Perfekt (nach Woody Allen)
Posted on Juni 3, 2008
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“Sie und ihr Mann haben sich gesucht und gefunden. All ihre Neurosen ergänzen sich perfekt und es funktioniert wie geschmiert.”
Carol, Freundin von Chloe, in Woody Allens “Match Point” (imdb), 2005
Passt nicht
Posted on April 24, 2008
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Ein Kollege begann heute im Pausenraum für ein Mädchen zu schwärmen, das wohl erst seit kurzer Zeit im Betrieb arbeitet. Sofort wiesen in die befreundeten Mitarbeiter darauf hin, doch endlich mal bei seinen Leisten zu bleiben, da er sich anscheinend desöfteren Objekte der Begierde sucht, die für ihn in ganz unromantisch realistischer Betrachtung ewig unerreichbar bleiben müssten.
Dabei fiel mir auf, dass man häufiger Mal eine nüchterne Begradigung seines Willens durch Außenstehende benötigt. Wer dein Typ ist, das merkst du ziemlich schnell selbst. Doch das der- oder diejenige in einer völlig anderen Liga spielt, darauf muss du erst noch hingewiesen werden.
Warum mögen Frauen Star Wars nicht?
Posted on April 6, 2008
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Ich kenne keine einzige Frau, die “Star Wars” mag und ich weiß nicht so recht, woran es liegt, dass ausschließlich Männer diese Filmreihe wertschätzen. Eventuell liegt es an einer voreingenommenen Einstellung gegenüber dem Genre Science Fiction und der Zuordnung “Krieg” zum Titel der Filme.
Zugegeben: Hauptinteresse und -augenmerk liegt bei den Filmen auf der außergewöhnlich beeindruckenden Darstellung von einer visionären, aber höchstwahrscheinlich in naher Zukunft unmöglichen Art des interstellaren Transports. Und, naja, auch der Verteidigungsmöglichkeiten, gelinde gesagt.
Ich habe mir jetzt einmal wieder die ersten drei (bzw. Teile I-III) angesehen und wäre beinahe drauf und dran, sie einem neuen Genre namens Science Fiction-Fantasy-Opera-Märchen zuzuordnen. Märchen deshalb, weil die Geschichte schließlich “vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten Galaxie” spielt, Fantasy sogar aus vielerlei Gründen: Es tauchen die merkwürdigsten Kreaturen, Kulturen aus teilweise vorzivilisatorischen Gesellschaften auf, sind mit merkwürdigen Sprachen ausgestattet und verfügen über atemberaubende Architekturen, die selbst in “Herr der Ringe” ihresgleichen suchen müssen und beinahe wäre ich drauf und dran gewesen, wissentlich Urheberrechte zu verletzen, indem ich hier Szenenfotos präsentiere.
Unter den Opera-Aspekt fällt eindeutig die detaillierte Ausmalung der Beziehungen der einzelnen Charaktere, von der Liebesgeschichte Padmes zu Anakin bis hin zur überanstrengten Freundschaft zwischen Obi Wan und Anakin. Perfektes Geschnulze eigentlich.
Egal, was man auch für Argumente vorbringt, seien es archaische (Jedi-) Ritter, die mit (Laser-) Schwertern kämpfen, mystische Religionsformen oder deutliche Parallelen zu tatsächlich dokumentierter Geschichte. Selbst ein Liebhaber klassischer Stoffe findet seine Freude daran, wenn er mal genauer hinsieht und Referenzen entdeckt (z.B. Ödipus: Teile I-III; Hamlet: IV-VI).
Doch kaum fliegt ein Raumschiff vorbei, ist das Interesse der Frau stets ebenso schnell verflogen. Jedes Mal. Raumschiffe scheinen schlimmere Reaktionen beim weiblichen Geschlecht hervorzurufen als Fußball, Bier und das A-Team zusammen.
