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Lockungen

Neulich abends gab es in der Uni ein Treffen des el§a. Dabei handelt es sich um so einen gruseligen Jura-Verband, der immer unter ganz fadenscheinigen Anlässen naives Volk in seine Reihen lockt. Das Motto dieses Meetings lautete anscheinend „Liebe“, da alle Anwesenden Herzchen mit ihrem Namen auf der Brust trugen und der Bereich, in dem sie sich über erfolgsverheißende Formulierungen in Klageschriften unterhielten, mit eben solchen geschmückt war. Ich stand ein wenig abseits und schaute diesem bunten Treiben ein paar Minuten zu, da bemerkte ich auch eine Tafel, auf der Mitwirkende des Abends ihre Sehnsüchte auf einer „In-and-Out“-Liste notieren konnten. Das Einzige, was ich aus meiner Distanz heraus erkennen konnte, war folgender Eintrag auf der „In“-Seite:
Rührei zum Frühstück
Ich beschloss natürlich, das einmal am nächsten Morgen auszuprobieren und kurz, nachdem ich mir den Schlaftalg vom Leib geduscht hatte, ließ ich zum üblichen Kaisermahl einem Ei in der Pfanne keine Ruhe. Danach setzte ich mich an den Esstisch und wartete.
Doch die Liebe klopfte nicht an die Wohnungstür. „Vielleicht findet sie auch einfach den Weg nicht“, dachte ich. Nach ungefähr einer Stunde vergeblichen Wartens musste ich mir dann doch eingestehen, dass derlei Lockungen wohl nur bei Juristen ziehen. Ich muss mir etwas anderes ausdenken. Morgen versuch’ ich’s mit Spiegelei.

Meine eigentliche Bestimmung

Bestimmt (Hoffentlich) bin ich ein adoptierter Prinz oder so. Bald nämlich wird so ein Alm-Öhi mit großer Kapuze zu mir hereingeschneit kommen und erzählt mir von meiner wahren Bestimmung: „Rouven, lang genug hast du dich herumgequält zwischen den Sterblichen. Ich muss dir etwas mitteilen, setz dich!“
Dann muss ich mich allerdings mal setzen, auf einen von den WG-Küchenstühlen, die hier überall herumstehen (Tod durch Genickbruch beim Kippeln!) und ihm mit weit geöffneten Augen anstarren. Klar, bis zu dem Zeitpunkt dachte ich, ich gehörte auch zu den Sterblichen, das merke ich schließlich ab und zu an einem Wochenendmorgen. Der Alm-Öhi beugt sich jetzt zu mir herunter , sieht mir ins Auge und spricht: „Du bist nämlich der Thronfolger derer von Dallmayr-Prodomo (oder so ähnlich). Tja, da guckst du, was? Fortan sollen deine Sorgen nur noch eine dumpfe Erinnerung an Zeiten voller Hunger und Entbehrungen sein. Komm einfach mit mir mit. Deine Feuerprobe hast du übrigens gut durchgestanden mit der Komparativlinguistik und wie das alles hieß. Was ist das eigentlich?“
Ich versuch’s ihm – immer noch ungläubig – zu erklären, aber er verdreht nur die Augen. „Komm“, sagt er und reicht mir seine Hand, „dorthin, wo wir hingehen, zeige ich dir ein paar richtige Zaubertricks, nich’ so’n halbwissenschaftlichen Kram.“
Er blickt mich an und grinst durch seinen Rauschebart. „Damit kann man prima Prinzessinen rumkriegen.“
Dann werde ich erfreut aufstehen und ihn begleiten…Ja, so wird’s sein. Vielleicht nicht morgen, vielleicht nicht übermorgen, aber demnächst.
Es muss auch nicht ganz genau so stattfinden, aber zu einigen Abstrichen bin ich bereit. Da bin ich gnädig mit meinen Erwartungen.

Überflüssige Rechtschreibprüfung

Ich hab’ gerade eben selbst meine Schreibfertigkeiten überprüft, indem ich die MS-Rechtschreib- und Grammatikprüfung außer Kraft gesetzt und daraufhin einen völlig belanglosen Text à la Brainstorm geschrieben habe. Ich habe mich währenddessen gezwungen, keine Korrekturtasten zu verwenden.
Aber so schlimm, wie ich anfangs erst dachte, war das Ergebnis nicht, bezeichnete ich doch mein Mehr-als-zwei-Finger-Suchsystem lediglich als “fortgeschrotten”. Dieser Neologismus war’s mir dann doch wert. Ab jetzt bleiben diese dummen Programme für immer abgeschaltet (auf dass sich noch mehr so tolle Sachen ergeben).

