Fleckenentferner

Posted on September 7, 2005
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Nicht gerade arm an Metaphern ist mal wieder das nähere Blog-Umfeld, wenn es um Beziehungsdinge geht.

Etwas weniger Maritimes als dort habe ich gestern mal wieder vernommen, und eigentlich hatte ich gehofft, es nicht so schnell wieder von derjenigen zu Ohren zu bekommen. Obwohl, wenn ich genau darüber nachdenke, war ich es wohl, der sie darauf ansprach. Na gut, was ich meinte, ist halt die Sache mit den „dunklen Flecken auf der Seele“.
Sie meinte jedenfalls, dass sie ihre eigenen düsteren Bereiche lieber keinem Menschen zumuten möchte.
Nach längerer Überlegung glaub’ ich übrigens, dass das nicht richtig wäre. Jedenfalls nicht so. Ich denke, es gibt in jedem Menschen Zonen, die nicht unbedingt erfreulich sind, egal, ob derjenige von ihnen weiß oder nicht. Wie langweilig wäre es, mit jemandem zusammen zu sein, der einfach nur perfekt ist? Ich würde im gegenteiligen Fall mit Sicherheit nach kurzer Zeit die Wände hochgehen vor Harmonie.
Alain de Botton hat was ganz Schlaues dazu geschrieben. Er sagt, dass eine Beziehung (egal, welcher Art übrigens) nunmal auch eine Art „Ich-Bestätigung“ ist. Durch das Entgegenkommen oder einfach nur das “Füreinander da-Sein” von Geliebten oder Freunden wird Bestätigung der Person ausgedrückt. De Botton zieht den Spiegel-Vergleich: Wenn man sich z.B. einen Freund als einen Spiegel vorstellte, käme aufgrund seiner Individualität immer ein verzerrtes Bild zum Vorschein. Dieser wäre vielmehr sogar eine Art Handspiegel, da er immer nur gewisse Aspekte der befreundeten Person besonders in Augenschein nähme.
Dieses übermittelte Bild entspricht natürlich in den seltensten Fällen dem Bild, das man selbst von sich hat bzw. das man sich von sich selbst wünscht. Die „Ich-Illusion“ liefe Gefahr, zerstört zu werden, und das wollen in modernen Zeiten und Gesellschaften die Wenigsten. Ganz besonders dann natürlich, wenn man befürchtet, die tief unten verborgenen „dunklen Flecken“ könnten meinem Partner, meinem Gegenüber oder der Beziehung zwischen uns enormen Schaden zufügen.
„Der Mensch kann alles in Einsamkeit erwerben außer Charakter“ zitiert De Botton Herrn Stendhal (es existiert zwar bei ihm nirgendwo eine Hinweis auf eine Quelle, aber im Zweifelsfall dürfte es wohl dem Roman “Le Rouge et le Noir” entspringen), und ich glaube, da ist viel Wahres dran. Man brächte sich um eine Menge Spaß (oder meinetwegen “Lebensfreude”) im Leben, wenn man sich anderen künstlich verschlösse wegen der Bedenken hinsichtlich möglicher Verletzungsgefahren.
Und als unverbesserlicher Romantiker schlage ich sogar mal einen unglaublich kitschig klingenden Weg ein. Den Fall gesetzt, ich wüsste um der Ängste um solche noch gar nicht eingetretenen Konfliktsituationen, dann würde ich bestimmt sagen:
„Weißt du was? Deine dunklen Flecken sind jetzt auch meine. Komm her, wir legen sie in die Mitte und ich meine eigenen gleich dazu. Vielleicht können wir sie, wenn sie nicht idealerweise verschwinden sollten, ein wenig ästhetisch abrunden und zurechtstutzen. Die Biester ham ja ganz schön scharfe Kanten.“

Beziehungsanbahnungssprueche

Posted on August 29, 2005
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In Anlehnung zu “Lust auf’n Kaffee” wollte ich heute mal von einer Variante berichten, die mir gerade eben zu Ohren gekommen ist. Sie lautet: “Wir können ja mal zusammen ein Video gucken”!
Da muss ich doch direkt mal drüber nachdenken, welchen Film ich mitbringen würde. “Texas Chainsaw Massacre”? Oder einen von den unsäglich vielen Filmen mit Richard Gere oder Hugh Grant in Hochzeitsdress?

