Die Wiese
Posted on Juli 17, 2008
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Nur nicht meckern. Meckern ist doof, mach’ ich auch nicht. Mischa hat gestern den Pott geholt und ich bin offenbar in der absoluten Todesgruppe sowas von haarscharf ausgeschieden, dass es nur so eine Art hatte. Ich bin dennoch für die (wirklich vielen) Bekundungen dankbar, dass mein Text am Besten gefallen hatte. Wie versprochen daher hier nachgeliefert. Er ist wie immer absolut unlesbar, wenn man es selbst mit eigenen Augen tut:
EDIT: Es gibt bereits einen Flickr-Pool mit sehr schönen Fotos der Nutzerin sabo-tage, auch unter CC-Lizenz.

Micha-El, Lampe, Andy Strauß und ich
Bunkerslam 60 und die Nummer
Posted on Juni 19, 2008
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Wider aller Erwartungen gestaltete sich der gestrige Bunkerslam hinsichtlich der vertretenen Genres extrem bunt und konnte trotz der letzten EM-Gruppenspiele mit 11 Vortragenden und vollem Haus aufwarten. Nicht zuletzt dank dem U20-Champ Julian Hein und dem Newbie Phillipp aus Detmold wurde er damit zu einem der stärksten Slams der Bielefelder Saison.
Insbesondere von Phillipp wird man, denke ich, noch eine Menge hören. Selten habe ich bei einem Lesenden eine solch totale Vollentsprechung von Textinhalt und Person erlebt. Seine Beiträge über die Schüchternheit gehören, obwohl essayistisch gehalten, zum Besten was mir seit Langem zu Ohren kam, und wir zweifelten gestern noch lange, ob Phillipp “wirklich so ist”. Eben das wirkte und garantierte Publikumszuneigung.
Mein eigener, bescheidener Beitrag (der aber gefühlt ebenfalls ganz gut ankam) sei hier nachgeliefert:
P.S.: Wenn man dann noch seine Texte mittels Wordle visualisiert, sieht das z.B. wie folgt aus:

Hübsch. Daran lässt sich zwar nichts über den Inhalt ablesen, aber man kann anhand der Hervorhebung oft verwendeter Wörter ähnlich wie bei Tagclouds mal sehen, für welche man in Zukunft Synonyme nehmen sollte, um Wiederholungen zu vermeiden (Wenn einem denn danach ist. Manch einer benutzt Wiederholungen ja auch als Stilmittel).
Winona
Posted on Mai 22, 2008
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Heute bzw. gestern wurde ich sentimental und habe auf dem Slam einen für mich atypischen Beitrag vorgebracht, der la emoçion (schreibt man so?) in den Vordergrund stellen sollte. Warum auch nicht? Der Highlander-Platz ist sicher, da kann man probieren.
Sollte es jemandem dennoch, trotz meiner gestrigen minderwertigen Vortragsweise, gefallen haben, kann der- oder diejenige das gerne noch einmal als unwürdige, betonungsvernachlässigende PDF hier lesen
:
Ansonsten gilt: Der Slam wird - offenbar, lt. Moderatoreninformation - am kommenden Montag ab 18 Uhr auf Radio Hertz 87.9 gesendet.
28 Musis later
Posted on April 10, 2008
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(Foto: peasap; Lizenz)
Dass mein Vater derart durchtrieben sein kann, hätte ich ihm nicht zugetraut, fand er doch urplötzlich einen Vorwand, am Wochenende nicht auf Oma Trude aufpassen zu können, weil er mit meiner Mutter spontan einen Kurztrip nach Dänemark gebucht hatte.
Das Pflegeheim, in dem meine Oma sich befand, veranstaltete nämlich am Samstag einen Betriebsausflug und in dieser Zeit wurden die Verwandten gebeten, sich um ihren dortigen Anhang zu kümmern. So weit, so gut.
Doch wie sich kurz nach meiner Ankunft dort herausstellte, hatte die Heimleitung sich ebenfalls aus Dankbarkeit erkenntlich zeigen wollen und uns, also Heimbewohner mit Anhang, im Gegenzug zu einer Busfahrt eingeladen. Davon hatte ich allerdings nichts gewusst.
Nun muss ich neben Oma im Bus sitzen, unterwegs zu einer Mehrzweckhalle in Castrop-Rauxel. Und wir fahren zur Aufzeichnung des „Festivals der Volksmusik”. Ich hasse meinen Vater dafür.
Der Heimfriseur hat anscheinend gestern alle Arbeit geleistet und die Busgesellschaft tat gut daran, die Fenster ihres Fahrzeugs getönt zu haben, ansonsten würde der übrige Verkehr durch diesen glänzenden, übergroßen Silberfisch mit Sicherheit stark irritiert. Die Augen des dunklen Fahrers blitzen aber im Rückspiegel beunruhigend wissend.
Der alte Herr Brettschneider vor uns, der stets vorgibt, einstmals in einem deutschen U-Boot gegen die spanische Armada gekämpft zu haben, stimmt inzwischen Lieder zum Mitsingen an. „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord” und die Senioren singen tatsächlich alle mit.
Oma Trude hat mir ein gekochtes Ei vom Frühstückstisch geklaut und ich werde nun solange wie möglich angestrengt darauf herumlutschen, um nicht mitsingen zu müssen.
Die Enkelin von Herrn Brettschneider lächelt mich gequält an, sie wusste offenbar auch von nichts. Wir stoßen mit unseren Eiern an.
„Nadine”, stellt sie sich mir vor, „Rouven”; sage ich.
Zwei Stunden darauf sitzen wir schon in der Mehrzweckhalle der Hölle, auf Plastikstühlen, die mit Plastikblumen dekoriert wurden, Herrn Brettschneider und Nadine gegenüber. Wir sehen uns einen hoppsenden, kleinen Mann an, der eine ähnlich blonde Tolle besitzt wie der zu erwartende Moderator und Dinge wie „Lustig samma” von sich lässt. Ich muss meiner Oma mehrfach erklären, doch sie will mir nie glauben, dass es sich hierbei nicht um den erwarteten Herrn Moderator, sondern um einen Animateuren handelt. Ich spüre früh, dass mich meine Kräfte verlassen werden und wie die Funken zwischen meinen Synapsen laufend kärglicher sprühen.
Die Show startet gnadenlos mit einem älteren Pärchen, das der Kleidung nach aus Bayern stammen muss und etwas von „Fröhlichkeit” singt, oder zumindest vorgibt zu singen. Der Ton aus den Lautsprechern kommt aber aus den tiefsten Tiefen der Unterwelt. Ich weiß das, ich muss mir immer vor Schmerz an die Schläfen fassen, wenn das passiert.