Kurz hatte ich einmal darüber nachgedacht, was Star Wars außer einem anderen Titel noch bräuchte, um auf die Frauenwelt interessanter zu wirken, evtl. einen Hauch Reese Witherspoon mit Heidi Klum. Doch dann fiel mir ein, dass mit Padme bis Prinzessin Leia bereits Komponenten im Film vorhanden sind, die selbst die Fashionweek und Björk blass aussehen lassen könnten.
Somit bleibt mir nichts anderes als die Resignation. Will ich mir Star Wars angucken, dann muss ich das alleine oder mit anderen Jungs machen. Möge die Macht mit uns sein.
EDIT:
- Diese Listen hier halte ich schon fast wieder für einen Fake, so sehr passen sie in die gängigen Klischees.
- Es gibt Interessengruppen für feministische SF. Immerhin.
Die Eier, die wir brauchen
Posted on November 25, 2007
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Apropos “Sex and the city“: Zur Zeit machen meine Freundin und ich neben einem “Dr. House”-Marathon auch einen solchen, diese Serie betreffend. Ich gebe hiermit an dieser Stelle offen zu, dass ich die Serie damals, als sie im TV lief spätestens ab der 3. Staffel mitverfolgte. Daran ist nichts besonders verwerfliches für einen Mann, oh nein. Es ist nunmal hochgradig spannend auch für uns, vier scharf voneinander abgegrenzten, weiblichen Charakteren (die mitunter als verschiedene Stereotypen der Frau schlechthin angesehen werden könnten) dabei zuzusehen, wie sie aus ihrer Sicht mit dem modernen Phänomen “Beziehung - oder auch nicht” umgehen, eingerahmt von der Szene des “Big Apples” mit seinen Frei- und Schönheiten, wo der Frau von heute alles möglich scheint.
So wirkte und wirkt es auf so manchen Mann durchaus desillusionierend bis amüsant, dass sie unter sich genau so harte Urteile über das andere Geschlecht fällen konnten wie wir. Ich erinnere mich zum Beispiel (neben dem Zitat hier) an den Satz Samanthas über ihre kleinwüchsigen Bekannten, den sie zunächst abweisen wollte, doch nachdem er sich als für sie im Bett passabel herausstellte: “Es ist wie Sex mit einem geilen Schlumpf“.
Hier wurde vorgeführt, dass die Emanzipation ganze Arbeit geleistet hatte. Frau ist beruflich erfolgreich in der großen, großen Stadt, steht aber neuerdings vor dem Problem der gewachsenen Ansprüche gegenüber dem anderen Geschlecht und kritisiert jede entdeckte Neurose auf’s Schärfste, um ironischerweise selbst mit dieser und jener Macke behaftet zu sein. Oder übersetzen wir die “Macke” einmal politisch korrekt als “individuellen Charakterzug”.
Interessanterweise sind das exakt die Themen, um die sich Woody Allens Filme der siebziger und achtziger Jahre drehten: Das Kennenlernen, Dating, Ausprobieren exerzierte er dort - wenn auch als Mann - ebenfalls bis in’s Letzte durch, widmete dem Irrsinn aber immerhin ganze Filmlängen, meist bezogen auf eine Person oder Familie. Am Ende von “Der Stadtneurotiker“, nachdem die dortige Beziehung zu Annie nicht mehr zu retten ist, kommt er zu einer ganz phantastischen Einsicht im Sinne des “Man weiß erst dann zu schätzen, was man hatte, wenn es bereits verloren ist“. Er bedient sich dabei eines Witzes als Metapher:
Da musste ich an den alten Witz denken, den vom Mann, der zum Psychiater kommt und dann sagt: “Doktor, mein Bruder ist verrückt, er denkt, er ist ein Huhn.” Und der Doktor sagt: “Warum bringen Sie ihn nicht ins Irrenhaus?” Und der Mann sagt: “Das würde ich ja gerne, aber ich brauche die Eier.” - Tja, ganz ähnlich ist es auch mit menschlichen Beziehungen, hab’ ich das Gefühl. Sie sind oft so irrational, so verrückt und absurd, aber trotzdem machen wir das mit, weil, tja, weil die meisten von uns die Eier brauchen.
