Rechtskonservative Wahrheitsbildung
Posted on Mai 27, 2008
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Da kommt also ein CDU-Bundesvorstandsmitglied, zugleich Vorsitzender des CDU-Studentenverbands RCDS, daher und schlägt allen Ernstes die Wiedereinführung des Zensuswahlrechts ein, um den Stimmen der „Leistungsträger“ in Deutschland wieder mehr Gewicht zu verleihen. Die Stimmen der „wertvollen Bevölkerungsmitglieder“ – also derjenigen, die arbeiten – sollen doppelt soviel zählen wie diejenigen der „nicht wertvollen“, wozu er Rentner und Arbeitslose zählt.
Der Oeffinger Freidenker kommentiert diesen, mit der Verfassung nicht zu vereinbarenden (Art. 3 GG) Vorschlag wie folgt überspitzt: „Arbeitslose und Rentner: wann kommen die ersten Euthanasievorschläge?“
Mit seiner Kritik befindet er sich mit einigen anderen Bloggern aber anscheinend in der Minderheit der medialen Landschaft, denn, oh Wunder, die etablierte (Online-) Presse, insbesondere natürlich die rechtskonservative, befinden diesen Vorschlag z.B. als „kühn“ (BILD), „originell“ (n-tv) oder allenfalls harmlos „absurd“ (Spiegel; alle Zitate via Spiegelfechter), ohne ihn oder die dahinterstehende Meinung von unterschiedlichen Werten von Menschen zu hinterfragen.
Solche Äußerungen, die Neigungen zu Zuständen zurück in Richtung Kaiserreich erkennen lassen, dürften nicht nur bloß milde belächelt, sondern müssten öffentlich scharf abgestraft werden.
Feynsinn sieht in dieser Unterlassung die Konstruktion einer politisch anderen „Wahrheit“, nicht nur an diesem, sondern an einem noch anderen Beispiel belegt. So befragte emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ die deutsche Bevölkerung stichprobenartig danach, ob sie den Vorsitzenden der LINKEn, Oskar Lafontaine, und seine politischen Ziele für „eher gefährlich“ (Ergebnis: 39%), „eher ungefährlich“ (Ergebnis: 47%) oder ob sie sich nicht festlegen könnten (Ergebnis: 14%).
Meine eigene Ansicht einmal außen vor genommen, hagelte es infolgedessen fast einheitlich in den Überschriften „Viele Deutsche halten Lafontaine für gefährlich“, obwohl man genauso gut hätte argumentieren können, dass eben 61% das nicht tun.
Es geht weiter:
Darüberhinaus verbreitet die “Welt” die publizistiche Einheitsansicht, die Wahl zum Vorsitzenden, bei der Lafontaine “nur” 78,5 % der Stimmen bekam, sei ein “Dämpfer” und beten ihm die politische Bedeutungslosigkeit an den Hals. Niemand scheint auf die Idee zu kommen, daß eine Partei, die ihren Vorsitzenden nicht nur abnickt, erfreulich demokratisch sein könnte.
Man könnte tatsächlich zu der Ansicht gelangen, dass hier einige wenige, mit Macht ausgestattete, „tatsächlich im Schulterschluß mit ihnen genehmen Schreiberlingen [versuchen], eine andere Republik zu installieren.“
Es ist also Vorsicht geboten, wenn man die Zeitung aufschlägt. Zeitunglesen könnte Ihr Demokrativerständnis aus den Fugen bringen.
Feynsinn - die Welt der Wahrheitsproduktion
Der Spiegelfechter - Die CDU, ein dummer Bengel und das Klassenwahlrecht
Oeffinger Freidenker - Auf in den Geldadel!
F!XMBR - Gottfried Ludewig, die CDU und die Menschen zweiter Klasse
Ordnung muss sein
Posted on Mai 17, 2008
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Da schreibt man mal ‘nen Kommentar in ein internäschenäl Blog, weil man wissen möchte, aus welcher Quelle sie denn diese phantastischen Bilder beziehen, und was ist? Der Kommentar erscheint nicht.