Je später es wird, desto zermürbter gestaltet sich mein Nervenkostüm. Die Herrschaften um uns herum bewegen sich im Wellengang zu Liedern von irgendwelchen Fichten-Buben-Höhners und wirken vom Playback wie paralysiert. Meine Oma beginnt mit ihren Gefährten plötzlich im erbarmungslosen 4/4-Takt zu applaudieren. Das alles hier wird mir trotz meiner allmählich angeschlagenen Sinne endgültig unheimlich, als zwei dicke Menschen ein unvermeidliches Lied von sich geben. Es handelt offenbar von einer Frau, die von ihnen als Herz, noch dazu verniedlicht, bezeichnet wird. Der Druck in meinem Schädel nimmt zu, eine kleine Migräne kann das nicht mehr sein. Mir ist, als würde mein Gehirn hart an die Innenwand meines Schädels gedrückt werden, bis beinahe nichts mehr darin Platz findet, nicht einmal Haarwurzeln. Deshalb also wachsen meine Haare schlagartig so schnell.
Neben mir lächelt Oma Trude selig auf das apokalyptische Geschehen vor ihren Augen. Aus ihr und den anderen Senioren weicht allmählich jegliches Zeichen von Leben.
„Oma Trude! Alles in Ordnung bei Dir?” frage ich laut gegen die letzten Pauken und Trompeten, doch Oma schaut mich nicht einmal an, schüttelt nur ganz leicht den Kopf, während der Moderator vorne einem kleinen, sechsjährigen Jungen in Lederhosen das Mikrofon in sein Gesicht steckt und um Symphatie anbiedert, ihm naive Fragen zum Verlauf der Sendung stellt. Ich frage mich, wer wohl hier der bosartigere Teufel ist? Der goldlockige Scharlatan oder die Eltern des Jungen, ihn hier in das Reich des Todes zu entführen.
Die Zeit kommt mir klebrig und zäh vor, während das Publikum wie gebannt auf den Tanz des Fernsehballets stiert. Das alles ist ein einziger Akt der Hypnose, und die Herrschaften schunkeln nicht einfach nur, sie bewegen sich lediglich gleichförmig zu den Klangwellen, die auf sie einströmen. Links-Rechts-Links-Rechts, exakt zu den Bässen der Tuba.
Meine Überlebensinstinkte falten mein Hirn automatisch langsam vor mein Innenohr, so dass ich nur noch wenig mitbekommen kann. Tiefe Töne dringen leider immer noch durch, vielleicht auch zum Glück, denn ich sehe mit einem Auge, wie Herr Brettschneider schwankend aufsteht, seine Arme in Richtung seiner Enkelin ausstreckt und ruft: „Gehirn, junges Gehirn!”
Vielleicht hätte ich eine solche Sendung einmal komplett ansehen sollen, statt immer nur darüber herzuzappen, dann hätte ich womöglich gewusst, was hier so geschieht. Später würde ich dazu meinen Vater befragen müssen, doch nun herrscht hier und jetzt Not am Mann. Oma streichelt meinen Kopf mittlerweile mit etwas mehr Kraft, als ich ihr jemals zugetraut hätte. Darüber hinaus schenkt sie mir unversehens wieder mehr Beachtung. Mit ihren blutroten Augen.
Das ganze Publikum befindet sich - momentan von Roger Whittaker begleitet - im Zombiewahn, der blonde Star des Abends entpuppt sich als Fürst der Finsternis, der die Massen anleitet. Gottlob kann man die schwache Rentnerschar ziemlich leicht in Schach halten. Wahrscheinlich wäre dafür nicht einmal das Plastikmobiliar vonnöten, sondern nur eine der Plastikblumen. Nur über den kleinen Jungen in Lederhosen stürzen sich vier, fünf Renter gleichzeitig und machen irgendetwas mit ihm, im Zweifelsfall in Stücke reißen. Doch bald steht er aus deren Mitte ziemlich blutig wieder auf. „Gottseidank, bloß untot.”
Zwei Meter vor mir schlägt sich Nadine recht wacker gegen fünf Rentner, die die dunkle Herrschaft Florian Silbereisens skandieren, und alles, was ich denken kann ist: Cool, ne Frau in Not.
Ich arbeite mich zu Nadine mit Händen und Füßen vor, ergreife ihren Arm und ziehe sie heraus. Wir schlagen gegen die wildgewordenen Geronto-Zombies die Flucht an, wofür wir uns nicht einmal anstrengen müssen, da man uns lediglich mit Gehstöcken und Rollatoren verfolgt.
Wir blicken nur kurz zurück und bemerken, dass der Abstand sich relativ leicht vergrößern lässt, haben Zeit genug, uns in die Augen zu sehen und ich weiß, dass wir dasselbe denken: Gibt es etwas dauerhafteres als Liebe, die in Extremsituationen entsteht?
Einen Tag später klingelt zuhause bei mir das Telefon. Ich stehe aus dem Bett auf, Nadine kann liegen bleiben. Mein Vater ist dran und erzählt mir, dass die umherirrenden Senioren in der Innenstadt Castrop-Rauxels von der Polizei aufgelesen wurden.
„Und wo warst du?” will er von mir wissen.
„Ach, Papa, das ist ne lange Geschichte…,” sage ich und denke, dass der Beruf des Pflegers nicht gebührend genug bezahlt wird.
Kampf mit der Mischbatterie
Posted on März 20, 2008
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Letzte Woche hatte ich mir ein Herz genommen und die seit langer Zeit stets aus der Ferne angebetete Laura endlich einmal angesprochen. Nicht gerade die Ruhe selbst bin ich dabei gewesen, das muss ich zugeben, umso mehr war ich gespannt auf das heutige Date am Abend, für das sie tatsächlich zugesagt hatte. Letzte Woche.
Inzwischen hatte ich eine kleine Slamtour hinter mir und war die letzten fünf Tage zumindest quer durch die Region dafür gefahren. Auf dem Rückweg heute morgen mied man mich im Zugabteil, was mich nicht wunderte, schließlich sah ich nicht mehr ganz so aus wie Lieblingsschwiegersohn.