Zum Mitnehmen

Posted on August 25, 2005
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Es ist immer das Gleiche: Frauen kann man manchmal einfach nur durch seine bloße Anwesenheit für sich gewinnen, aber meistens auch nur dann, wenn man nicht an ihnen interessiert ist. Dass eine Frau einen Mann nur durch ihre Gegenwart beeindrucken kann, ist wahrscheinlich auch keine neue Erkenntnis. Aber, aber, böse wird’s, wenn Interesse, oder womöglich (ich mag’s gar nicht aussprechen) ein wenig Verliebtheit mit in’s Spiel gerät. Dann geht der Kontakt vermutlich ad hoc in die Dutten.
„Anbetung“ ist eine fiese Sache, eine Tätigkeit (oder Angewohnheit), die den Respekt der angebetenen Person in nullkommanix gen Flatline und im schlimmsten Fall sogar darunter kickt. Denn wer will schon - nehmen wir ein metaphorisches Extrem - ein “abhängiges Hündchen” als Partner sein Eigen nennen, wenn man doch auf der Suche nach jemand Ebenbürtigem ist? Richtig: Niemand.

Die bestgeeignetsten Orte, um seine und die der anderen völlig oberflächlichen Intuitionen am eigenen Leibe live und in Farbe zu spüren, sind leider keine Stätten der Einkehr oder Tempel des inneren Ausgleichs, sondern die Diskotheken, in denen man noch (ich muss ja inzwischen „noch“ betonen) Menschen gleichen Alters begegnen kann. Das gegenseitige Beglotze und Abgechecke ist nirgends intensiver zu erleben. Aber die Enttäuschungen können hier ebenfalls zahlreich anzutreffen sein, wenn die Fassaden einbrechen und man Einblick in das Innere der Seelenhäuser gewährt bekommt.
An dieser Stelle fühle ich mich einmal mehr zum Zitieren gezwungen, nämlich frühere Kolleginnen der Mitbloggerin, die behaupteten, „in ner Disko lernt man nie den Mann des Lebens kennen“. Es ist nur folgerichtig, dass, wenn Frauen mit solchen „Weisheiten“ ausgestattet, in den Tanztempeln Bekanntschaften schließen wollen, die hehre Männerschaft dort vice versa nicht auf die große Liebe hoffen darf. Auch, wenn allem Anschein nach ziemlich viele Menschen hier eine Ausnahme von dieser Regel erhoffen, stellt sich die Frage: Wo ist dann der richtige Ort dafür?
Im Kollegium darf man einer, aus dem Englischen überlieferten Redewendung, ebenfalls keine Stelldicheins eingehen, also sollte man so etwas analog dazu z.B. nicht im gleichen Studiengang beginnen (sieht ja auch doof aus, wenn man im Seminar herumflirtet). Die Wohnung oder die nähere Nachbarschaft sollte man aus stresstechnischen und moralischen Gründen tunlichst auch aus dem Blickfeld nehmen.
Bleibt also nur noch als chancenreichster Ort zum Auffinden der Liebe mal wieder die Straße. Oder die Öffentlichkeit, die vielzitierte Hand, die zufällig nach dem gleichen, letzten begehrten Objekt im Einkaufsregal greift. Und dann bloß nicht hingucken und kennenlernen, seitwärts ansprechen.