Weil wir die Eier brauchen! Mal bitte, wie kuhl ist das denn?
Für ein Genre wie die Serie wäre solch ein Statement oder Einsicht natürlich tödlich, es muss schließlich weitergedatet werden. Und wir sind erst bei der dritten Staffel. Aber ich glaube, ich glaube, am Ende der sechsten kommt es zu einem gewissen Showdown, wenn mich nicht alles täuscht. Außerdem soll ja noch ein Film kommen.
Unterschiede zwischen Mann und Frau
Posted on September 16, 2007
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Heute, beim Aufräumen des Flures und beim Entdecken merkwürdiger Dinge, definiert der Mitbewohner den Unterschied zwischen Mann und Frau anhand des Potpourris:
Mann: “Schatz, ich habe endlich mal die verwelkten Blumen weggeworfen.”
Frau: “Neiiiin, das war doch Deko!”
Mir kommt heute noch ein ganz anderer Unterschied in den Sinn, und zwar beim Nachdenken darüber, wozu man sich überhaupt über Flüssigkeitsmengen im Handgepäck Gedanken machen sollte. Will ich mir etwa auf einem dreistündigen Flug die Haare an Bord waschen? Bitte, nein. Ein Buch genügt ja wohl völlig.
Schokolade zum Frühstück
Posted on Dezember 13, 2006
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zu “Bridget Jones” (heute, 20:15 Uhr, ZDF)
S.: Also, als der Film damals rauskam, meinte die Frauenwelt ja plötzlich ganz selbstbewusst, es ginge ja doch, man müsse nicht unbedingt superschlank sein, um Eindruck zu schinden.
Ich: Und was hat die Männerwelt dazu gesagt?
S.: Nichts.
Elektra (i) zität
Posted on Juni 3, 2006
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Dem aufmerksamen Leser wird kaum entgangen sein, dass sich da vor kurzem was in meinem Leben getan hat, im positiven Sinne.
Um es kurz zu fassen: Ich wurde auf raffinierte und originelle Weise erobert!
Zunächst wollte ich mich darüber hier in der Öffentlichkeit bedeckt halten, schließlich muss ich ja nicht alles, was mich privat angeht, dem voyeuristischen Neigungen der Leserschaft anheim geben bzw. meinen exhibitionitischen nach (ich heiß ja nicht Rilke, oder so). Doch es juckte mich ganz schön in den Fingern, darüber etwas zu bloggen, aber hallo.
Ich posaunte es auch deshalb nicht aus, weil ich zunächst gar nicht wusste, wem ich die Zuneigungsbekundung, die mich per Post erreichte, zu verdanken hatte, und so ging ich einige Tage etwas paranoider als ich es eh’ bereits bin, durch die Gegend.
Aber nun ist das Geheimnis seit etwas mehr als zwei Wochen gelüftet, nicht nur weiß ich, wer sich dahinter verbarg, sondern nach kurzer und intensiver Kennenlernphase kann ich sagen, dass da wieder jemand an meiner Seite anzufinden ist.
Die film- und romanreife Art und Weise, wie mich S. auf sich aufmerksam machte, sei jetzt hier, nachdem alles mehr als gut gegangen ist, präsentiert.
Beinahe ein Monat ist nämlich in’s Land gegangen, da überreichte mir die werte Mitbewohnerin - vom Briefkasten kommend - einen Umschlag:




Aber ein Interview vor Deiner Kamera lassen wir doch lieber sein, Marc
Raus damit!
Posted on Dezember 2, 2005
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Gestern wurde mir dann einmal mehr ein Beispiel dafür geliefert, dass die Kommunikation zwischen Mann und Frau nicht ganz so reibungslos funktioniert, wie man sich das immer wünscht.