Die Nächte in befreundeten WGs und auf harten Matratzen, die mangelnde Hygiene hatte Kraterspuren und neue Flechten in meinem Gesicht hinterlassen. Ich möchte nicht wissen, auf welchen Milbenorgien ich zwischenzeitig mein Haupt gelegt hatte und zu allem Unglück waren von den vier Wohnungen, in denen ich übernachtet hatte, in dreien die Duschen kaputt. Ich konnte mir schon vorstellen, dass ich auf so manchen wirkte wie ein frisch vom Aussatz Befallener.
Interessant daran war ebenfalls, dass ich mich selten zuvor selbst so intensiv gerochen hatte wie in diesem Zustand.
Fünf Tage unterwegs in den gleichen Klamotten rächten sich. Ich war einfach nicht zum Aushalten.
Ich ließ niemanden in mein Zugabteil, denn, so dachte ich, wenn ich meine Ausdünstungen nicht gut genug unter Verschluss hielt, bekamen wir womöglich am nächsten Stopp Besuch vom Gesundheitsamt. Man würde Abstriche von mir machen, damit man zumindest in ferner Zukunft Präparate für eventuelle Gründe des Aussterbens der menschlichen Rasse besitzt. Mir wurde speiübel von mir selbst. Auch mal ‘ne neue Erfahrung.
Wäre ich nicht ich selbst, ich hätte um meine eigene Einsargung gebeten, als wäre ich ein ukrainischer Atommeiler, um Strahlung zu vermeiden. Der Slam und seine Umwelt hatte mich kontaminiert. Und ich blickte auf die Uhr: T minus 3 Stunden bis zu meinem Treffen mit Laura.
Wie gesagt, das war alles noch heute Morgen. Zuhause würde ich mich für Laura wieder zum Mensch werden lassen.
Seitdem kam ich glücklich auf dem Heimatbahnhof an, und ich schlug, hätte man mich per Satellit von oben beobachtet, eine deutlich erkennbare Fünf-Meter-Schneise durch die mich umgebenden Passanten, als besäße ich einen unsichtbaren Gestanks-Schutzschild, der mir den Weg zu allen Seiten ebnete.
Ich hechtete nachhause, wo die Nase meines Mitbewohners glücklicherweise nicht anwesend zu sein schien.
Meine Klamotten tütete ich vorsichtshalber hermetisch dicht ein und stellte sie vor das Haus, versehen mit einem Atommüll-Aufkleber, damit sie auch ja Beachtung erhielten.
T minus 2 ½ Stunden bis zum Treffen mit Laura
Zunächst sollte eine banale Dusche ausprobiert werden. Mal sehen, wer hier der Stärkere war: Entweder der hart eingestellte, heißdampfende Wasserstrahl oder meine mich umgebende, dampfende Wolke, das L’Eau de Slam.
Und so stehe ich nun splitterfasernackt in der weißen Bademulde, blicke an mir herab. Sehe noch, wie es mir im freien Fall aus den Ohren zu Boden rieselt. Stelle fest, dass kaum noch eine Pore atmen kann und die Haare fest an mir kleben.
Ich muss nur noch dem Wasserhahn, oder sagen wir besser: Wasserhebel, an die Nase fassen. Nach rechts wird es kalt, nach links warm, das wusste ich inzwischen aus fast dreißig Jahren Erfahrung mit der Warmwasserkonvention. Ich haue den Nasenhebelflügel auf die rechte Seite, damit er sich nach links bewegt und es angenehm warm wird, nicht nur, weil ich ein solcher Duscher bin, sondern da ich mir auch erhoffte, dass sich meine Talgschicht dadurch besser aufweichen und von mir loslöst, meine Haut endlich wieder Luft atmen kann.
Es schien wärmer zu werden, der Gasboiler nebenan begann zu fauchen. Ich fauche zurück, stelle auf Duschbetrieb um, und langsam beginnt sich das Bad mit Dampf zu füllen. Ich stelle mich darunter, ziehe den albernen, alten, mit Herzchen bedruckten Plastikvorhang um mich herum und lasse den ersten Wasserstrahlen ihren Willen, mich zu reinigen. Ich denke nur….aaaahhhh.
AHHHH ! Das ist ja schweineheiß, ich verbrenne! Vor Schreck über die unerträgliche Hitze weiche ich nach hinten aus. Der Duschvorhang bleibt an meinem Rücken kleben und verbindet sich mit der leicht aufgeweichten Schicht auf meinem Körper. Vor Schreck beginne ich zu fallen, kann mich gerade noch mit einer Hand an der Stange, an welcher der Duschkopf hängt, festhalten. Ein Fall wäre jetzt auch zu sehr Slapstick gewesen, denke ich noch. Stattdessen bemerke ich, dass sich der Arm, der mich hält, noch unter dem heißen Wasserstrahl befindet und puterrot anläuft.
Ich haste mit der anderen Hand hervor und stelle um auf Kaltwasser, halte den malträtierten Arm darunter, damit er sich erholt. Erst jetzt fällt mir auf, dass der Duschvorhang tatsächlich auf meinem Rücken kleben geblieben ist.
Na, das kann ja etwas werden, denke ich. Das erste Date als nackter Mann mit Herzchen-Cape.
„Hallo Laura. Tja, da staunst du, nicht wahr? Tagsüber, da heiße ich Rouven, aber nach Feierabend nennt man mich Captain Love. Ich dachte, du solltest das wissen. Stör dich nicht an dem Geruch.“
Nein, nicht gut. Ich muss mir etwas einfallen lassen.
Ich versuche, die Temperatur an dem Hebel zu regulieren, schiebe ihn nur leicht nach links. Schlagartig fühle ich einen sibirischen Eisregen, ich kralle mich vor Schock wieder an der Stange fest. Der Duschkopf reißt ab, fällt mir auf den Schädel. Dann ist nur noch Nacht…
Als Captain Love wieder aufwacht und einen Blick auf seine auf dem Waschbecken abgelegte Armbanduhr wirft, sind es nur noch T minus 1 ½ Stunden bis zum Date mit Laura.
Ich stehe also schwankend auf, das Cape haftet noch immer an mir.
Ich wage noch einen Versuch mit der Dusche, doch ein wager Verdacht bestätigt sich. Die Regulierung entscheidet sich entweder für die Lava oder für den Gletscher, keine Zwischenstufe, und im Moment war Eiszapfen angesagt. Apropos Zapfen:
Der Wasserhebel entpuppt sich mir allmählich als Zunge, die mir von unserer Dusche entgegengestreckt wird. Unserer Dusche, die, wie ich feststellen muss, ebenfalls in die ewigen Jagdgründe der Slammer-WG-Duschen eingegangen zu sein scheint.
