Der für mich zuständige Sachbearbeiter

Posted on November 16, 2006
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Der erste Krach, den ich am neuen Tag hörte, war beinahe imstande, mir die Sinne gleich wieder zu rauben. Lautmalereien wären nicht in der Lage, dieses Geräusch auch nur annähernd zu beschreiben. Es handelte sich vielmehr um ein äußerst lautes Splittergeräusch und war deshalb so laut, weil mein eigener Kopf als Resonanzkörper diente. Der darauffolgende Schmerz schien mir irgendwo zwischen Lobotomie und Enthauptung einzuordnen zu sein.
Es rächte sich, und zwar nicht zum ersten Mal, dass ich seinerzeit so hohe Pfosten für mein Hochbett verwendet hatte. In meinem Zimmer, dass lediglich zwei Meter hohe Wände aufwies. Nur um etwas mehr Platz darunter zu haben. Doch nach und nach stellte ich mir immer häufiger die Frage: Wozu und wofür überhaupt? Der gewonnene Raum wurde nämlich nur durch meine ungewaschenen Klamotten eingenommen.
Ich betrachtete die Stelle unter der Zimmerdecke, die bereits Spuren von meinen vielfachen Kopfstößen gewohnt war und betastete daraufhin meine Stirn. Unter dem Haaransatz spürte ich eine warme Flüssigkeit zäh hervortreten.
Inzwischen konnte ich mich auch wieder erinnern, weshalb ich so plötzlich gegen die Zimmerdecke gestoßen war: Mein altes Telefon hatte geklingelt, obwohl man es seit ca. einem Jahr nicht mehr als Klingeln bezeichnen konnte. Seitdem ich es einstmals fallen gelassen hatte, konnte eigentlich nur noch von einem krächzenden Scheppern die Rede sein. Mittlerweile war es allerdings wieder verstummt.
Ich wagte den Abstieg auf der Holzleiter, um mir im Bad meine Verwundung anzusehen und hoffte, keinem meiner Mitbewohner zu begegnen.
Doch kaum an der Zimmertür angelangt, schepperte es erneut.

Mit der linken die Stirn haltend, hob ich mit der rechten den Hörer ab und meldete mich.
„Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich, Herr Baumann. Huber am Apparat. Ich hoffe, sie hatten angenehme Träume.“
Es war also Herr Huber, mein Sachbearbeiter beim – ich kann’s mir nicht abgwöhnen, es so zu nennen – Arbeitsamt.
„Herr Huber, ich blute!“
„Wie? Ach so, ja? Ähm, Entschuldigung. Dann werden sie mal in Ruhe damit fertig. Ich melde mich später nochmal, ja?“
Entnervt hämmerte ich den Hörer wieder zurück.

Der Herr Huber. Was für eine Marke. Man musste ihn einfach lieb haben. Die Ankündigung, mir eine Arbeit geben zu wollen, konnte ich inzwischen auch nicht mehr recht ernst nehmen. Zunächst kam es mir etwas befremdlich vor, das er sich so sehr um mich kümmerte, mir oft Termine gab, mich sogar anrief. Aber im Laufe der Zeit hatte ich mich daran gewöhnt.

Wie hab’ ich doch damals noch vor Angst gezittert, als ich das erste Mal zum Arbeitsamt musste. Zwei Jahre mochten seit dem in’s Land gegangen sein. Ich weiß noch, wie ich unruhig ich auf dem Stuhl vor seiner Tür herumrutschte, fast war ich überzeugt davon, es läge an meinen Schweißausbrüchen, dass ich mich nicht darauf halten konnte. Doch als ich hereingerufen wurde, bemerkte ich, dass auch mein künftiger Sachbearbeiter zu schwitzen hatte, und zwar nicht vor Nervosität. Am heißen Wetter konnte es jedenfalls nicht liegen, draußen schneite es stürmisch. Es war Januar.
Kurz zuvor arbeitslos geworden – wieso bin ich auch Erzieher geworden, wenn’s nix zum Erziehen gibt? - erwartete ich nun harte Sanktionsmaßnahmen und viele Pflichten. Herr Huber aber lächelte und bot mir einen Kaffee an, den er gerade frisch aufgebrüht hatte:
„Der ist wirklich gut, den schickt mir meine Mama immer mit der Post,“ hatte er dazu gesagt und gelächelt. Ich hatte es mit einem untersetzten Mann Mitte vierzig zu tun, der Kehrpakete von seiner „Mama“ bekam.

Er hörte sich mein Anliegen, meine Vita geduldig an, und tipperte mit seinen dicken Fingern auf der Tastatur herum, auf der Suche nach Arbeit für einen Willigen wie mich.
„Also, wenn es sie nicht stört, hier wäre noch eine Stelle im Winterdienst ..“
Was? Bei dem Wetter?“brachte ich unachtsam hervor.
Herr Huber schaute zunächst mich an, blickte sodann nach draußen.
„Ja, stimmt. Sie haben wohl recht. Das kann man ja keinem zumuten.“

Was Herr Huber zu Beginn noch nicht ahnen konnte, war: Ich wollte gar nicht arbeiten. Doch er schien irgendeinen Narren an mir gefressen zu haben, und so spielten wir dieses Spiel weiter, auch, als er Stellen fand, die zu mir passen wollten. Bei einem anderen Gespräch - dieses Mal hatte Mutti Mozartkugeln geschickt - schlug er mir sogar etwas in der Art vor:

„Ein paar Straßen weiter eröffnet demnächst so ein neuer Elite-Kindergarten. Wäre das nicht was für sie?“
„Elite-Kindergarten?” rief ich empört. “Geht’s noch? Was soll das denn jetzt wieder krankes sein? Aus „Rappelkiste“ und „Wuselvilla“ wird die „Albert-Einstein-Gedächtniskrippe“? Ich seh’s förmlich schon vor mir: Kleine Kinder mit riesigen EEG-Helmen auf dem Kopf, die wie wild an Rubik-Würfel herumdrehen.”
Herr Huber schaute mich fast gekränkt an, als ob ich seinen Vorschlag angreifend aufgefasst hätte. Er blickte wieder zurück auf seinen Bildschirm und sagte geknickt:
“Na gut, ich sehe schon. Wenn sie da solche Bedenken haben, würde das wahrscheinlich auch keinen Sinn machen.”

Sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen, es zerbrach mir beinahe das Herz. Ich versuchte ihn, mit einigen netten Worten wieder aufzumuntern und bald konnte er auch wieder lächeln.
So ging das weiter, bei jedem Termin, den ich bei ihm wahrnahm. Herr Huber schlug etwas vor, und mir wurde immer deutlicher klar, dass er mir niemals Widerworte entgegnet hätte. Nicht einmal der Gedanke an Leistungskürzungen kam auf. Stillschweigend betrachteten wir uns gegenseitig als gute Ergänzung. Schließlich brauchte er auch mich als Bedürftigen.

Hatte ich mich zu Beginn noch gesträubt gegen die vielen Termine und die dann beginnenden Anrufe seinerseits, verspürte ich irgendwann nichts Komisches mehr daran.

Einen Tag nach meinem Hochbett-Unfall wurde für mich ein kleiner Blumenstrauß abgeben. Die Mitbewohner höhnten etwas von einer Verehrerin, doch das kleine Kärtchen dazu verriet etwas anderes:

Werden Sie bald wieder gesund. Es gibt wieder etwas zu tun. Liebe Grüße, Huber.

„Es gibt wieder etwas zu tun“. Darüber konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen.

Nachdem meine Stirn sich wieder nach einigen Tagen etwas erholt hatte, brachte ich eines Nachmittags mein Leergut zum Container. Es hatte sich eine beträchtliche Menge angesammelt, und so klirrte ich die Straße mit mehreren gefüllten Plastiktüten entlang.
An der Ampel angekommen, stierte ich sinnbefreit in die Luft, als mich von gegenüber ein Ruf ereilte:
„Hallo, Herr Baumann.“ Es war natürlich Herr Huber. Bis ich die Straße überquert hatte, wartete er geduldig. Ich grüßte und er wies auf meine Lasten.
„Jaja, ich bin mal wieder für die WG dran, zum Glascontainer zu gehen,“ log ich etwas.
Er bot an, mir etwas abzunehmen und ich gab ihm bereitwillig zwei der Tüten ab. So standen wir wenig später gemeinsam vor dem Container und warfen meine leeren Flaschen ein.
„Ach ja, stimmt, sie sagten ja mal, dass sie in einer WG wohnen, nicht wahr? Das stelle ich mir spannend vor. Da ist man bestimmt nie so alleine, oder?“
Und während er noch auf eine leere Flasche wies (”Oh, das hier war aber bestimmt lecker.”), lud ich ihn zu mir auf einen Kaffee ein, damit er sich gerne vom Gegenteil überzeugen könne.

Es ist jetzt ungefähr eine Woche her, dass Herr Huber diese Einladung auch wahrnahm. Er war ungeheuer begeistert von der gemeinsamen Wohnküche und – merkwürdigerweise – dem Abwaschberg. Das wirke so lebendig, hatte er gesagt, und nicht so pedantisch sauber wie in seiner Single-Wohnung. Er würde auch einmal gerne WG-Erfahrung sammeln. Meine Mitbewohner beäugten den Mann vom Arbeitsamt – wie er sich vorstellte – zwar sehr misstrauisch, aber seitdem habe ich wieder Verwendung für den Platz unter meinem Hochbett gefunden.

Herr Huber hat übrigens einen sehr ruhigen Schlaf.

Sturmfreies Wochenende

Posted on Oktober 22, 2006
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(Nachträglich hier noch der Text vom letzten Poetry Slam)

Was hat es mich an Überredungskraft gekostet, nicht mit zur Geburtstagsfeier von Tinas Onkel fahren zu müssen? Plausibel glaubhaft zu machen, dass mein Job, verkleidet als überdimensionale Gurke Kunden in einen Bioladen zu locken, mich die Woche derart überfordern würde, dass ich das Wochenende zum Energietanken benötigte, hatte mich einiges an Phantasie gekostet. Immerhin: Es hatte funktioniert und das sturmfreie Wochenende wollte verplant werden.
Ich rief meinen Freund Robert an, den Tina sonst nicht sonderlich mochte und lud ihn zu mir ein. Wir könnten ein paar Filme gucken, die Biere brachte Robert dazu immer von selbst gerne mit.
Schnell hatten wir uns auf unseren Lieblingsfilm „Fight Club“ geeinigt und ich wackelte in die einzige Videothek unserer 3000-Seelen-Gemeinde.
„Ich bin Jacks hoher Glückshormonspiegel.“

Dort hatte ich nach einer halben Stunde Suche dann auch endlich den Film unter der Rubrik „Horror“ gefunden.
Ohne ihm große Beachtung zu schenken, schnappte ich mir den Plastikstreifen, der vor der Hülle wartete und ging zur Kasse.
Dort erwartete mich bereits eine längere Warteschlange. Ich hatte wohl nicht daran gedacht, dass es Freitagabend war und heute auch die Pornofraktion ihre dicken Hornbrillen durch ihre unangemessen große Abteilung schieben musste.
Ich stand dort und wartete, hörte mir an, wie einer der Angestellten vorne noch einmal den Namen der jeweiligen Filme bestätigte, bevor er diesen einpackte.
Wider Erwarten lieh sich aber ein besonders zerzauselter Mittvierziger aber etwas gänzlich Harmloses, irgendetwas mit „Leidenschaft“ und „Groß“ im Titel eben.

„Hi, Stephan. Schön, dich zu sehen!“
Hinter mir vernahm ich eine altbekannte Stimme. Richtig, Kathrin, Tinas beste Freundin, hatte sich dort eingereiht. In diesem Kaff freitagabends Beknnte zu treffen, war keine Seltenheit.
„Oh. Hi, Kathrin!“
„Du willst dir wohl ‚nen entspannten Abend ohne deine Freundin machen, wie?“ wies sie auf das Plastikkärtchen in meiner Hand, während sie dies sagte.
„Ja, allerdings,“ entgegnete ich, als ich dieses dem Kassierer weiterreichte und erzählte ihr noch von meinem Plan, dazu Robert und seine Biere einzuladen.
„Ich hätte an deiner Stelle auch keine Lust, mir dieses Familiengetue anzutun,“ sagte sie und fuhr fort: „Ich meine, ich bin ja auch im Kirchenkreis und so weiter tätig, aber Tinas Familie dagegen..die sind ja schon nicht mehr konservativ, das ist ja schon jenseits von Gut und Böse.“

Ich wurde abgelenkt. Der Kassierer kam mit der DVD zurück, zeigte sie mir und sagte laut hörbar: „Einmal „Tante Jutta juckt die Kimme“, bitte.“
„Ich bin Jacks pulsierende Schamesröte.“

Da stand ich nun, vor Kathrin, da hätte ich gleich vor der ganzen Stadt stehen können, und hörte den Fluss des Blutes langsam an meinem Innenohr entlangrauschen. Alles, was ich heute an Getränken zu mir genommen hatte, presste sich aus jeder Pore meines Körpers gewaltsam hindurch und es fühlte sich so an, als würde jede Nervenfaser zu zittern beginnen, wie die Froschschenkel, die wir damals im Biologieunterricht unter Strom gesetzt hatten. Doch das hier empfand ich im Gegensatz zu damals nicht als lustig.