Zur Sache.
Eine Freundin ist verliebt. Das ist schön.
Aber ihre Mutter und eine weitere Freundin erfüllten mal wieder ein Klischee, indem sie ihr rieten, sich doch jetzt bitte rar zu machen, Spannung aufzubauen etc. pp.
Aber das kann ja nun nicht die richtige Vorgehensweise sein. Ich musste an Harrys Satz gegenüber Sally denken, der in etwa sinngemäß lautet:
“Wenn man bemerkt, dass man den Rest des Lebens miteinander verbringen will, dann will man auch, dass der Rest des Lebens so schnell wie möglich beginnt.”
That’s it.
Es muss ja nicht gleich in den “Rest des Lebens” ausarten, aber immerhin könnte man in Analogie dazu Unwissenheit in viel mehr Lebensbereichen aus der Welt schaffen.
Und darum tat ich etwas, was ich sonst so selten in diesen Dingen tue, nämlich ihr einen Rat meinerseits mitzugeben, sozusagen von männlicher Seite.
“Du nimmst jetzt dein Handy und schreibst ihm eine SMS, ob ihr nicht jetzt gleich noch etwas zusammen trinken gehen wollt. Je nach Reaktion wirst du seine Prioritäten erkennen können.”
Gesagt, getan. Und er meldete sich tatsächlich wenige Minuten später, sie gingen zusammen aus.
Das Ende vom Lied verlief dann zwar nicht so glücklich, aber jetzt hat sie immerhin Gewissheit über seinen Status. Hätte sie sich “rar” gemacht, würde sie nun dauernd darüber nachgrübeln, was denn wohl wäre, wenn usw.
Eines habe ich seit dem Tod der guten Freundin vor kurzem gelernt. Heraus mit der Sprache, sonst bleibt es lange Zeit bis ewig hängen.
[Oha, die Grice’schen Konversationsmaximen schimmern durch, da sind sie wieder ;-)]
EDIT: Ich hatte ja beinahe vergessen, wie fantastisch schwarz der Humor im Film “Harry und Sally” eigentlich ist. Einige sehr schöne Zitate gibt es hier noch einmal zur Erinnerung zu hören *g*.
The Club-Knigge has to be erst noch geschrieben werden
Posted on September 17, 2005
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Seien wir ehrlich, nervt Sie das nicht auch vehementestens, wenn in Ihrer Nähe Frauen zur Begrüßung laut quieken, sich in den Arm fallen, und sich Küsschen auf beide Wangen geben als wären sie die besten Freundinnen, hätten schon nächtelang unter der Bettdecke über die Intimstellen der - vermutlich - bereits getauschten Sexualpartner gekichert?
Diese Begrüßungszärtlichkeiten sind natürlich nur angedeutet, leicht angehaucht beinahe, denn erstens will man das Make-Up der „Freundin“ nicht ruinieren (sie wissen schließlich beide, wie lange es gedauert hat, ihr jeweils eigenes zu perfektionieren), zweitens wollen sie sich ja keine Hennengrippe oder ähnliches zuziehen.
Ähnlich verfährt Mann von Welt, wenn er heutzutage noch Handküsse vergeben sollte.
Schaut man sich einmal gewisse Filme an, nennen wir sie der Einfachheit halber Schnulzen, dann scheint es so, als wenn Frau sich einen charmanten, zuvorkommenden Mann wünscht, der den Knigge der Galanterie in- und auswendig beherrscht, nein, am besten sollte er ihn selbst geschrieben haben.
Doch oft wird vergessen, dass die Hollywood-Schnulzen und Romane, denen diese Umgangsformen meist ihren Anspruch verdanken, nunmal ein Konglomerat von Wunschbildern und Idealen abbilden, sozusagen die Quintessenz der Utopien darstellen, die wir bereits vorbewusst einverleibt haben. Seit Jahrhunderten existieren die gleichen Handlungsstränge in Märchen, Legenden usw., und werden in immer anderen Variationen geliefert, schüren damit das Feuer der Erwartungshaltungen.