Die Dinge haben sich wieder einmal gegen mich verschworen, ich blicke mich panisch um. Den Weg zu unserem Treffpunkt einberechnet, müsste ich bald los, um pünktlich zu sein. Meister Proppers und mein Blick kreuzen sich, und ich komme auf Ideen: Der Mann zeigt mir seine stets verschränkten, anabolikaschwangeren Unterarme und lächelt, als ob er wüsste, was den Ladies gefällt. Langsam den Allzweckreiniger zwischen meine Haut und den Vorhang einzuträufeln, wäre einen Versuch wert, mich vor einer neuen Doppelidentität zu bewahren.
Ich schnappe mir die Flasche, drehe den Verschluss auf und schütte mir nicht zu wenig davon zunächst auf die Schultern, um es dann in die Zwischenräume einzureiben. Der erste, übermütige Schwung bedeckt meinen Körper aber vollkommen mit der Substanz, die in Reaktion mit meinem Naturtalg zu schäumen beginnt.
Nachdem die Reaktion abgeklungen ist, bemerke ich, dass der Geruch an Bissigkeit verloren hat. Es hat nicht mehr die Aggressivität einer verfaulten Massen-Legebatterie, es befindet sich nun nur noch eine etwas dezente Note Fisch darin. Eine leichte Verbesserung immerhin.
Beim genaueren Blick auf die Flasche registriere ich dann auch, dass es sich gar nicht um Allzweckreiniger handelt, sondern um Vollwaschmittel! Mein Cape hatte sich damit kein bisschen gelöst, lediglich der Geruch wurde etwas, na ja, überdeckt.
T minus 1 Stunde und ich sehe jetzt ein, dass nichts mehr hilft. In Ermangelung weiterer Ideen gebe ich mich geschlagen.
Noch denke ich daran, telefonisch abzusagen, doch…wo bliebe da mein Stolz?
Ich ziehe mein Herzchen-Cape enger an mich. Und verlasse das Bad. Gehe auf die Wohnungstür zu.
Wenn eine Frau mich ganz haben will, dann muss sie mich und Captain Love zusammen nehmen.
Sonst ist sie es nicht wert.
Waschtrommel-Trauma
Posted on Juli 19, 2007
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Draußen ist’s heiß und ich wage mich nicht an die Sonne. Alle Freunde drängen in’s überfüllte Freibad, lassen sich von herumplanschenden Teenies nerven, ich hingegen sitze im abgedunkelten Waschkeller. Hier ist es auch schön kühl.
Buntwäsche, 60°, wenn’s nicht mehr passt, noch’n Meter, die kleine Kugel mit dem Waschmittel in’s „Herz der Wäsche“. Und kurzes Staunen darüber, dass Wäsche ein Herz besitzt. Mein Wäscheherz.
Ich setze mich in die Ecke, habe ein Buch mitgenommen, und versuche, darin zu lesen. Die Zeilen verwischen aber mit dem stoßhaften, ersten Schwingungen der Trommel. Ich sehe, wie das bunte Gewusel der Stoffe das Nass schnell hineingluckernd aufsaugt wie beinahe verdurstende Kamele in der Oase, und ich meine, meine Wäsche zuweilen sogar dabei beobachtet zu haben, wie sie sich auch langsam auf’s Wasser zu bewegt. Kein Buch könnte mich so fesseln wie das Durchschleudern meiner Sachen, das Umkrempeln eines Teils meiner Biographie, dessen Befreiung von Bakterien: Mein ganz persönlicher Kampf der Kulturen,…der Kulturen,…der Kulturen.
Spannender als ein Krimi ist das Spiel hinter dem Glas. Mein Lieblings-T-Shirt huscht an der Glasscheibe vorbei und kämpft mit der Sauberkeit, als würde der Schriftzug auf ihm und die Eindrücke, die es mit mir im Laufe der letzten Zeit gesammelt hat, plötzlich völlig weggewischt. Wie es sich aufbäumt.
Yin, Yang, Yin, Yang. Jetzt wird geschleudert. Gerade flutschte doch die Unterhose vorbei, die ich vorgestern noch bei Vanessa anhatte. Mein Gott, was hatten wir bei ihr alles zusammen erlebt? Und ich wasche ihr die Erinnerung so einfach wieder davon. Fast ist es ein wenig so, als wenn ich gewaltsam meinen Hund kastrierte.Selbst wenn er damit vor seinen Kumpels in der Schublade prahlen wollte, wird der Schlüpfer keine Beweise mehr an sich haben. Zwischen meinen Unterhosen würde ich ja sowieso gerne einmal Mäuschen spielen. Was die sich wohl alles so zu erzählen haben?
Die Maschine rotiert weiter:Yin Yang, Yin Yang….
und je mehr ich die Drehungen beobachte, desto müder werde ich. Ich werde von meiner Dreckswäsche hypnotisiert. Nein, ich schlummere doch einfach nur ein.
Schlummer nicht nur, schrumpfe. Finde mich bald in einer dunklen, für mich unbekannten Umgebung wieder. Ich taste mich voran, mit Händen und Füßen zwischen weichem Untergrund. Jemand unter schreit „Autsch!“, neben mir brüllt etwas: „Pass doch auf, Mann!“
Nach und nach weiten sich meine Pupillen und lassen mich mehr erkennen, eine böse Ahnung bestätigt sich: Ich bin tatsächlich in meiner Unterhosen-Schublade gelandet!!!Leider werde ich sofort entdeckt, schon grunzt mich die bequeme, graue, mit den weißen Längsstreifen an der Seite, durch ihren Eingriff laut und düster an:
„Hey Du. Weißt du überhaupt, dass ich viel zu schlecht an dir sitze?“
Ich schüttele den Kopf. Da melden sich die blauen Shorts auch zu Wort:„Und ich sehe auch total scheiße an dir aus. Ich labbere doch nur an deinen schmalen Hüften herum.“ Und als wäre das nicht schon entwürdigend genug: „Zieh mich bitte nicht so an!“
Das ertrage ich beim besten Willen nicht. Die Erkenntnis ist bitter, wenn man es seinen Schlüpfern nicht Recht machen kann. Selbst die, die man liebt, verletzt man. Auch hier ist es also wie im wahren Leben.Ich schlüpfe tastend weiter zwischen meinen Unterhosen hindurch. Irgendwo muss es doch hier wieder herausgehen? Immer in eine Richtung, bloß nicht versehentlich im Kreis und wieder zurück zu diesen Jammerlappen. Dort drüben ist es hell. Ein Ausgang? „Ja, genau. Geh doch zu den Spaltern!“ höre ich noch von hinten. Spalter? Was meinen die denn? Ich bewege mich schneller vorwärts, doch bald kann ich leider mehr erkennen: Ich bin offenbar in’s Reich der von Mama geschenkten großen, bösen Feinripp-Unterhösen gestolpert. Und die sind vielleicht sauer, weil ich sie niemals trage.