„Das muss ein Scherz sein,“ brachte ich immerhin heraus, „ich wollte mir Fight Club ausleihen. Jemand muss dieses Ding da vertauscht haben.“
Wohl wissend, dass das kaum glaubhaft bei Kathrin ankommen würde. Ich Hornochse hatte doch eben noch von einem Männerabend beim Bier geredet, in Abwesenheit meiner Freundin.
Kathrin war hinter mir verstummt, ich wagte es auch nicht, mich umzudrehen und ihr in die Augen zu sehen.
Der Kassierer lächelte verschmitzt, offenbar war ihm diese Situation geläufig. Komm her und bitte mich, dich so fest zu schlagen, wie ich nur kann.
Er beteuerte, dass er den gewünschten Film suchen würde, ging, war aber schnell mit diesem wieder an seinem Platz zurück und händigte ihn mir aus. Bezahlen ginge beim nächsten Mal. Ich drehte mich um und sah in Kathrins Augen. Bohrender hätte ein Blick kaum sein können.
Sämtliche, vor wenigen Augenblicken noch gehegten Symphathien schienen binnen Minutenfrist aus ihrem Gesicht gewischt wie einst ‚45 japanische Städte von der Landkarte.
Und die Explosion, die der Eindruck bei ihr hinterlassen hatte, ließ vom Zentrum ihres Gesichts zur Peripherie hin ringförmige Krater entstehen.
„Soso, ein Männerabend also, wie?“
„Kathrin, versteh doch bitte…,“ stammelte ich, doch ich bemerkte selbst, es wäre wohl vergebens.
Ich dachte nur noch an die Folgen, sah ein, dass bei der katholischen Kathrin nichts mehr zu retten war. Bald wusste es ihre Nachbarin, darauf die Straße, dann die ganze Stadt. Ich musste ihr zuvor kommen, damit sie nicht größeren Schaden anrichten konnte.
Sollte ich etwa nach diesem Wochenende meine Sachen vor der gemeinsamen Wohnung vorfinden müssen?

Wie von der Tarantel gestochen stürzte ich auf den Parkplatz in meinen Fiesta und holte alles aus der Knutschkugel heraus, was sie hergab. Zuhause nahm ich mir vor, den Anrufbeantworter ihrer Eltern so lange vollzutelefeonieren, bis das Band nichts mehr, auch nicht Kathrin, aufnehmen konnte. Dafür musste ich ja noch nicht einmal reden, ich konnte ja den Hörer einfach liegen lassen, musste nur alle paar Minuten die Wahlwiederholungstaste betätigen.
Mit meinem Handy wollte ich sie gleich anrufen. Unter irgendeinem fadenscheinigen Vorwand, am Besten stundenlang, bis ihr Akku leer war. Ich konnte mich ja betrinken und mir irgendetwas ausdenken, weswegen ich jetzt unbedingt ihre Stimme hören musste. Genau: Ich hatte meinen Job als Gurke verloren, das klang wenigstens glaubhaft. In den Bioladen geht doch sowieso keiner einkaufen bei den Preisen. Hauptsache, ich kam Kathrin zuvor.
Vor der Haustür angekommen, hechtete ich aus dem Wagen, in’s Haus, die Treppe hinauf, bekam vor Aufregung den Schlüssel kaum in das Schloss der Wohnungstür.
„Ich bin Jacks wummerndes Herz.“

Die Tür öffnete sich endlich, ich betrat den dunklen Hausflur. An dessen Ende blinkte im kurzen Intervall ein rotes Lämpchen auf: Ich hatte eine neue Nachricht auf dem Anrufbeantworter!
Bei ihm angelangt, betätigte ich zaghaft den Knopf zum Abhören. Etwas knackte, dann hörte ich eine Frauenstimme. Es war nicht Tina, wie ich erwartet hatte, sondern Kathrin: „Gib dir keine Mühe, Stephan. Tina weiß schon Bescheid über euer Möchtegern-Graf-Pornos. Ich wünsch dir noch ein schönes Wochenende,“ hörte ich sie schnippisch sprechen, worauf sie ein derart hexenhaftes Lachen anschlug, das sie garantiert in einem früheren Leben bei der Inquisition ihrer Lieblingsorganisation erlernt hatte.

Ich setzte mich, war niedergeschlagen, hatte verloren. Sämtliche Anspannung der letzten halben Stunde verdampfte schlagartig aus meinem Körper und ich sackte zusammen, blieb auf dem Flurboden liegen.
Bevor ich erschöpft einschlief und bereits mit den schlimmsten Albträumen rechnete, begann ich damit, mir auszumalen, welch Tirade ich am Montagmorgen über mich ergehen lassen konnte. Ich konnte mich darauf einstellen, die längste Zeit eine Freundin gehabt zu haben und musste wegen des Rufmords mit Sicherheit ausziehen, die Stadt verlassen, noch einmal ganz von vorne beginnen.

Montag früh, 9 Uhr 20 morgens.