Darf ich um Ruhe bitten!

Sie sind hier nicht zum Spaß!
Wir diskutieren hier schließlich eine ernstzunehmende Angelegenheit.
Wenn wir alle könnten wie wir wollten, säßen wir nicht hier. Wo kämen wir denn da hin? Oder ist mir etwas entgangen? Wenn hier irgendetwas zum Lachen ist, erzählen Sie es uns. Wir lachen gerne mit.
Und Sie da hinten, ja, genau Sie, Sie sind jetzt mal ganz still. Herrschaften, den Übrigen, die das Thema wirklich interessiert, tun Sie damit keinen Gefallen…
Ich bin nicht gewillt, mir das länger bieten zu lassen. Wenn Sie sich weiter unterhalten wollen, können Sie das gerne draußen tun. Ich hindere Sie nicht daran. Bitte, dort ist die Tür.
Danke.

Sonderbare sexuelle Neigung

Das Leben in einer Denkfabrik ist nicht immer nur theoretisch und von großen Fragen beherrscht. Hin und wieder fühlt man sich auch dort daran erinnert, dass man nach einer Abhandlung über Schillers „Anmut und Würde“ schnell mal auf’s Klo muss. Doch so einfach, wie es zunächst scheint, ist selbst diese Unterfangen nicht in die Tat umzusetzen.
Eine Kommilitonin berichtete mir, dass sie wegen des hohen Frauenanteils an der Fakultät für Linguistik und Literatur gar nicht erst zu versuchen brauche, einen dieser Orte dort aufzusuchen. Sie begebe sich daher immer gegenüber zur Soziologie. Jetzt denkt man(n): „Aha, dann muss ja auf den Männertoiletten gähnende Leere und daher immer ein freier Platz vorhanden sein.“ Das stimmt so nicht ganz, lieber Man(n).
So kann ich mich mittlerweile auch nicht mehr auf alle öffentlichen Toiletten der Fakultät wagen. Diejenigen im Erdgeschoss sind zum Beispiel anscheinend nur Männern mit ausgeprägt sonderbarem Geschmack vorbehalten.
Als ich dort vor Kurzem einkehrte, eine Zelle betrat und mich anschickte, mein Geschäft zu verrichten, tat sich plötzlich eine durch die Trennwand gebohrte und lediglich mit Toilettenpapier verdeckte Luke auf und ein in eine Brille gefasstes Auge wollte mir dabei zusehen. Völlig verdutzt über diese Dreistigkeit entrann ich mir ein lautes „Hey“, worauf sich die Luke blitzschnell wieder schloss und ich nur noch die Geräusche einer sich schließenden Tür und schnell sich entfernder Schritte hörte. Seit diesem Erlebnis ist für mich auch das Aufsuchen eines derlei stillen Ortes keine einfache Selbstverständlichkeit mehr geworden. Die immer seltsamere Blüten treibenden Neigungen der Modernität rauben die letzten Bastionen der Privatheit.
Das muss man sich mal vorstellen: Allem Anschein nach müssen ja Leute existieren, die Beobachtungen bei einem derart diskreten Vorgang zulassen. Und obendrein gibt es wieder andere, die es erregend finden, einen Blick auf die Geschlechtsteile während…Oh Hilfe, ich merke gerade, dass mir ein wenig übel wird. Ich glaube, ich muss kurz…Moment bitte [+++Pause+++]…[+++Pause+++]…[+++Pause+++]…[+++Pause+++]…[+++Pause+++]

Sooo. Uffz. Da wär’ ich wieder. Ich muss mich für die kurze Unterbrechung entschuldigen. Das war unhöflich von mir, schließlich möchten Sie alle hier ohne Störung des Leseflusses geistig angeregt werden. Ich hoffe, es kommt nicht wieder vor. Obwohl, wenn ich darüber wieder nachdenke, dann…*würg* ich glaube *hmmpf*, vielleicht wäre es besser, wenn wir…Ein ander Mal

[+++Abbruch+++]…[+++Abbruch+++]…[+++Abbruch+++]…[+++Abbruch+++]…

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