„Sie greifen gleichzeitig mit mir hier nach der letzten Packung WC-Frisch Aktiv-Tabs. Ist ihnen eigentlich bewusst, in wie vielen Liebesfilmen dieses Motiv den nötigen Funken liefert, den Plot Point für eine große Romanze? Ihnen ist hoffentlich klar, dass ich sie jetzt in logischer Konsequenz mit nachhause nehmen muss. Kommen sie bitte sofort mit.“

Tja, und dann dürfte wohl alles klar sein.
Ich bitte daher sämtliche Konzerne der Supermarktketten ihre Mitarbeiter anzuweisen, ab sofort von jedem Produkt immer nur eins in das Regal zu stellen. Der dafür notwendige Aufwand und die Gehälter für mehr Personal könnten sich langfristig lohnen: Denn womöglich stehen durch die auf diesem Wege frisch entstandenen Frühlingsgefühle jede Menge künftiger kleiner Konsumenten in’s Haus [übrigens auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an das Familienministerium ;-) ].

Die Betonung von Zeit

Posted on Juli 29, 2005
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Es ist spät, ich weiß. Aber etwas muss erzählt werden.
Eine mir nahestehende, männliche Person hat von seiner Freundin einen grandiosen Satz zu Ohren bekommen, den man leider in Ermangelung effektiver Darstellungsmöglichkeiten hinsichtlich Betonung, Intonation und Satzrhythmus schriftlich gar nicht korrekt wiedergeben kann. In’s Archiv muss er trotzdem und daher bitte ich jeden, sich seinen eigenen Bedeutungsangelpunkt herauszusuchen. Der Satz lautet:

“Ich will sehen, wie du alt wirst.”

Phantastisch, oder?

Kompliment vs. Feststellung

Posted on Juli 25, 2005
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Freitagabend auf einer Party.
Ich: „Hey, dich kenne ich doch. Du bist doch die Frontfrau der Band XY. Ich habe euch neulich daundda spielen gesehen.“
Sie: „Echt, du hast mich wiedererkannt. Daaamit hast du mir den ganzen Abend versüüüßt.“ Und umarmt mich dabei.
Wir unterhielten uns daraufhin noch ein wenig, während ich stillschweigend über die Wirkung einer lediglich ausgesprochenen Feststellung staunte, denn: Das war eigentlich nicht als Kompliment gedacht und enthielt noch gar keine Wertung.
Nur eine aufgeblitzte Erinnerung brachte ich damit zur Sprache und so gelangte ich zu der Ansicht, dass diese meine Aussage in ein Beziehungs- oder Selbstoffenbarungsohr gerutscht sein musste.
Man darf es nicht als schlechtes Zeichen sehen, wenn ich die Wikipedia bemühen muss, um die Bedeutung von „Charme“ zu ermitteln. Manch einer versteht darunter etwas anderes als ich. Ich selbst kann zum Beispiel mit der Umschreibung „der galanten Umgangsformen, der Verfeinerung des Lebensstils“ fabelhaft leben.
Momentan arbeite ich ja ein wenig an mir.
Vor längerer Zeit nämlich wurde mir mal von einer Freundin gesagt, wenn ich ein wenig charmanter agierte, könnte ich „der totale Frauenheld“ sein. Nicht, dass ich auf so einen Ruf scharf wäre (Himmel, bewahre!), das wäre ja auch nicht gerade das, was ich für mich suche.

Aber es ist wohl wahr, dass ich bis dahin eher dazu neigte, Frauen gegenüber ironisch zu begegnen, sie für gewisse Verhaltensweisen aufzuziehen, und der Frotzelei nahm gar kein Ende, wenn ich meine ehrlichen fünf Minuten bekam. Aufgrund vorangegangener Beobachtungen kam auch die Anregung seitens der Freundin. Das stimmte schon, meine Direktheit konnte mitunter schmerzen. Was die andere, ehrliche Seite betraf, auch einmal angenehme, nette Gedanken auszusprechen, unterdrückte ich diese bis dahin und hatte Angst davor, damit zuviel auszusagen.
Das soll sich nun ändern und ist im Prozess begriffen. Man kann sich das Miteinander-Leben schließlich auch angenehmer gestalten (and that’s what „Komplimente machen“ is all about). Ich schränke das aber immerhin auf ehrlich gemeinte ein und überhöre „fishing-for-compliments“-Strategien (das wäre ja zu billig).
Allerdings, anscheinend (s.o.) werden so manches Mal auch die einfachsten Dinge für ein solches gehalten. Vorsicht ist also geboten, wo und an wen man solche richtet.