Ich hatte die verbliebenen Tage in einer Hölle der Grübelei verbracht. Viel lieber hätte ich mir Tinas Familie angetan als die letzten Tage hier allein. Die letzte Nacht war am schlimmste, ich hatte nicht geschlafen und im Bioladen angerufen, ich könne unmöglich erscheinen. Unter Durchfall würde ich leiden, hatte ich behauptet, und ein bisschen was war da ja auch dran. Als wäre alles aus mir rausgegangen, was mich ausmacht.
Gleich würde sie kommen, dachte ich, und bald hörte ich Schritte auf der Treppe, den Rhythmus, den ich sofort erkannte.
Der Schlüssel drehte sich im Schloss herum, Tina trat ein, mit zwei großen Taschen bepackt. Noch sah sie mich nicht, sondern suchte nach einem Abstellplatz für ihr Gepäck. Als sie einen dafür im Flur gefunden hatte und die Taschen abließ, bemerkte sie mich, wie ich wieder an dieser Stelle im Flur saß. Still. Ich richtete mich auf.
Sie sah mich böse an.
„Tja, sag mal, was machst du hier eigentlich für Sachen in meiner Abwesenheit?“
Ich stammelte, bekam keinen Ton heraus, wollte zumindest versuchen, es ihr zu erklären.
„Sei still!“
Ihr Gesicht hellte sich auf.
„Du Blödmann!“ Sie konnte wieder lächeln.
„Erst war ich ja etwas sauer, aber dann…Schatz, hättest du doch mal was gesagt, dass du unzufrieden bist, wir hätten doch, naja…“
Dann küsste sie mich und es dauerte nicht lange, bis sie mich an der Hand in unser Schlafzimmer zog.

Was soll ich noch sagen? Der Scherz oder Irrtum oder was es auch gewesen sein mag, naja, der hatte gar nicht mal so schlechte Folgen.

Die Reise des jungen Che

Posted on September 2, 2006
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(wie sie wirklich war) EDIT 05.09.06

Der Film „Die Reise des jungen Che – The Motorcycle Diaries“ beschreibt eine Reise des noch jungen Ernesto Guevara mit seinem Studienfreund Alberto Granado durch mehrere Länder Südamerikas. In den Kritiken kam der Film wegen seines Kitsches nicht allzu gut weg. Dem kann ich mich aber nicht anschließen, weil ich 1.) den Film gar nicht selbst gesehen habe und 2.) ich es auch gar nicht mehr für nötig erachte.
Mir ist nämlich auf Umwegen, die ich hier nicht nennen will, das Original-Reisetagebuch des Guevara in die Hände gelangt. Ich möchte es Ihnen nicht vorenthalten:

Tag 1

Nachdem Alberto und ich es nach Tagen schweißtreibender Arbeit endlich geschafft haben, an unserem alten Motorrad „Betsy“ die Uni-Wimpel korrekt anzubringen, beschließen wir eine kleine Spritztour in der näheren Umgebung. Doch die Sonne brennt, der Fahrtwind kühlt angenehm, und wie Alberto sich unter dem Vibrieren der Betsy von hinten an mich schmiegt, vergesse ich die Zeit und wir fahren den lieben langen Tag einfach weiter, bis es dunkel wird.
Wir übernachten irgendwo am Wegesrand, ich lege mich zu Betsy. Ich fühle mich zu ihr hingezogen, denn sie ist so gütig, mir in der Nacht die Wärme ihres Motors und ihrer Auspuffrohre zu schenken.

Tag 2

Heute Nacht geträumt, in fernen Zeiten würde mein Portrait in Mädchenzimmern hängen, weil ich eine Revolution auf einer Insel vorangebracht hätte. Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich mal von Papas Telefon aus ein paar Kontakte in Mallorca knüpfen.
Bereits heute haben Alberto und ich den ersten Streit: Er will auch einmal fahren und die kommende Nacht bei Betsy liegen, er hätte einen Schnupfen bekommen. An einer Tankstelle, während Alberto kurz auf der Toilette ist, zerstöre ich das Zündschloss. Wenn ich sie nicht für mich haben kann, soll sie niemand haben.
Wir verkaufen Betsys Überreste an Ort und Stelle, zu Fuß und per Anhalter gelangen wir weiter.

Tag 3

In allen Orten, in die wir gelangen, stoßen wir mit unseren Forderungen auf Unverständnis. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass hier alle nur Spanisch können. Nun rächt es sich, dass wir einfach so gestartet sind: Unsere Kulturbeutel liegen zuhause. Mit Händen und Füßen ist auch kein Friseurtermin zu bekommen. Wir werden uns Bärte wachsen lassen müssen. Hoffentlich gerate ich nicht so in die Mädchenzimmer.
Langsam, aber sicher, bekommen wir großen Hunger. Doch es ist wie verhext: Immer, wenn man einen McDonald’s braucht, ist keiner da.

Tag 4

Wir haben uns verirrt, wissen nicht mehr, wo wir sind. Beim Nachsehen stellen wir fest, dass der Kompass immer nur nach Norden zeigt. Alberto sagt, man könne sich an den Sternen orientieren, aber ich kaufe ihm nicht ab, dass es dort oben einen „Großen Mittelklassewagen“ geben soll.
Jedenfalls geht es bergauf und die Luft wird merklich dünner. Ich fühle mich so beschwingt, dass ich mich zu jedem Baum hingezogen fühle.

Tag 5

Die Luft hier oben treibt unseren Appetit voran. So stehlen wir uns ein Huhn von einem Bauernhof. Dabei ist mir ein Satz eingefallen, den ich mir sofort aufschreiben sollte, bevor es ein anderer verwendet: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ So. Da steht’s. Super.
Wir bemerken aber zu spät, dass wir das Huhn voreilig als Brennmaterial benutzt haben. Wir müssen unsere Prioritäten neu abstecken: Wärme oder Wärme durch Essen. Nun sitzen wir wieder hier in der sternenklaren Nacht und ham Hunger. Alberto bemerkt, dass der Horizont ungefähr so aussieht, als wenn ein äußerst dunkelblauer Junge mit vielen kleinen leuchtenden Pickeln auf dem Körper einer schwarzen Frau läge.
Selten zuvor fühlte ich mich so sehr zu Bergkuppen hingezogen.

Tag 6

In einem Dorf treffen wir auf einen Mann ohne Zähne. Weil es das einzige ist, was ihn beschissener aussehen lässt als uns selbst, bekommt Alberto plötzlich seine wohltätigen fünf Minuten und überlässt ihm seinen alten Käse zum Draufherumlutschen.
Wir werden sofort bejubelt und ein Fest wird für uns veranstaltet.
Inmitten der Menge tanzt ein schönes Mädchen, in den Händen klappert sie mit Kastanien oder so etwas ähnlichem. Sofort fühle ich mich zu ihr hingezogen. Sie weist auf ihr Herz und sagt etwas wie „Coraçon“. Doch ich glaube, ich habe von einem Schnaps, der genau so heißt, zuviel getrunken, und sinke zwischen ihre Brüste.
Alberto und ich ergreifen sofort die Flucht.