Selbst wenn das Vorhandensein einer Quelle ganz offensichtlich scheint (man benutzt dort sogar die Blockquote-Funktion für ein Zitat), vermeidet man immer ganz gerne den Verweis. So etwas finde ich ganz entsetzlich.
EDIT: Die Bilder waren dort mit der Quelle verlinkt. Muss man doch dazuschreiben *argh*
Freuen Sie sich über steigende Preise?
Posted on Mai 14, 2008
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Die Aktionärs- und Brokerdichte in Frankfurts Innenstadt muss relativ hoch sein. Nicht anders kann man es erklären, dass man dort folgende Werbung auf Brötchentüten von Bäckern drucken ließ:
“Freuen Sie sich über steigende Preise? Alle Welt spricht über Rohstoffe - mit dem Agriculture Euro Fond haben Sie die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren. Investition in etwas Greifbares”
[Update via]:
Auf der dazugehörigen Webseite geht die Deutsche Bank weiter ins Detail:
“Agrarrohstoffe - begrenzt und begehrt.
Folgende Erfolgsfaktoren lassen eine Wertsteigerung der Agrarrohstoffe erwarten:
- Signifikant steigende Bevölkerung
- Veränderung der Ernährungsgewohnheiten durch steigenden Lebensstandard in den Schwellenländern
- Erhöhte Nachfrage nach Agrarrohstoffen bei der Produktion von erneuerbaren Energien
- Historisch weltweit niedrige Lagerbestände an Agrarrohstoffen”
“Erfolgsfaktoren”. Widerwärtig. Oberpfui.
Wahnwitz bei Niedriglohn und Hartz IV
Posted on Mai 14, 2008
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Gestern Abend bin ich dann doch noch ein Weilchen wach geblieben, um mir auf der ARD die Kurzdoku über Wallraffs neueste Arbeitsbedingungs-Undercovercoup anzusehen (siehe hierzu ZEIT-Artikel), und ehrlich gesagt, war ich ziemlich unbeeindruckt.
Wenn man nicht völlig taub und blind durch die Botanik rennt, weiß man schon, dass es eine Menge Betriebe gibt, in denen es derartig zugeht, und vor einiger Zeit hatte ich auch selbst einmal einen kurzen Einblick in haarsträubende Arbeitsbedingungen (siehe hier und hier). Die Berichterstattung Wallraffs dient vor allem dazu, denjenigen, die davon überhaupt keine Ahnung haben, die Zustände aufzuzeigen und eine Debatte anzustoßen.
Ich bin kein ausgewiesener Experte, aber frage mich stets, wie (mal abgesehen von den mit Sicherheit illegalen Sicherheitsvorkehrungen) man gesamtwirtschaftlich gesehen derart niedrige Löhne vertreten kann? Bei den Arbeitgeberverbänden müsste es doch Menschen geben, die ein wenig Ahnung von VWL besitzen. Dort müsste man zumindest leichte erahnen können, dass die Menschen mit dem niedrigsten Einkommen (also diejenigen, die beinahe alles verkonsumieren (!)) eben auch mehr konsumieren, wenn sie etwas mehr Geld in den Taschen hätten (als Anregung dieses hier). Dann ließen sich auch - durch höhere Löhne - gestiegene Preise besser verkaufen.
Und wehe, es kommt jetzt einer mit China!
Erschreckend, was Wallraff zutage legte: Einige Arbeiter schufteten ca. 160 Stunden im Monat und erhielten lediglich ca. 750 Euro auf die Kralle. Nun gut, sowohl in oben besagtem, verlinkten Lagerjob als auch in meinem jetzigen Nebenjob gibt es ab 8 bis 10 Euro pro Stunde, was noch gut ist. Ich kann mich aber glücklich schätzen, dass ich als Student kaum Abgaben habe. Manchen Familienvater, der besseres gewöhnt ist und per ARGE zu dem Job gezwungen wurde gelangt ist, habe ich beim Öffnen seiner Abrechnung schon schluchzen hören. Klar, dass das für ihn mit Steuergeldern aufgestockt werden muss.