Sichtweisen/Konnotationen

Posted on Mai 26, 2005
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Eine Bekannte (keine Namen hier) fühlte sich wegen einer kürzlich vorangegangenen Trennung emotional beansprucht und suchte Ausgleich für ihre Libido.
Sie rief daher einen Freund an, der ihr in dieser Situation offensichtlich gerne aushalf. Ihr Anliegen umschrieb sie am Telefon mit folgenden Worten:

„Magst du mich sehen?“

mit deutlicher (und wiederholter) Betonung des Verbs „sehen“. Eine nette Variante, Direktheit zu vermeiden, indem man einen anderen als den eigentlich gemeinten der fünf Sinne heranzieht. Das Auge isst nicht nur mit, es isst. Visuelles Verschlingen.
Vielleicht findet die Kirche daran gefallen, wenn wir bald zurück in bible-speech im Sinne von „Und Lot erkannte seine Frau und sie gebar ihm…“ verfallen *g*.

P.S.: Sprechen nicht auch gewisse Menschen aus Prüderie predigenden Religionen beim männlichen Glied von der „einäugigen Schlange“, wenn sich Geschlechtsverkehr vor der Ehe anbahnt?

Nicht länger einsam dank Lucky Strike

Posted on April 20, 2005
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Wie der Zufall so balgt, fühlte ich mich gestern an eine Marke erinnert, die uns hier in jüngster Zeit desöfteren über den Weg stolperte. Habe ich doch bei mir im Küchenregal einige Gimmicks von Lucky Strike wiedergefunden, die ich dort vor bestimmt mittlerweile zwei Jahren hinpfefferte und seitdem vergessen hatte.
Ein Promotion-Team musste sie mir in einem Lokal in die Hand gedrückt haben, als sie bereits keine Zigaretten mehr verteilen durften. Stattdessen dachte sich der Mutterkonzern damals wohl andere Wege aus, um dem Jungvolk einen positiven Eindruck von sich zu vermitteln.
Das, was ich dann zur weiteren Belustigung mit nachhause nahm, hatte die Gestalt einer Zigaretten-‚Big Box’, allerdings mit dem Unterschied, dass sich darin ein ‚Flirt-Set’ befand. Neben dem Üblichen, also Streichhölzer zum Feuer anbieten, einem Bleistift zum Nummern notieren (in Form einer Zigarette. Süß) hatten sich die Werbefuzzis aber noch so mancherlei andere Narretei einfallen lassen.
Ich glaube kaum, dass die künstliche Spinne die erhofften Reaktionen beim zarten Geschlecht fruchten lassen wird, zumal das Ding irrsinnig unecht aus der Wäsche guckt und es einem Drahtseilakt gleichkommt, die ‚Kontaktspinne’ unbemerkt auf ihrer Schulter ruhen zu lassen.

„Das ist der Moment, in dem sie Ihnen um den Hals fallen wird. – Wenn Sie eine Frau sind, erschrecken Sie sich bitte selbst.“

Auch gut: Das ca. zehn Zentimeter kurze Seil mit jeweils einer Schlaufe an den Enden.

„Schnell das kleine Abschleppseil herausholen und den Partner mit den Schlaufen quasi um den Finger wickeln.“ Schreck!