Tag 7

Alberto geht mir auf die Nerven und wackelt breitbeinig hinter mir her. Der letzte Fahrer, der uns mitgenommen hat, verlangte ihm etwas zuviel für unseren Transport ab. Ständig jammert er nun und erinnert mich an mein Medizinstudium. Da ich ihm bisher noch nicht verraten hatte, dass ich dieses nie abgeschlossen hab’, sammele ich ein paar Kräuter und mische etwas zusammen, das in etwa so riecht wie Faktu Akut. Doch davon wird es nicht besser, im Gegenteil: Jetzt muss ich ihn auf meinem Rücken weitertragen.

Tag 8

Langsam wird mir Alberto zu schwer. Ich schlage ihm vor, als nächstes das Transportmittel zu wechseln und auf einem Schiff anzuheuern. Man kann den Ozean zwar noch nicht am Horizont erkennen, aber der Duft des Meeres liegt schon in der Luft.

Tag 9

War doch nur ne Nordsee-Bude.

Tag 10

In dem Ort, in dem wir jetzt sind, gibt es keinen einzigen McDonald’s, nur Fischrestaurants. In einem namens „Chez Mao“ gibt uns ein Chinese reichlich Sushi aus und erzählt uns was vom Sozialismus. Ich habe zwar keine Ahnung, wovon er da redet, aber bewundere seinen Feuereifer.
Wenn ich wieder zuhause bin, eröffne ich vielleicht auch so eine Bar. Ich sehe es förmlich schon vor mir : „Chez Guevara“.

Tag 11

Das Schlitzauge war ein Arsch und sein Sushi schlecht. Alberto und ich sitzen an der Gosse und kotzen. Wir beschließen die sofortige Rückkehr, wie auch immer geartet.
Wenn wir wieder zuhause sind, rufe ich von Papas Telefon aus den amerikanischen Präsidenten an. Er soll gefälligst dafür sorgen, dass hier an jeder Straßenecke ein McDonald’s aufmacht.
Wehe, wenn nicht. Sonst werd’ ich zur Wildsau.

Es gibt sie doch!

Posted on Mai 18, 2006
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Und dann war da ja noch dieser Typ auf dieser Party gewesen, wo sonst nur ganz merkwürdige Gestalten herumliefen. Entweder trugen sie Ringelshirts oder rosa Polohemden über weißem Longsleeve, nix dazwischen. Als wenn die Frauenwelt diese Extreme erahnt hätte, blieb sie der Party fern und immer, wenn Männer kein Objekt zum Imponieren haben, lassen sie nunmal die Sau raus. So auch hier.
Mit niemandem wollte ich mich unterhalten, bis auf den einen da, der hatte etwas zu lesen auf dem T-Shirt und ich dachte, vielleicht könnte man ja mit dem besser ein paar Worte wechseln. Doch der entgegnet natürlich auf meine Auskunft darüber, woher ich denn komme, diese X-Mal zum Kotzen gehörte Phrase: „Ach, ich dachte, das gibt’s gar nicht.
Sofort hatte ich seinen Namen wieder vergessen.

Nächstentags, wieder in eben dieser besagten Stadt angelangt, war ich gerade unterwegs in Richtung Westen der Stadt, wollte nach dieser durchfeierten Nacht noch ein wenig Sauerstoff mit Sonnenstrahlen genießen. Dazu drängte es mich hin zu einem Platz, an dem ich Menschen treffen könnte. Menschen, die imstande waren mich abzulenken von den nebulösen Gedanken, die man so hat, wenn der vom Vortag erzeugte Schleier langsam wieder fällt, und es blieb mir nichts weiter übrig, als an diesen Aufreger vom Vortag zu denken.

So manch einer würde das ja ganz gerne tun, diese Stadt ignorieren, zumal über sie eine Art „Verschwörungstheorie“ kursiert, die besagt, dass sie nicht einmal existiere. Menschen, die dieses behaupten, können nur von außerhalb oder noch nie hier gewesen sein, denn wenn ich mich hier einmal so umsah, war ganz eindeutig jede Menge davon vorhanden und mir will einfach keine Verschwörung einfallen, die sich die Mühe macht, eine potemkinsche Großstadt mit allen nötigen Komparsen hierhin zu setzen und dabei noch so originelle Stadtteilsbezeichnungen wie Gadderbaum, Windelsbleiche, Deppendorf, Baumheide und Ubbedissen zu erfinden. MANN, SOLCHE NAMEN KONNTE MAN SICH DOCH GAR NICHT AUSDENKEN!

Sollte aber tatsächlich ein Einwohner an der Existenz seines Wohnortes zweifeln, so hielte ich das für arg bedenklich, schließlich handelte es sich dabei um seinen eigenen Lebensmittelpunkt. Wenn er behauptet, dass die von diesem entsandten Sinneseindrücke ihn lediglich täuschen würden, sollte man den Betreffenden im Weiteren permanent von scharfen Gegenständen fernhalten und ihm gut zureden.

Nicht nur aus diesem Grunde wird dieses Gerücht von auswärtigen, missgünstigen Zungen aus Neid über irgend etwas entstanden sein, doch eine „Verschwörungstheorie“ ist dies mit Sicherheit auch dann nicht. Derlei Konspirationen werden nämlich nur dann vermutet, wenn sie größere Organisationen wie z.B. der Staat gegenüber der vermeintlich unmündigen Gesellschaft hegt, und dabei wird fast immer irgendetwas bloß verschwiegen.

Aus welcher Intention aber sollte man dort, wo – der Theorie nach - Nichts ist, das Vorhandensein einer Großstadt behaupten? Ganz schön kompliziert, das.
Man stelle sich mal vor, wie das wäre, wenn Frau Merkel kurz nach Amtsantritt von hohen Geheimdienstlern erstmals aufgeklärt und instruiert werden würde:
Frau Bundeskanzlerin, wir müssen unbedingt das Gerücht von der Existenz dieser Stadt aufrechterhalten, sonst, sonst kommt es zu Aufständen und zur Revolution.