„Ach nee, sieh mal einer an, wen es da zu uns treibt?“ werde ich sofort von einer angesprochen und ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Sie muss ein Geschenk von vor X Weihnachten gewesen sein.
„Ich bin hier die Stammesälteste,“ sagt sie auch sodann. „Du verweigerst uns konsequent unsere Daseinsberechtigung. Weißt du überhaupt, wie sich das anfühlt?“
„Genau, ich will auch mal an seiner Kimme sitzen,“ meint eine kleine vom letzten Geburtstag. „Nicht so vorlaut, Neuling,“ heischt die Alte sie an. „Nein, er soll auf Ewigkeiten hier bei uns festsitzen, soll sich auch so nutzlos fühlen. Fesselt ihn!“
Und dann werde ich überfallen von den weißen Feinrippstoffen. Ich wehre mich mit Händen und Füßen, schüttele mich, denn es könnte noch so oft „Calvin Klein“ auf ihnen stehen, ich würde sie trotzdem nicht anziehen !!! Ich werde doch kein Gefangener meiner Klamotten !!! Schon gar nicht meiner Unterhosen !!!
Doch etwas fasst mich an der Schulter, zieht mich zurück aus der Schublade.
„Hey, Mann, wach auf. Deine Wäsche ist längst fertig,“ sagt der Nachbar von einem Stockwerk über mir.
„Mir doch egal. Das kranke Zeug kannste gerne mitnehmen, bei Ebay verkaufen oder meinetwegen: Anziehen!“
Und ich, ich packe jetzt meine Sachen und gehe in’s Freibad, flüchte vor einem Waschtrommel-Trauma. Und wehe dem, der mich vom Schwimmen abhalten will, weil ich keine Badehose trage…
Woran man erkennt, dass man schon sehr lange Zeit mit seinem Partner zusammen ist
Posted on Juli 19, 2007
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Eine kleine Checkliste (praktisch auch für diejenigen, die inzwischen vergessen haben, dass sie überhaupt einen Lebensgefährten besitzen)
I. Noch harmlos
Ihr seid schon sehr lange zusammen,…
- wenn die Freundin bei der Pizzabestellung am Telefon sagt: „Für mich einmal die Marghuerita, und dann hätte ich gerne noch die Quattro Staggioni mit extra Tomaten, Größe XL“. Ohne dich überhaupt gefragt zu haben.
Ihr seid auch schon sehr lange zusammen,…
- wenn sie dich darüber hinaus gar nicht mehr fragt, was man abends kochen soll, weil sie angeblich ein Gespür dafür entwickelt hat, was dir an diesem speziellen Tag schmecken könnte.
Ihr seid schon sehr lange zusammen,…
- Wenn du samstagabends auf „Stirb langsam“ verzichtest und sie auf so einen Film, in dem die Leute nur reden, ihr euch stattdessen auf „Wetten, dass…“ einigt, weil da ist ja schließlich für jeden was dabei. Anschließend tippt ihr dann auch noch für denselben Wettkönig, weil der hat ja mit seinem Gedächtnis „menschlich“ viel mehr geleistet als die anderen.
Ihr seid schon sehr lange zusammen,…
- wenn ihr morgens am Frühstückstisch sitzt das und einzige, was man neben dem Gemmmmpfe und Geschlllllfe hört, ist, wenn der eine den anderen auf einen Artikel hinweist, dabei „Guck mal“ sagt und dir damit die Mahlzeit intellektuell veredelt, da sich der Leitartikel in Spiegelschrift direkt auf dem Käse verewigt. Ist es nicht schön, wenn man mal nur zusammen schweigen kann?
II. Fortgeschrittenes Stadium
Wir schämen uns mit,…
- wenn du von einem Freund gefragt wirst, wie es dir im Moment geht, und bevor du überhaupt irgendetwas sagen kannst, deine Freundin für dich antwortet: „Heute morgen hatte er noch Durchfall, aber jetzt geht’s.“
Ihr seid schon sehr lange zusammen,…
- wenn du in der Öffentlichkeit einen Witz machst und ihr beiden euch darüber totlacht, alle anderen im Umkreis von 50 Kilometern euch aber anstarren, als wärt ihr atomar verseuchtes Gemüse.
Ihr seid schon sehr lange zusammen,…
- wenn ihr euch bei der Buchung eures alljährlichen Urlaubs in Dänemark um eine Woche verspätet und der ewige Vermieter eures Ferienhauses besorgt anruft und fragt, was denn mit euch los sei,
- und auch, wenn ihr danach eure Freunde beim Präsentieren der Urlaubsfotos mit eurem Partner vor irgendwelchen dänischen Denkmälern darauf auf das Datum hinweisen müsst, weil diese nachfragen, ob die Fotos nicht aus den Jahren davor seien.
Es geht an die Schmerzgrenze,…
- wenn die Mütter bei Besuchen nicht mehr nur wie früher ihren Bauch interessiert betrachten, sondern inzwischen dazu übergegangen sind, ihn gleich zu betasten und dabei fragen: „Na? Da is wohl was am Kommen, nech?“
III. Hart am Limit
Ihr seid schon sehr lange zusammen,…
- wenn ihr mittlerweile damit beginnt, im Trekking-Katalog die gleichfarbigen Gore-Tex-Klamotten zu bestellen.
- und wenn sich aus genau diesem Grund die Masse in der Fußgängerzone vor euch teilt wie der panisch aufgeschreckte Dschungel bei der Ankunft von T-Rex, dann seid ihr erst recht schon sehr lange zusammen.
Ihr seid kaum noch zu retten,…
- wenn man Gemeinsamkeiten in euren Gesichtszügen ausmachen kann und sogar Nachbarn und Freunde dazu übergegangen sind, euch die Polizei in’s Haus zu schicken, da eine solche Ähnlichkeit nach deren Meinung nur mit direkter Verwandtschaft erklärt werden kann.
Ihr seid schon sehr lange zusammen,…
- wenn befreundete Singles in eurer Gegenwart so tun, als wären sie ebenfalls ein Pärchen, nur damit ihr endlich einmal über etwas anderes redet als darüber, wie gut die beiden (oder die beiden oder die beiden) doch zusammenpassen würden.
