkrieg als eine Reform dar und damit den NS-Diktator A. Hitler als möglicherweise („vielleicht“) größten Reformator Deutschlands. Ich halte diese Verharmlosung für sehr heikel.“

Du liebe ZEIT: Gibt es bei Euch überhaupt ein Lektorat? Wenn nicht, ich stelle mich zur Verfügung, noch weiß ich nämlich nicht, was ich nach dem Studium tun soll…

Strafe folgt sofort…

Ich geh’ ja so selten zum Arzt, dass ich von anderen Leuten (wie z.B. von meiner Mutter) dafür gescholten werde, warum ich überhaupt Krankenkassenbeiträge zahle. Einen Internisten habe ich das letzte Mal vor drei Jahren aufgesucht. Immer dann, wenn ich einen nötig hätte, stellen sich mir unüberwindbare Probleme in den Weg. Heute (und heute hätt’ ich einen nötig) müsste ich extra in die Notaufnahme, und das ist mir einfach mit viel zuviel Stress verbunden. Ich hasse Stress. Außerdem würden wahrscheinlich alle anderen Patienten, denen Notoperationen und Amputationen blühen, mich wegen meines Leidens auslachen.

Ich (auf Knien rutschend): Herr Doktor, ich bitte sie, lindern sie mein Leid.
Er (mit dem Arm über die Wartenden weisend): Schaun sie sich mal um, Herr Ridder. Schämen sie sich nicht dafür, all diese von Leid zerfressenen Menschen aufzuhalten? Gehen sie nachhause und nehmen drei Aspirin. Ich muss jetzt Pest und Cholera bekämpfen…

Mir explodiert nämlich mein Kopf, und daran bin ich selbst schuld.
Grund dieses Übels war die gestrige Party, die unter meinem Bett stattfand. Oder besser gesagt: In der Wohnung direkt unter mir. Dort feierten ein paar Mädels ihren Auszug, und da meine Mitbewohnerin eine ihnen nahestehende Kommilitonin ist, ließ ich mich mitschleppen.
Unten angekommen, stellte ich schnell fest, dass die Männer ganz stark in der Überzahl waren (so ca. ¾). „Eigentlich kein Wunder, sind ja ein paar Süße“, dachte ich bei mir und daran, wie vor ein wenigen Tagen eines der Mädels vor meiner Tür stand, um einige Zeitungen für Malerarbeiten bittend. Der rote Overall, den sie trug, mit dem durchgängigen Reißverschluss beflügelte meine Fantasie ungemein *schweif ab*.
Da stand ich also nun, der zeitgleich laufende Film „Das Schweigen der Lämmer“ ließ die meisten der anwesenden Psycho-Studis kalt (!), Diskussionen mit den anderen Typen über die Attraktivität der Gastgeberinnen waren mir zuwider, das Schlafen eine Etage höher unmöglich. Also her mit der Weinflasche. Ich werd’ langsam zu alt für den Kram!

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