Nun gut, aber der Konzern weiß, dass nicht alle Menschen dieser Erde auf Liebe, die in emotionalen Extremsituationen entsteht, bauen und lassen ihnen immerhin die Möglichkeit, durch Gespräche erste Verbindungen zu knüpfen. Bei der Wahl des Objekts kann aber dennoch Unentschlossenen Abhilfe geboten werden, denn es gibt ja noch den ‚Decision-Maker’, einem Würfel, auf dessen sechs Seiten die typischen Attribute des jeweils begehrten Geschlechts auszumachen sind. Für das Weibliche wären dies:
1. Schrill, aber hübsch
2. Rassig, aber still
3. Blond, aber schlau
4. Laut, aber freundlich
5. Klein, aber feurig
6. Elegant, aber frech

Für die männliche Seite sähe das dann so aus:
1. Verwegen, aber harmlos
2. Dick, aber chic
3. Muskulös, aber schlau
4. Klein, aber reich
5. Schlacksig, aber süß
6. Charmant, aber geizig

Nachdem die Würfel nun gefallen sind und z.B. man(n) ein seiner Schicksalswahl entsprechenden Part gefunden hat, darüberhinaus bei geglückter Blickkontaktaufnahme nicht nur lediglich Sympathie, sondern auch ein Lächeln jenseits des Debilentums erhascht hat, bleibt einem noch die Entscheidung darüber, was man(n) denn nun endlich sagt. Zum Glück weiß bei völliger kommunikatorischer Inkompetenz der ‚Taschensouffleur’ Rat. Man(n) kann nun mit sicher vorgekaspertem Ego auf sie zugehen, ihr tief in die Augen sehen und säuseln:

„Können wir nicht zusammen irgendwohin fliegen? Die Schmetterlinge in meinem Bauch sind groß genug um uns zu tragen.“

Sie wird mit Sicherheit abheben wollen.
Andere erste An-Sätze für die männliche Seite werden zur Alternative empfohlen:
-„Ich würde gerne der Grund für deine schlaflose Nacht sein.“
-„Ist das ein Erdbeben? Ich bekomme gerade so wackelige Beine.“
-„Ja, ich habe eine Freundin. Sie weiß nur noch nichts davon.“

Das geht natürlich auch anders herum. Frau darf Mann z.B. mitteilen:
-„Sorry, ich möchte dich nicht dumm anmachen, aber ich hätte nichts dagegen, wenn du es tust.“
-„Denkst du, dass wir einen gemeinsamen Freund haben, der uns einander vorstellen könnte?“
-„Hey, ich habe meine Telefonnummer verloren. Leihst du mir deine?“

Aber es gibt selbstverständlich auch Dinge, bei denen es völlig gleichgültig ist, von welchem Geschlecht sie kommen:
-„Keine Ahnung, wie spät es ist. Solange du da bist, ist noch nichts zu spät.“
-„Mein Name? Oh, ich glaube, ich habe gerade alles vergessen!“
-„Wo meine Freunde sind? – Wohl schon weg. Das ist typisch, die verpassen immer das Beste.“

Gut, dass Lucky Strike auch auf diesem Schlachtfeld für den taktischen Nachschub der Truppen sorgt. Für den weiteren Verlauf des Abends müssten sie jetzt nur noch den kleinen Mann im Ohr vertreiben, der Tipps für jede mögliche kommende Situation gibt, auch, wenn sie noch so prekär und heikel ist. Das wäre mal interessant zu durchdenken, aber, da fällt mir gerade ein, es gibt wohl hierzu bereits jede Menge seltsamer Komödchen und Theaterstadl.