Ein bisschen Lohnsteuer zahle ich. Ich finanziere ihm seine Aufstockung also mit, er selbst sich übrigens auch. Alles ein wenig verrückt. Da heißt es weiter Anzeigen blättern und andere Jobs suchen, die meistens ähnlich aussehen. Zurück zur Arbeitsagentur will man ja auch nicht.
Denn - by the way - die Vorschläge, die für die Langzeitarbeitslosen zur Zeit in die Öffentlichkeit gepustet werden, klingen eher nach Hohn:
“Wirtschaftsminister Glos erhöht den Druck auf Langzeitarbeitslose: Um das Ziel der Vollbeschäftigung zu erreichen, sollen Hartz-IV-Empfänger zur Arbeit für das Gemeinwohl verpflichtet werden.”
[via]
Fefe bemerkt dazu treffend: “Endlich führen sie den Reichsarbeitsdienst wieder ein, nur diesmal lebenslang, nicht bloß so ein bißchen.”
…und gibt uns hier an dieser Stelle ein paar Hinweise, wer sich denn so alles hinter dem “Institut zur Zukunft der Arbeit“, von wo Herr Glos die Ideen hat, verbirgt. Ein Klick lohnt.
Fick dich, Junta!
Posted on Mai 11, 2008
Filed Under All das andere | 1 Comment
Rene sagt’s. Aber sowas von.
Angesichts der Lage in Birma/Burma/Myanmar bleibt einem als westlicher Beobachter ja nur das Hände-über-dem-Kopf-zusammenschlagen und OMG-Gemurmel, weil wirklich tun kann man ja nix. Leider. Selbst wenn man wollte und über die Mittel verfügte und da einfach mal hinflöge: man würde ja ausgewiesen werden, weil die dort annehmen, man wäre ein Arschloch. Als Blogger bleibt einem da eine Möglichkeit mehr, man kann nämlich seinen (gelinde gesagt) Unmut äußern. Dies will ich hiermit tun.
Deutschlands Mittelschicht rutscht ab
Posted on Mai 4, 2008
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Stets nur gemutmaßt und befürchtet, nun bestätigt:
Das wird bestimmt lustig hier unten. Wir feiern ‘ne große Party.
Ich frage mich bloß, was dort - als positiveres Szenario - mit dynamischerem Wirtschaftswachstum gemeint sein könnte. Irgendjemand eine Idee?
Fängt gut an, der Monat
Posted on April 1, 2008
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Manchmal muss ich mich doch sehr über meinen Mitbewohner verwundern. So oft er sich nach außen hin auch als toleranter Mensch geben mag, mindestens genau so häufig weist er gewisse despotische Ansichten auf, z.B. bei Neigungen, die anders sind als seine eigenen.
Dabei habe ich ihm gesagt, er solle die Schriften Hubbards wenigstens mal lesen, bevor er vorschnell darüber urteilt. Hat er nicht gemacht.
Und ich hatte mir bereits so schön ausgemalt, wie wir hier sitzen und gemeinsam unsere Auditing-Techniken verfeinern, um an der Befreiung unserer unsterblichen Thetans zu arbeiten. Das wäre lustig geworden.
Aber nein, was macht der werte Herr? Schließt mich aus der Sparrenblog-Redaktion aus.
Wenn er glaubt, dass hätte keine Auswirkungen auf das WG-Leben, dann hat er sich aber geschnitten. Noch hat er wohl nicht mitbekommen, dass ich mich von seinen Vorräten miternähre, da ich mir ein E-Meter abspare, hähähä.
P.S.: Suri ist süß.
EDIT 23:30 UHR: O.K., der 1. April ist fast vorbei. Ihr wisst Bescheid.