Es ist beinahe zu spät,…
- wenn dir früher die vielen Härchen im Bad als belästigend oder ekelerregend vorkamen, du aber mittlerweile dazu übergegangen bist, sie zu sammeln, weil du vielleicht irgendwann einmal, in eventuellen Zeiten der Knappheit, der Kälte und es Krieges, einen warmen Pulli daraus stricken kannst. Oder, wenn nicht für euch selbst, dann für ein armes Kind in Äthiopien.
Man muss schon seeeeeehr lange zusammen sein,…
- wenn man im Laufe der Zeit seinen Musikgeschmack zu sehr vernachlässigt hat (siehe Punkt „Kleidung“) und nicht mehr weiß, wie diese ganzen neuen Bands heißen, die da im Radio laufen und über die die Leute immer berichten, die seien ja „so cool“ und dann ausgerechnet auf die Idee kommt, Micha-El Goehre um ein bisschen neue Musik zu bitten.
Ihr seid unrettbar verloren,…
- wenn eure Sparmaßnahmen inzwischen darüber hinaus gehen, dass ihr ein und denselben Rasierer benutzt, und folgender Satz mittlerweile gar nicht mehr ungewöhnlich in euren Ohren klingt:
Und wenn man sich in diesen Dingen wiedererkennt und demnach schon sehr lange mit seinem Partner oder seiner Partnerin zusammen ist, dann muss das kein schlechtes Zeichen sein. Dann bedeutet das vielleicht ganz einfach, dass man sich schlicht und ergreifend liebt.
Lebendig fühlen
Posted on Juli 19, 2007
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Ich interessiere mich sehr für Sport. Also, nicht so Sport wie „Wann gibt’s das Spiel heute Abend?“, sondern für so richtig selber Sport machen. Ihr denkt jetzt bestimmt, das sieht man mir gar nicht an, aber man muss ja auch nicht gleich aussehen wie einer dieser blondgebrannten Surfer, um fit zu sein. Schlacksig ist das neue Stark. Pommesärmchen regieren.Letzten Sommer war ich zum Rafting im Grand Canyon, dabei hatte ich mir das erste Mal das Schlüsselbein gebrochen. Das war vielleicht grenzwertig, Mann. So hart am Limit, da weiß man erst so richtig das Leben zu schätzen. Der Medizinmann, den wir da getroffen hatten, hatte gesagt, solche Erfahrungen braucht man manchmal. Schlauer Mann, hab ich begriffen, glaub’ ich. Nicht, dass ich ihn verstanden hätte, also, mit Sprachen hab ich’s ja nicht so. Aber mein Freund Rolf war dabei, der weiß beinahe alles, glaub’ ich manchmal. Müsst Ihr unbedingt mal kennenlernen.Nach dieser Erfahrung bin ich öfter solche Sachen machen gegangen. Freeclimbing, Bungeejumping, Fallschirmspringing, alles das eben. Das macht den Kopf richtig frei für die wahren Dinge des Lebens. Rolf sagt zwar immer, ich soll bloß nicht noch mehr von meinem Kopf frei machen, aber das meint der bestimmt ironisch, oder so.
Doch irgendwann waren mir diese durchorganisierten Sportarten einfach zu doof geworden, habe mich auf meine Kreativität verlassen und mir Sachen selbst ausgedacht.
Schon bald habe ich, auf der Suche nach einem neuen Kick, das Lawinensurfing erfunden. Das war vielleicht eine heiße Sache: Ich wurde der treueste Begleiter dieser Leute, die mit Sprengungen künstliche Lawinen auslösten. Sobald sie eine Zündung ansetzten, holte ich mein Surfbrett von der Schulter und los ging’s. Links und rechts von mir spritzte die weiße Scheiße hervor, während ich auf ihr herumritt.Rolf ist zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr überall mit hingekommen. Er wartete lieber auf mich in der Aprés-Ski-Hütte, wo er seinen Spaß damit hatte, an Mädchen herumzulecken. Unterdessen wurde ich in meinem weißen Grab von Spürhunden wieder zur Besinnung geschlabbert. Um nichts in der Welt wollte Rolf mit mir tauschen, meinte er. Ich verstand das nie, während ich mich meistens im Hospital regenerierte und spürte, wie das Leben langsam in meinen Körper zurückkehrte.
Jackie Chan hat mal in einem Interview behauptet, er hätte sich im Laufe seiner Filmkarriere bereits jeden Knochen einmal gebrochen. „Einmal“, pah. Lusche. Der hat doch noch nie gelebt.
Ich kam dann irgendwann auf Motorsport, aber nicht bei so Rennen, ich wollte schließlich nur meine eigenen Grenzen kennenlernen. Also rief ich bei Smart an und fragte, ob die noch einen Dummy gebrauchen könnten.„Davon haben wir hier aber jede Menge,“ meinten die dann.Darauf ich: „Ja, aber keinen menschlichen.“Da war aber erstmal Sendepause in der Leitung.
Der Aufprall auf die Mauer war dann auch phantastisch, hatte mir sämtliche Hirnzellen aufgeschüttelt. Es war, als wäre mir Buddha…ach was, als wäre ich Buddha erschienen!!! Ich befand mich danach noch zirka fünf Wochen im Nirwana, dann waren meine 37 Frakturen zumindest wieder halbwegs zusammengewachsen.
Doch ich fühlte, da musst noch mehr sein. Da musste es noch Erfahrungen geben, die meinen Nerven und Knochen einiges mehr abverlangen konnten. Höher, schneller, weiter. Ich ließ mich von einem Bericht in der Tagesschau inspirieren und wartete auf die nächste Gelegenheit.Dann, als der Moment gekommen war, zog ich mich schwarz an, bedeckte meinen Kopf und ging hinaus zu den Demonstranten von ATTAC. Ich mischte mich unter sie, und beim Anblick der ersten grünen Minna schrie ich „Viva la muerte!“ (das hatte Rolf mal irgendwo gelesen, das fand ich schon immer voll super) und bewarf sie dann aber mit weichen Schwämmen. Und wie mir darauf der erste Schlagstock die Kniescheibe zertrümmerte, da ging mir fast einer ab.
Beinahe wollte ich einen Satz aus diesem Film „Der Club der toten Dichter“ zitieren: „Ich wollte das Mark des Lebens in mich aufsaugen“. Aber… ich merke soeben, dass das hier nicht so ganz passt, schließlich spritzte mir nach jeder Aktion das Knochenmark nur so aus allen Poren heraus.