Eigentlich verhält es sich damit nicht anders als mit der griechischen (eigentlich jeder polytheistischen) Götterwelt: Menschliche, mehr oder weniger vorbewusste Archetypen werden in literarisch-fiktionale Sphären erhoben. Da ist überall ein schwarzer Ridder, ähh, weißer Ritter, vorhanden.
Doch ich habe es jetzt mehrfach erlebt, dass einige Geschlechtsgenossen eben gerade diese Methoden als für immer statthaft und erlaubt ansehen. Manchmal handelte es sich dabei allerdings dann doch um die falsche Zeit, um sie anzuwenden, gelegentlich um den falschen Ort, und oft denke ich, dass gewisse non-verbale Komplimente einfach gar nicht mehr zeitgemäß sind (wenn sie es jemals waren) und dann gehörig über die Strenge schlagen. Die Situationen, in denen viele meinen, jetzt müssten sie zum finalen Schlag ausholen, bleiben nunmal nur Cary Grant vorbehalten. Nur er besitzt einen Anspruch auf das Schicksal mit dem aus einer Laune heraus aufspielenden Streichorchester.
Stellen Sie, geneigte Leserin, sich einmal vor, Sie befänden sich in einer für Parties und Rockkonzerte umfunktionierten Maschinenfabrik, in der Sie vor lauter Menschen Schwierigkeiten hätten, Ihre Orientierung zu behalten. Sie sind erfreut, ein altbekanntes Gesicht zu sehen, das - ebenfalls erfreut, Sie lange nicht gesehen zu haben - sogleich Ihre Hand ergreift und beginnt, diese schmatzend mit dem Mund zu penetrieren, während im Hintergrund die Menge zu äußerst rauhem Punksound beginnt herumzupöbeln. Sind Sie immer noch erfreut?
Andere Situation, der gleiche Ort. Sie sehen Jemanden, von dem Sie bereits wissen, dass er Sie verehrt. Aufgrund dieses Wissens hielten Sie bislang den Kontakt zu ihm eher diplomatisch „auf Sparflamme“, bei der Begrüßung nimmt er Sie in den Arm und sagt: „Du verströmst aber heute wieder einen Duft.“ Schaffen Sie es, ernst zu bleiben?
Der Handkuss, der korrekte, mit der Nasenspitze angedeutete, sollte wirklich nur Leuten mit Rang und Namen vorbehalten sein. So erzkonservativ bin ich jetzt mal, das mag man mir verzeihen. Jemand mit Adelstitel, der nun, nach einem Leben voll des Engagements innerhalb seiner Partei nach langen Jahren zufällig im Hotel Adlon auf die verflossene Liebe trifft, DER darf so etwas zur Begrüßung tun. Ansonsten wirkt es einfach lächerlich, Szenen aus Rosamunde Pilcher-Filmen in die Subrock-Clubs zu tragen. Und bedauernswert für denjenigen, der auf diese Art und Weise dennoch versucht, charmant zu erscheinen.
Nimmt es daher, aufgrund dieser schlimmen, medial-beeinflussten Verunglimpfungen noch Wunder, dass Frauen diese Respektbekundungen ausschließlich sich selbst (und dann sehr kühl) zuweisen? Während die Männerwelt danebensteht und ein „Hi5“ austauscht?
Nein, eigentlich nicht.
Und wenn Sie auf ein originelleres Kompliment als die genannten warten, eines, das auf Sie persönlich zugeschnitten ist, keinen biblischen Bezug aufweisen soll, Kreativität erwünschen und Einfühlsamkeit, dann…
(dieser Zusatz darf überlesen werden)
…überlegen Sie sich bitte unter anderem gut, was Sie am Sonntag wählen und unter welchem Kreuz unter anderem Kreativität gefördert wird.