Der Valentinstag…

Posted on Februar 1, 2005
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…kündigt sich bereits in den Medien an. Nicht nur hier auf vielen Startseiten wird man damit zugebuttert, nein, das Fernsehen und die Printmedien schärfen unsere Sinne ebenfalls unerbittlich auf das Geldausgeben in knapp zwei Wochen.
Erinnert sich jemand an die Simpsons-Folge, in der die Unternehmen sich für’s Sommerloch einen neuen Feiertag, den „Liebes-Tag“, erdenken und lediglich Lisa innerhalb der Familie auf die wahren Hintergründe aufmerksam macht? O.K., in der Zeichentrickserie nimmt die Handlung wie so oft eine unerwartete Wendung ein (durch den Verpackungsmüll ermutigt, schwingt Homer sich zum Müllinspektor von Springfield auf), aber wie weit ist es mit diesem einen Tag bereits gediehen?
In anderen Ländern nimmt man den Valentinstag gerne auf und begeht ihn tatsächlich wie einen echten Feiertag (siehe Korea, Japan, Taiwan), dort hat z.B. FedEx alle Hände voll zu tun. Respektable Leistung, gut eingeschlagen, kann man da nur sagen.
Hier ist man ja noch ein wenig reserviert, soweit ich das beurteilen kann. Im Gegensatz zu den eben genannten Gegenden sind wir anscheinend noch nicht so dermaßen medienabhängig, dass uns solche Anlässe permanent ins Bewusstsein gehämmert werden, dass sie irgendwann einen festen Platz dort einnehmen. Mit der Zeit wird sich das bestimmt aber auch ändern (nicht, dass ich es gutheißen würde).
Ich bin allerdings auch nicht ganz von Schuld frei, das muss ich gleich dazusagen. Auch ich hatte mir für diesem Tag einstmals ein ungeheures Quentchen an Kreativität aus den Synapsen gequetscht, um Freude zu bereiten (aber auch nur, weil ich wusste, dass die Adressatin diesen Tag schätzt). Und das war gar nicht mal kostspielig.
Ein ander Mal habe ich ganz kostenlos - als Nettigkeit gedacht – elektronische Valentinskarten versendet. Das erwies sich in einigen Fällen als fataler Fehler, bekamen die Empfängerinnen diese anscheinend in den falschen Hals und dachten, mir sei es damit ernst. Diesen gegnüber musste ich mich fortan diplomatischer als gewohnt verhalten. Diejenigen, die mich besser kannten, wussten es aber als Beweis der Freundschaft zu schätzen. So muss das laufen, wenn überhaupt.
Man kann viel falsch machen. Dass das Beschenken, wenn es einem aufgedrängt wird, eine schier unüberwindbare Gewissensfrage werden kann, lässt sich prima in Florian Illies’ „Anleitung zum Unschuldigsein“ ablesen, Kapitel: „Heute kaufe ich dem Mann mit den Rosen keine ab“. Die Situation kennt wahrscheinlich jeder, der mit einer Angebeteten in einem Lokal sitzt und jemand hält einem unerwartet Blumen unter die Nase.
Der Valentinstag ist natürlich etwas weniger prekär, denn die Angeschmachtete (oder Partnerin) ist ja in den meisten Fällen gar nicht anwesend (oder soll überrascht werden), sonst wäre der Fleuropbringdienst ziemlich witzlos. Jeder Mann weiß, dass Frauen kleine Aufmerksamkeiten mögen, auch wenn sie noch so oft beteuern, dass ihnen nichts daran liegt: Im Fall der Fälle werden sie vor Glückseligkeit quieken und sich am besagten Tag wie eine Schönheitskönigin fühlen, das Selbstbewusstsein himmelwärts und dem Mann, der ihr dieses Gefühl verschafft hat, grenzenlos dankbar.
Tja, was werd’ ich an dem Tag machen? Ehrlich gesagt, ich hadere und weiß es noch nicht…