Nach diesem letzten Polit-Sportevent besuchte mich Rolf. Mein ganzer Körper war in so einem nervtötenden weißen Zeug eingeleimt. Er fragte mich: „Na? Was macht das Leben?“Doch selbst meine Lippen waren eingegipst, spröde und standen kurz vor ihrem völligen Zerbersten. Herrlich, jede Faser meines Körpers machte sich bemerkbar. Selten hatte ich mich so lebendig gefühlt.
Ich konnte Rolf schlecht mit einem Rollen meiner Augen antworten - Was hätte das auch ausgesagt? – und versuchte, meinen eingegipsten Daumen zu heben. Dank enormster Willenskraft gelang es mir auch. Es knackte unter dem Gips [schnalz], aber zumindest wusste mein Freund nun, dass ich nicht klagen konnte.
Und wenn ich wieder beisammen bin, habe ich schon die nächste Idee: Geschichten schreiben, bis mir die Fingerknöchel splittern. Und ich höre nicht auf damit, sie zu erzählen, bis mir das Skelett platzt. Das ist wahrer Extremsport, liebe Adrenalinjunkies. Das ist Hardcore-Slam.
Runde 1 ist eröffnet
Posted on Juli 19, 2007
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„Meine Damen und Herren, ich darf sie willkommen heißen beim Kampf der Giganten unserer Sandkasten-Hemisphäre. Es geht heute um alles: Der Titel „Master of the Blockspielplatz“ sucht einen neuen Inhaber auf unbestimmte Zeit. Und hier haben wir ihn, den Herausforderer, in der rechten Ecke des Sandkastens: Der zweijährige, von seinem Vater durch- und durchtrainierte Kevin, bereit, die Krone der Gewichtsklasse „Nochnichtnennenswert“ zu übernehmen.Ihm gegenüber, in der anderen Ecke, die anderthalbjährige, von ihrer Mutter in letzter Zeit völlig vernachlässigte Lisa. Phlegmatisch sitzt sie in ihrer Ecke und es sieht so aus, als wird Kevin heute leichtes Spiel haben. Ohne zu erahnen, was sie in Händen hält, kaut sie auf der Trophäe herum, dem begehrten roten Feuerwehrauto.“
— Schnitt —
Die sich unseren Augen offenbarende Situation lieferte Aussicht auf einen richtig schönen, unfairen Wettkampf. Wir konnten uns auf ein blutiges Spektakel gefasst machen und Rolf, der neben mir auf der Spielplatzbank saß, kommentierte das Geschehen voller Enthusiasmus in seine offene Beck’s-Flasche hinein.
„Runde 1 ist eröffnet. Kevin schwankt zielstrebig aus seiner Ecke heraus. Er scheint ziemlich unsicher auf den Beinen zu sein. Mensch, Kevin: Reiß dich zusammen, das hier ist keine Wanderdüne, sondern der Ring! Hier geht es um alles.Ihm gegenüber harrt immer noch bewegungslos die kleine Lisa und wirkt völlig abwesend. Kevin kommt auf sie zu, täuscht einen linken Haken vor. Warum täuschst du nur, Kevin? Die blickt doch sowieso nix. Der weise Mann des Kampfquadrats, der dreijährige Ringrichter Marius, ist im Moment abgelenkt und damit beschäftigt, händeweise Sand zu essen.DAA! Der Haken gelingt, Kevin mopst Lisa brutal und überraschend das rote Ding vor den Augen weg. Triumph, Triumph!Tja, da guckt die kleine Lisa aber blöd und verdutzt an ihrem Widersacher herauf. Heul doch! Heul doch! Na? Wo ist jetzt deine Mama? Na? Eeeeeben: Nicht da isse.Der Ringrichter erklärt den Kampf…ach nee, der erklärt gar nix, der ist mit dem Sand beschäftigt.“
Rolf setzte die Beck’s-Flasche ab, sprang auf die Bank und versuchte sich ganz alleine an einer Welle für seinen siegreichen Sohn. Die anderen anwesenden Väter schüttelten mit den Köpfen.Ausnahmsweise, weil die Mütter und unsere Lebensgefährtinnen heute den seit Monaten geplanten Bahnausflug in die Tat umsetzten, wurden wir mit der Aufsicht der Kinder betraut bzw. gezwungen. Die anderen Männer wirkten zeitweise missvergnügt und auch Rolf hatte gesagt, er würde lieber seinem Sohn bei der heutigen Bundesligaübertragung die Abseitsregel beibringen, damit er der jüngste Mann (so drückte er sich aus) sei, der sie beherrschte.
„Wenn ich sehe, wie meine Liebste unseren Sohn jedes Mal mit diesem Gutschigu und Haitaitai verhätschelt, wird mir regelmäßig schlecht. ENT-WÜR-DI-GEND!!! Immer dieses „Kinder sind ja so süß und unschuldig“ und so weiter. Guck mal genauer hin: Da vorne herrscht Krieg zwischen diesen kleinen Killer-Bestien. Das merken unsere Frauen natürlich in der Regel nicht, die sitzen hier ja nur dauernd rum und rauchen Zigaretten.Aber die Evolution macht auch nicht vor dem Schnuller halt, das hier ist ein „Survival of the fittest Förmchen“!!!“
Ich wies Rolf darauf hin, dass Kevins Evolution gerade einen entscheidenden Sprung getan zu haben schien, denn der Kleine hatte sich vor der staunenden Lisa die Hose heruntergezogen und pullerte vor ihren Augen in den Sand.
„Phantastisch, nicht wahr? Ich hab ihm neulich beigebracht, im Stehen zu pinkeln,“ meinte Rolf voller Stolz. „Weißt du, das erleichtert einem schon ganz ungemein den Tag, wenn man nicht ständig irgendwo einen abhalten muss.“
Rolf sprang wieder vor Freude über seinen Sohn auf und stakste zum Sandkasten vor, stolperte dabei beinahe über die Begrenzung und schlingerte auf den Sandkuchen essenden Marius zu. Er konnte sich aber noch rechtzeitig fangen und ergriff seinen Sohn, der – freudestrahlend – nicht wusste, wie ihm geschah.Plötzlich befand sich Kevin mit seinem blanken Gesäß in luftiger Höhe, denn sein Vater warf ihn in seinem Überschwang mehrfach empor. Kevin legte in der Höhe sein Gesicht in angstzerknitterte Furchen, doch er schien bereits zu erahnen, dass seinen Vater ein Aufschrei seinerseits kränken könnte und blieb lieber still.