Ich muss gestehen, die Vorstellung finde ich zwar höchst charmant, den Glauben an diese Existenz künstlich aufrecht zu erhalten, damit der kleine Mann und die Steuerzahler zutiefst beruhigt wieder schlafen können: Zugekittet wäre dann das kleine Loch in ihrem geographischen Seelenleben.
Oh, mein Gott, wie bin ich froh, es gibt sie doch.
Aber der Aufwand dafür wäre doch ein wenig hoch, mindestens die Anwendung von uns bis dato verschwiegener, an der Stadtgrenze einsetzender Wurmlochtechnologie wäre vonnöten, um uns in eine Parallel-Stadt zu beamen.

Ich bin ja eh’ der Ansicht, dass ein in gewissen Grenzen gehaltener Lokalpatriotismus für den Ort, in dem man gerade wohnhaft ist, durchaus für den eigenen inneren Ausgleich förderlich ist.
Auf meinem heutigen, weiteren Weg bemerkte ich unter anderem das Fußballstadion in der Nähe. Heute sollte anscheinend kein Spiel dort stattfinden.
Zugegeben, ich freute mich über jeden Sieg des Vereins, obwohl ich von Abseitsregeln und derlei Dingen nicht die geringste Ahnung besitze und es heißt, man sei als Fan dieses Clubs leiderprobt, aber immerhin zeitigt er neuerdings Erfolge, was den Klassenerhalt anbelangt.

Und wer andererseits Angst davor hat, sein sogenanntes höherwertiges kulturelles Leben könnte hier verkümmern, dem sei an dieser Stelle gesagt: Führt dein Weg auch durch’s finstere Tal, du musst Dich nicht fürchten ob Deiner geistigen Regsamkeit, Verängstigter!
Auf Schritt und Tritt fällt mir hier eine neue Galerie vor die Füße: Man muss nur die Augen weit öffnen.
Jede musikalische Größe macht hier halt: Man muss nur die Ohren aufsperren.
Und was das Gerücht über die Sturheit der Eingeborenen angeht, das kann ich ebenfalls nicht bestätigen. Ich kann mich hier prima in einem der zahlreichen Clubs und Lounges unterhalten:
Man muss sich selbst nur öffnen. Dann kommen sie geflogen, die Herzen der Region.

Erst nicht existent, dann sture Bewohner und obendrein hässlich soll’s hier auch noch sein.
Wenn ich permanent darüber meckern würde, wie hässlich dieser Ort doch sei, dann würde ich eines Tages ein griesgrämiger, kontaktloser Mensch, der nur noch rausgeht zum Flaschencontainer. Dabei stimmt das gar nicht, dass diese Stadt nicht schön ist. Das behaupten nämlich einerseits immer nur die, die von der ZVS hierher geschickt wurden und in ihrer Übergangsphase – bis sie was besseres gefunden haben – nur die allzu praktische Uni-Architektur mit ihrer Peripherie kennenlernten. Andererseits stammt dieser Ruf von den Menschen, die sich immer nur auf der Durchreise befinden, denen auf den großen Straßen nur die Betonklötze entgegenstarren. Diese Leuten sollte man einmal fragen: Wer baut denn auch schon die schönen Ecken an die Zubringer? Kauft Euch ein Fahrrad und Ihr werdet Wunder erleben.

Und als wenn es nicht schon genug des Ramenterns wäre, wird oft behauptet, dass es hier zuviel regnen soll. So eine Behauptung hält sich dann meist, wenn man Statistiken von vor vielen Jahren allgemeine Gültigkeit zuspricht. Subjektiv empfunden würde ich das aber gerne entkräften.
Doch wahrscheinlich würde es nicht einmal helfen, wenn es gelänge, ein paar wirklich nerdige Meteorologen zu einer langen Nacht von Kachelmanns Tagesthemen-Strömungsfilmen zu überreden, um diese vom Gegenteil zu überzeugen.

Endlich an meinem sonntäglichen Ausflugsziel angelangt, kaufte ich mir ein Beck’s und setzte mich auf den sonnenüberfluteten Platz. Es dauerte nicht lange, bis jemand meinen Namen rief. Ich winkte und bemerkte Klaus, einen alten Freund, mit einer offenbar neuen Freundin. Sie kamen zu mir und setzten sich, öffneten sich ebenfalls etwas zu trinken und schnell wurde ich auch mit seiner Begleitung bekannt.
Hier werde ich erkannt, hier kenne ich Menschen, habe Freunde. Und uns geht es gut auf diesem nicht-existenten Platz in dieser nicht-existenten Stadt.

Schlaue Menschen haben errechnet, dass, wenn das Tempo der Polkappenschmelze anhält, wir (so bis in 50 Jahren) die Nordsee vor den Stadttoren haben werden. Scheiß doch auf Hamburg, Berlin und Hannover. Endlich Palmen vor der Haustür und den Strand unter den Füßen. Gnädig werden wir alle Zweifler an unserem Vorhandensein in unserer Mitte aufnehmen.

So weit kann’s kommen

Posted on April 20, 2006
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Jetzt sitz’ ich schon den lieben, langen Tag
im Zimmer, an Ostern, ohne Sonnenlicht.
Die Nerven fast blank und, was ich gar nicht leiden mag:
mein verdammter Rechner bootet nicht!

Da nimmt man sich vor, mal zuhause zu bleiben,
freie Tage zu nutzen, Arbeit voranzutreiben,
wollte mich mal richtig in den Tasten austoben,
doch die olle Mühle schafft’s nicht nach oben.

Beinah’ wird’s zur grusligen Regelmäßigkeit:
Wenn’s dringend ist, ist das Ding nicht bereit.
Wut folgt auf Trauer, dann ein Nebel - wie im Schlummer.
Mann! Das fühlt sich ja fast an wie Liebeskummer!

Wie wird bloß auf die gestrige Mail reagiert?
Dem Weblog wird zwischendurch eifrig Spam zugeführt.
Die betreute Homepage…längst nicht mehr aktuell,
und der Prof will ‘ne Arbeit, und das möglichst schnell.

Und ich weiß jetzt: Da gibt’s einen Gott, der seit jeher gegen mich grollte,
denn VERDAMMT! Da war noch der Text, den ich beim Slam lesen wollte!
All das müsst’ ich bald regeln, doch es will einfach nicht,
dieses microsoftverseuchte Natterngezücht.