Fleckenentferner
Posted on September 7, 2005
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Nicht gerade arm an Metaphern ist mal wieder das nähere Blog-Umfeld, wenn es um Beziehungsdinge geht.
Etwas weniger Maritimes als dort habe ich gestern mal wieder vernommen, und eigentlich hatte ich gehofft, es nicht so schnell wieder von derjenigen zu Ohren zu bekommen. Obwohl, wenn ich genau darüber nachdenke, war ich es wohl, der sie darauf ansprach. Na gut, was ich meinte, ist halt die Sache mit den „dunklen Flecken auf der Seele“.
Sie meinte jedenfalls, dass sie ihre eigenen düsteren Bereiche lieber keinem Menschen zumuten möchte.
Nach längerer Überlegung glaub’ ich übrigens, dass das nicht richtig wäre. Jedenfalls nicht so. Ich denke, es gibt in jedem Menschen Zonen, die nicht unbedingt erfreulich sind, egal, ob derjenige von ihnen weiß oder nicht. Wie langweilig wäre es, mit jemandem zusammen zu sein, der einfach nur perfekt ist? Ich würde im gegenteiligen Fall mit Sicherheit nach kurzer Zeit die Wände hochgehen vor Harmonie.
Alain de Botton hat was ganz Schlaues dazu geschrieben. Er sagt, dass eine Beziehung (egal, welcher Art übrigens) nunmal auch eine Art „Ich-Bestätigung“ ist. Durch das Entgegenkommen oder einfach nur das “Füreinander da-Sein” von Geliebten oder Freunden wird Bestätigung der Person ausgedrückt. De Botton zieht den Spiegel-Vergleich: Wenn man sich z.B. einen Freund als einen Spiegel vorstellte, käme aufgrund seiner Individualität immer ein verzerrtes Bild zum Vorschein. Dieser wäre vielmehr sogar eine Art Handspiegel, da er immer nur gewisse Aspekte der befreundeten Person besonders in Augenschein nähme.
Dieses übermittelte Bild entspricht natürlich in den seltensten Fällen dem Bild, das man selbst von sich hat bzw. das man sich von sich selbst wünscht. Die „Ich-Illusion“ liefe Gefahr, zerstört zu werden, und das wollen in modernen Zeiten und Gesellschaften die Wenigsten. Ganz besonders dann natürlich, wenn man befürchtet, die tief unten verborgenen „dunklen Flecken“ könnten meinem Partner, meinem Gegenüber oder der Beziehung zwischen uns enormen Schaden zufügen.
„Der Mensch kann alles in Einsamkeit erwerben außer Charakter“ zitiert De Botton Herrn Stendhal (es existiert zwar bei ihm nirgendwo eine Hinweis auf eine Quelle, aber im Zweifelsfall dürfte es wohl dem Roman “Le Rouge et le Noir” entspringen), und ich glaube, da ist viel Wahres dran. Man brächte sich um eine Menge Spaß (oder meinetwegen “Lebensfreude”) im Leben, wenn man sich anderen künstlich verschlösse wegen der Bedenken hinsichtlich möglicher Verletzungsgefahren.
Und als unverbesserlicher Romantiker schlage ich sogar mal einen unglaublich kitschig klingenden Weg ein. Den Fall gesetzt, ich wüsste um der Ängste um solche noch gar nicht eingetretenen Konfliktsituationen, dann würde ich bestimmt sagen:
„Weißt du was? Deine dunklen Flecken sind jetzt auch meine. Komm her, wir legen sie in die Mitte und ich meine eigenen gleich dazu. Vielleicht können wir sie, wenn sie nicht idealerweise verschwinden sollten, ein wenig ästhetisch abrunden und zurechtstutzen. Die Biester ham ja ganz schön scharfe Kanten.“
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