Beknacktes Baggern am Rande des MoMA-Marathons

Posted on Juli 30, 2004
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Ein als im Vorfeld spassig gedachtes Wochenende in der Hauptstadt des geeinten Deutschlands sollte sich für mich zumindest in einem Punkt als äußerst unangenehm gestalten.
Eine Exkursion der literaturwissenschaftlichen Fakultät mit Pflichtbesuchen in einigen Museen Berlins versprach aufgrund ausreichender Freizeit Anlass zu reichlich Gelegenheiten eigenen Interesses zu bieten.
Auf der Hinfahrt im Bus bemerkte ich bereits, dass ich nur einige Gesichter der Teilnehmer lediglich vom Sehen kannte. Das sollte aber kein Grund für missmutiges Gestöhne sein, denn die Fakultät ist riesig und man kann sich ja schließlich kennenlernen. Ich beschloss, in der mir verbliebenen eigenen Zeit des zweiten Ausflugstags eine Eintrittskarte für die vielkritisierte und dennoch vielbesuchte MoMA-Ausstellung zu ergattern und mal zu schauen, ob noch jemand anderes mitkommen würde. Es fanden sich auch zwei Mädels, anscheinend ein paar Jährchen älter als ich, aber in den Magister-Studiengängen ist ein Alter jenseits der Dreißig keine Seltenheit und wurde auch von mir so empfunden. Ich behandelte daher die beiden – nennen wir sie der Anonymität halber Anja und Anke - nicht anders als andere Mitmenschen, also mit Respekt und Witz, der nicht unter die Gürtellinie ging.
Wir wateten nach - für diese Ausstellung relativ kurzen - anderthalb Stunden Wartezeit jede/r für sich in höchster Ehrfurcht durch die Gemäldegalerie. Merkwürdigerweise empfand ich ausgerechnet beim Anblick Jackson Pollocks „No. 1“ (s. Header) entsetzliche Hungergefühle im Magen, die ich anfangs noch zu unterdrücken vermochte. Dennoch war es mir nach zweieinhalbstündigem Aufenthalt und noch so viel meisterhafter Erhabenheit nicht mehr länger möglich, diesen nachzugeben. Die Suche nach den beiden zufälligen Begleiterinnen hatte bei Anke Erfolg, aber Anja blieb verschollen. Wir einigten uns darauf, die Nationalgalerie mehrmals zu durchsuchen, ohne die Dritte im Bunde zu entdecken. Erst wieder bei der Garderobe angelangt, reichte man uns eine Nachricht mit dem Hinweis, Anja sei weiter ins Theater gezogen.
O.K., die Sorge, sie sei von einem Van Gogh-Gemälde verschlungen worden, erwies sich demnach als unbegründet, d.h., ich konnte reinen Gewissens ans Schlingen denken. Anke schloss sich gerne an. Da die Preise in den Fressbuden in B-Mitte aber unverschämt erschienen, beschlossen wir, den Rückweg Richtung Schöneberg anzutreten, wo wir mit der Restbaggage quartierten in der Hoffnung, dort ein günstigeres Lokal und evtl. ein paar unserer Kommilitonen zu treffen. Wie sich schnell herausstellen sollte, hatte ich von uns beiden wahrscheinlich als einziger den Wunsch, den Anschluss an die restliche Gruppe zu finden.
In einem griechischen Restaurant unweit des Studi-Hotels gelandet, die Preise waren trotzdem hoch, aber egal, denn mein Hunger war inzwischen hörbar, bestellte ich schnell etwas, das sich in meinen Augen nett las. „Kannst du mir bis morgen Geld leihen?“ tastete Anke sich heran. „Ja, klar. Bloß etwas in den Magen bekommen.“
Mein Gericht beinhaltete dann eine Zutat, die mir von jeher zuwider ist und dennoch der Karte nicht zu entnehmen war: Champignons. Langsam füllte sich der Tellerrand mit den von mir ausselektierten Pilzstückchen, bis mir plötzlich ein Satz aus Ankes Mund noch viel widerlicher aufstieß als meine Sammlung: „Du magst die auch nicht? Da haben wir viel gemeinsam…“. Ich aß.
Die Rechnung wurde präsentiert, ca. 26,90 €. „Oh Gott, Augenblick.“ Mein Portemonnaie wollte nicht aus meiner Gesäßtasche heraus, ich musste etwas zerren, falsche Hose. „Ich habe immer etwas Probleme, mein Portemonnaie hinten aus dieser Hose zu bekommen, haha.“
Noch war ich flapsig.
Dann Anke: „Solange du vorne alles aus deiner Hose herausbekommst, habe ich kein Problem damit.“

Die verbliebene Zeit der Fahrt verbrachte ich ab sofort mit anderen Leuten…

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