Stattdessen knackte es – für alle auf dem Platz Anwesenden gut hörbar – und Rolf sackte in sich zusammen, landete mit seinem Gesicht im durchnässten Sand. Kevin fiel auf den Rücken seines Vaters, genau auf die Stelle, von wo das knackende Geräusch zu vernehmen gewesen war, schien aber sofort wieder wohl auf und bohrte die Feuerwehr in den Rücken seines Vaters. Dorthin, wo es brannte. Rolf gab schmerzverzerrte Laute von sich, die der kleine Ringrichter Marius fälschlicherweise als Hunger interpretierte, und der schaufelte ihm salzig-sauren Sand in den Mund.
Kevin, erstaunt darüber, dass sein Vater so früh am Tag Lust verspürte, sich hinzulegen – noch dazu im Sandkasten - , rang nach Worten, Tönen, Ausdrucksmitteln. Bald entglitt ihm die Frage: „Papa K.O.?“
Später, auf dem Weg in die Notaufnahme, tat ich mich schwer damit, Rolf quer über zwei MaxyCosy-Kinderwagen zu balancieren. Bei jedem frechen Pflasterstein stöhnte er erneut gequält auf. Die Kinder hatten wir bei den anderen zurückgelassen, wo man inzwischen über die Einrichtung eines Wettbüros nachdachte.
„Weißt du was, Rolf?“ fragte ich. „Ich glaube, dein Sohn ist schon ziemlich fit und wird dich mit Sicherheit überleben. Bald schon. Übrigens, du hattest doch gerade etwas über Würde erzählt. Ich meine, wo ich dich hier gerade so liegen sehe, das musste mir noch mal erklären…“
Hans Mainert
Posted on März 21, 2007
Filed Under Allgemein | 2 Comments
„Wer ist das? Der Mann, der dort vorn so schnell geht?“
„Keine Ahnung, aber sieht aus, als wenn er Bier erspäht.
Da, siehst du? Er steuert direkt dorthin…“
„Der Ärmste. Und als hätt er nix andres im Sinn!“
——
Boah, grad noch geschafft, hab ich ein Schwein,
in den Aldi lassen sie doch noch Leute hinein.
Drin bin ich im Paradies der Leistungsempfänger
und Milsani-Saucenveredlungs-Anhänger.
Ich schnapp mir nen Sixpack und laufe gehetzt
um die Kühltruhenecke und merke entsetzt:
Bis hier hinten steht sie bereits, die Schlange,
darauf öffne ich mir erstmal ne Plastikkanne.
Aerodynamisch geformt sind die Fläschchen,
startklar gucken sie nun aus all meinen Täschchen.
Bereit, mir ihren Treibstoff einzuflößen
Die Schlange bewegt sich unterdessen in Stößen.
Und schon meutert die Python, will eine weitere Kasse,
doch die Kassiererin vorne überfordert die Masse
damit, dass der Kollege woanders rumdüse,
sortiert kriechend frisches von verfaultem Gemüse
Darauf rutscht ein Typ aus mit nem Medion-PC,
der entgleitet ihm und fliegt im Bogen! Oh Weh!
und geht mir dabei haarscharf am Arsch vorbei,
landet in der Truhe und quetscht Torten zu Brei.
Mit einer Schwalbe flog ich über’n Tauwassersee,
der sich davor vermischte mit Schlagsahnenschnee
ich rollte mich ab, stand wieder auf, war wohl gerettet,
die andern Kunden schienen vom Schock schier geplättet.
Hin und her schwanken wir weiter, kommen kaum voran,
hier und da greift ne Hand seitwärts, wo sie dann
beginnt, Erdnussdosen brutal aufzureißen.
Bei der Wartezeit braucht man doch auch was zu beißen.
So langsam wirkt nämlich das dritte Maternus.
Und als allererstes heut ess ich ne Erdnuss!
Wir bewegen uns bald an des Wahnsinns Rand,
Zehn Meter sind’s noch bis zum Warenband.
Schön auch zu sehen, wie sie von mir weichen,
weil ihnen meine Dünste in die Nasen schleichen,
doch Reinlichkeit ist mir heute egal,
denn die Hygieneartikel stehn im andern Regal.
Am Ende, ich sehe das Warenband schon,
nervt mich noch die vor mir stehende Person,
mit ihren zwei vollen Einkaufswagen
benötigt Äonen, alles aufs Band zu tragen.
Gleich dreh ich durch. Kann die Alte nicht schneller?
Vom Langsamer-Werden wird der Tag auch nicht heller.
Doch kurz vor dem Schluss wird es ruhig um die Masse:
Noch sind es fünf Meter bis zur rettenden Kasse.
Ich schwächel, versuch, mich an ein Regal zu retten.
Ach, was fürn Glück: Hier stehn ja die Vitamintabletten!
Schnapp mir so’n Döschen, ob’s hilft, mal gucken.
Und beginn’s mit Maternus hinunterzuschlucken.
Doch davon wird mir schwindlig, ich verliere den Halt,
falle zu Boden, mir wird schlagartig kalt.
Ein Typ aus der Schlange beugt sich zu mir herab
Doch er sieht, dass nichts hilft und zieht wieder ab.
Wer wünscht sich das, als Single, einsam und ohne Erben,
kurz vor Ladenschluss im Aldi zu sterben?
Ein letzter Eindruck noch von der Neonlichtsonne,
dann spür ich schon den Duft der Filial-Biotonne.
Der kurzen Hektik im Zuge der Biernot,
verdanke ich nun diesen total doofen Tod.
Mit dem Beginn der Starre, der Leichengicht,
wünsch ich, dass der Filialleiter am Grabe spricht:
„Hans Mainert, so hieß er, das Häuflein Asche
den Perso fand ich nämlich in seiner Tasche.
Landauf und –ab erzählt man sich,
wie sein Funke auf dem Aldi-Fußboden verblich.
Hielte er nicht auf Maternus so große Stücke,
dann läg er jetzt friedlich unter seiner Brücke.
Doch tapfer war er, das muss man schon sagen,
konnte immerhin ein Sixpack bis vorne hin tragen.
Bis zu der einen von unser’n zwei Kassen,
dann haben ihn wohl die Vitamine verlassen.
Was musste er auch auch vor unser’n Füßen verrecken?
Immerhin kann ich mir jetzt sein Pfandgeld einstecken.“
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