Einfach mal den Tarif geändert
Posted on März 14, 2008
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Ab und an habe ich ja mal ein Foto mit dem Handy geschossen und per E-Mail an das Blog gesendet, Moblogging von unterwegs sozusagen. Das dadurch entstandene Datenvolumen hat mein Handyanbieter (der mit dem großen “V”) natürlich registriert und mir meinen Tarif angepasst. Ich zahle jetzt fünf Euro mehr im Monat und habe dafür soundsoviel Datenmengen frei, die ich über’s Netz jagen kann. Ob der Tarif wirklich gut ist, habe ich noch nicht errechnet.
Problematisch daran finde ich aber, dass der Anbieter das von sich aus macht, ohne mich vorab zu fragen.
Im zu diesem Zweck an mich gerichteten Brief steht zwar geschrieben, ich hätte sechs Wochen Zeit, um mich dagegen zu entscheiden und die Geschichte per kostenloser SMS rückgängig zu machen, und es gibt auch nur eine dreimonatige Vertragslaufzeit und ist danach monatlich kündbar, aber hey: Ich wäre trotzdem ganz gerne vorab gefragt worden. Mir geht’s hier um’s Prinzip!
Me and my Webhost
Posted on Februar 5, 2008
Filed Under Allgemein | 6 Comments
Mein Webhost tut wirklich gut daran, so einiges bereits vorab vertraglich festzulegen. Zum Beispiel darf man auf den Domains, für die er die Server zur Verfügung stellt, nichts Negatives über ihn äußern. Vielleicht denkt er sich allerdings auch (wie ich beinahe in den letzten Tagen vermutete), dass er die Server einfach gar nicht zugänglich macht, dann können nämlich überhaupt keine Inhalte gelesen werden. Eine interessante Strategie, wie ich finde.
In den E-Mails des technischen Supports stand auch jedes Mal, dass über deren Inhalte strengste Vertraulichkeit gelte.
Aber über diese Sätze hier brauche ich mir, glaube ich, noch keine Sorgen machen, schließlich habe ich den Namen der Firma noch nicht genannt. Oder, Moment mal: Könnt Ihr das hier überhaupt lesen, Leute?
Letzten Endes vertrete ich die Auffassung, dass das Internet dazu gedacht ist, Menschen einfachen Zugang zu anderer Menschen Informationen zu verschaffen, d.h. ich werde demnächst einmal einen Webhost aufsuchen, der ebenfalls dieser Meinung ist.
Nichts für ungut, bisheriger Partner. Du hast noch Kunden genug.
Kalorien-Haarspalterei
Posted on Januar 7, 2008
Filed Under Allgemein | 5 Comments
Soeben lief “Supersize Me” auf der ARD und ich stelle fest, dass auch dort ein kleiner Fehler gemacht wird (andere übergehe ich mal kurz, Kritik gibt’s genug):
Jeder kennt die Einheit Kalorie, weiß aber meist nicht, was sich dahinter verbirgt. Streng genommen handelt es sich dabei um eine Wärmeeinheit. Erwärmt man 1 Liter Wasser um ein Grad Celsius, hat man eine Kalorie. Wenn wir essen, dann nehmen wir mit der Nahrung dementsprechende Energie auf. Das nur am Rande.
Gemeinhin redet man davon, man müsse als Mensch so ca. 2.000 bis 2.500 Kalorien täglich aufnehmen, zumindest habe ich desöfteren von Empfehlungen gelesen, die sich in diesem Bereich bewegen. Auf den Nahrungsmittelverpackungen ist auch meist (bis 2010 freiwillig, dann ist die Joule-Angabe verpflichtend) der Wert in kcal vermerkt.
Nun sind kcal aber tausend Kalorien oder auch Kilokalorien, und nicht nur eine. Umgangssprachlich geht das falsche Vorgehen vielleicht gerade noch in Ordnung, ist wahrscheinlich sogar Konvention geworden. Der Physiker jedoch würde sich die Haare raufen.
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