Im Zimmer sieht’s aus wie in ‘nem Endzeit-Albtraum,
und nur zu gerne würde ich mal durch die Platinenflut pflügen.
Und wieso heißt dies Kabelgewirr da eigentlich Baum?
Steckte darin wirklich Leben, würd’ ich ihm Schmerzen zufügen.

Ich bin es jetzt leid, meine Geduld ist am Ende.
Wohn’ ich denn hier auf einem Schrottverwertungsgelände?
Ich will wieder leben!” schreit es aus mir heraus,
und deshalb pack’ ich dich Mistding und werf’ dich jetzt raus.

(gestern geslamt, und obenauf gab es (es war ja noch Zeit übrig) das hier.)

Der unfreiwillige Stereo-Typ

Posted on Januar 18, 2006
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oder: Halbwahrheiten über Halbwissen (austauschbar)

(gerade eben auf dem Slam vorgetragen aufgrund einer älteren Vorlage von hier. Kam ganz gut an, hatte ich den Eindruck)

Unlängst bezog eine Austauschstudentin aus offenbar orientalischen Landen neben meiner Wohnung ihr Quartier. Dagegen hab ich nichts einzuwenden, oh nein, „Multi-kulti“ gestaltet den Tag noch eine Prise spannender als er es ohnehin schon mit den Eingeborenen täte, das ist meine Ansicht. Aber obwohl unser beider Domizile tragende Wände trennen, werde ich seitdem meist spät am Abend Ohrenzeuge ihrer Zerstreuungsmusik. Auf der einzigen CD, die sie besitzt, scheint ein einsamer Mann in hohen Tönen um Hilfe zu jammern. Da ihm niemand allein wegen seiner Stimmgewalt Beachtung schenkt, bedient er sich dabei noch einiger Schlaginstrumente, um mit möglichst ungewohnten Rhythmen auf sein Leid aufmerksam zu machen. Wahrscheinlich wurde er während seiner Klage noch lauter, als er bemerkte, dass ein unfeiner Mensch ihm nicht helfen, sondern seine Darbietung lediglich als beispielhaftes Dokument für orientalische Klagelieder aufnehmen wollte. Der arme Mann. Da sitzt er nun im Sand, ein Mikrofon vor der Nase und weint. Laut.
Da es sich aber um eine Aufnahme aus dem fernen Morgenland handelt, die mir allabendlich geboten wird, werde ich an diesem Schicksal wohl rückwirkend nichts mehr ändern können.

Bedauern erfüllt auch die übrige Nachbarschaft über die sehr einseitigen hörästhetischen Genüsse der Austauschstudentin. Ich beschloss daher, mich mit dem Nachbarn Christian zusammenzutun, dessen Zimmerwand an die andere Seite ihrer Wohnung angrenzt.

-“Christian, sag mal, kannst du das da auch hören?
-“Oh, du meinst diese ach so lieblichen Melodeien, die das Klang-Kissen meiner Gewohnheiten aufschütteln?
Ungläubig sah ich ihn an und sprach: “Bleib mal auf’m Teppich!
-“Hast recht. Wir müssen dringend was unternehmen. Komm!

Er fühlte also ebenfalls mit ihr, daher stellten wir zunächst einmal fiktiv einige musikalische Preziosen zusammen, die wir ihr überreichen wollten. Dann könnte sie sich immerhin aus einer größeren Auswahl selbst aussuchen, womit sie sich in den Schlaf wog. Unser Programm ließ beinahe kein Genre und keinen Stil aus, für alles war ein Beispiel vorhanden: vom amerikanischen 60er Jahre Northern Soul zum französischen Chanson, vom englischen Punkrock der 70er bis zu modernem, japanischen Instrumentalrock. So einen kruden Mix hatte ich bis dato noch nie kreiert, aber egal, er genoss Rechtfertigung durch unseren Bildungsauftrag.
Wie wir da so saßen und über die Reihenfolge der Stücke sinnierten, überkam uns dann aber plötzlich der Gedanke, dass die Nachbarin unser Geschenk vielleicht als beleidigend ansehen könnte und unseren eigenwilligen, ritterlichen Schwung aufs hohe Ross der Musikgeschmacksprägung womöglich sogar als vermessen. Wer weiß, andere Länder, andere Sitten, vielleicht, dräute es Christian, könnte unser „Bildungsauftrag“ auch wie ein „musikalisches Kopftuchverbot“ empfunden werden.
Denn das die eigenen kulturellen, festgetackerten Scheuklappen einen immer und immer wieder in Fettnäpfe, ach was red ich, Fettfässer treten lassen, dafür ist mir erst kurz zuvor wieder etwas beispielhaftes geschehen.

Es war nämlich gar nicht lange her, da benötigte ich dringend eine neue Frisur. Wie gehabt, wenn sich diese Bedürfnis unstillbar in mir regte, ging ich zu dem netten türkischen Friseur ein paar Meter weiter in unserer Straße. Der bietet mehrere Annehmlichkeiten. Zum Einen ist er billig, zum Anderen wird man während der Wartezeit dort vorzüglich bewirtet (Kaffee oder Cai, Zigaretten). Darüberhinaus erhascht man dort eine Menge archaisch anmutender und dadurch unterhaltsamer Ansichten über Frauen oder warum die Döner in ganz Bielefeld plötzlich nicht mehr schmecken. Bei meinem letzten Besuch herrschte dort ein großer Aufruhr. Eine junge, türkische Familie ließ ihren Kindern die Haare schneiden und als ich den Laden betrat, saß ein kleines Mädchen – zwei bis drei Jahre alt vielleicht - mit langen, braunen, lockigen Haaren auf dem Friseurstuhl. Es schrie wie wild und heulte, musste von den Eltern festgehalten werden, damit der Fachmann ihr die lange Mähne auf ca. einen Zentimeter stutzen konnte. Denn so lautete sein Auftrag. Doch die Erfüllung fiel ihm schwer, bewegte das Mädchen doch immer wieder den Kopf und trat mit den Füßen nach ihm, um den Plan der Eltern zu vereiteln. Meine Wartezeit verlängerte sich demnach etwas und in mir drängte sich der Verdacht nach einem Bestrafungsritual auf. Da war doch damals dieses Mädchen in der Grundschule, dessen Namen ich vergessen habe. Sie war ebenfalls Türkin und ihr ist seinerzeit Ähnliches wiederfahren. Verständlicherweise berichtete sie damals nicht, was sie angestellt hatte, obwohl Gerüchte über einen mehr als der Rede unwerten Ladendiebstahl kursiert hatten.
Als ich dann anschließend auf den, ja, jetzt kam er vor mir wie ein Exekutionsstuhl, berufen wurde, fragte der Vollstrecker mich, ob ich die Situation eben gerade durchschaut hätte. Mit meinem Halbwissen von vor Jahrzehnten gewappnet, bejahte ich und fragte, was das arme Mädchen denn verbrochen hätte. Daraufhin lachte der Friseur laut auf und nachdem er sich beruhigt hatte, berichtigte er mich:

Nee nee, das war ein Junge. Der bekam gerade das erste Mal in seinem Leben überhaupt die Haare geschnitten.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Toleranz wird heutzutage groß geschrieben, aber was soll man bloß gegen seine immer wieder hervortretenden Vorurteile tun? Tja, da hilft wohl nur durch Fehler zu lernen.
Unter Leuten, die sich viel mit Sprachen beschäftigen, gilt es ja als stiller Volkssport, die Herkunft von Wörtern herunterzubeten. Ein Kommilitone meinte neulich zu mir, dass das Wort Toleranz ja vom lateinischen „tolere“ stammte, welches ursprünglich „ertragen, aushalten“ bedeutete und – fügte er hinzu - der Gedanke wäre nur zu interessant, wenn man infolgedessen zum Beispiel behauptete, man „ertrüge Schwule“.
„Interessant“ ist das fürwahr, aber ich glaube, ich kann mich glücklich schätzen, einen Kommilitonen damit ins Feld führen zu können.

In der Zwischenzeit haben wir dann auch das Unterfangen, meiner Nachbarin in punkto Hörgewohnheiten etwas unter die Arme zu greifen, aufgegeben. Wir sind zu der Ansicht gelangt, dass es wohl besser wäre, ihren Musikgeschmack zu tolerieren. Dennoch muss ich erwähnen, dass mich beim allabendlichen Hören jener Klänge der Gedanke an ihr Leid fast jedes Mal um den Schlaf bringt. Aber ich ertrage es in Würde. Und mit Oropax.

Übrigens: Der Grund dafür, dass die Döner der Stadt nicht mehr schmecken, ist schnell gefunden. Wie mir mein Friseur berichtete, hat ein überregionaler Lieferant mit seinen weitaus billigeren Preisen die Stadt unterjocht. Das würde sich aber schnell ändern, wenn sein Heimatland der EU beiträte.
Da sag’ ich nur: Wohlan, wohlan, beschleunigt den Prozess, auf dass Bielefeld schon bald wieder mit leckerem Dönerfleisch gesegnet sei.

Der Kummer-Karsten (VersC)

Posted on November 16, 2005
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(vorgetragen beim heutigen Bielefelder Poetry Slam)

Freund Karsten kenne ich seit jeher als unter großer finanzieller Abgebranntheit leidend. Es war allerdings nie so, dass man ihn zu dem resignierten Menschenschlag zählen könnte, oh nein, denn er ist sich für nichts zu schade und gehört auch der Kategorie an, die selbst die Sache mit dem Kugelschreiber-Zusammenstecken zumindest einmal ausprobieren. Doch gelegentlich sind seine Ideen mitunter – gelinde ausgedrückt – etwas abstrus.

Als ich ihn zum Beispiel das vorletzte Mal in der Fußgängerzone getroffen hatte, berichtete er mir von der ach so grandiosen Idee, in seiner Wohnung Bewerbungstrainings abzuhalten.
Es konnte nur als Beweis für seinen Mut und seinen Sinn für’s Originelle gewertet werden, dass ausgerechnet er so etwas wagte. Aber, so hätte er entgegnet, dass es ihm an Erfahrung im Schreiben von Bewerbungen mangelte, davon könne ja kaum die Rede sein.
Dennoch war dieses Unterfangen von vornherein zum Scheitern verurteilt, und soweit ich weiß, entwickelte sich daraus außer einem amourösen Abenteuer unseres Dozenten nichts, der Existenzgründerzuschuss lief aus und die Ideensuche konnte wieder anlaufen.

Als er mich bei meinem jüngsten Besuch an der Wohnungstür begrüßte, schien er guter Dinge zu sein. Sein Gesicht wies ein Lächeln auf, dessen Breite mir beinahe unheimlich vorkam.
Er bat mich herein und ich setzte mich auf das Küchensofa. Karsten platzierte ein Glas vor mir mit den wuchtigen Worten „das sei jetzt was ganz Besonderes“, schenkte mir daraufhin aus einer Flasche rote Flüssigkeit hinein.

Nun würde ich mich zwar nicht gerade als den Weinkenner par excellence bezeichnen, schmeckte aber doch heraus, dass es sich hierbei keinesfalls um den üblichen Stoff handeln konnte, den wir aus den einschlägigen Supermarktketten für bis zu zwei Euro pro Flasche gewohnt waren.

„Karsten, sag mal, was ist das?“
Er setzte sich mir gegenüber. „Ich hab’ ne Kiste davon bei dem Weinhändler hier um die Ecke gekauft. Der Laden is’ mir vorher nie aufgefallen.“
Ich wurde misstrauisch. „Sag mal, kann es sein, dass das nich’ so ganz günstig war?“
„Naja. Auch, wenn es knapp ist, ich kann nich’ immer nur knausern. Manchmal muss ich mir eben auch mal was gönnen, weißt du?“
„So hab ich dich selten reden gehört. Läuft es etwa gerade ganz gut bei dir?“
„Hm , weißt du, vor einigen Wochen, da war ich bei der Karin. Du weißt doch, sie hatte eine Weile lang diesen merkwürdigen Typen, wie hieß er doch gleich…?“
„Jochen,“ verkürzte ich seine Überlegungen.
„Ach ja, Jochen. Jedenfalls war wohl kurz zuvor mit den beiden Schluss. Das ist eigentlich nicht so schön, aber ich hab dabei was herausgefunden.“ Er grinste wieder so debil wie an der Wohnungstür und würde mit Sicherheit gleich zum finalen Schlag auszuholen.
„Mir ist nämlich bei ihr aufgefallen, was ich überhaupt am Besten kann. Verstehst du? Ich hab herausgefunden, wo meine Fähigkeiten und Energien am sinnvollsten eingesetzt werden können…“
„Jetzt bin ich aber gespannt,“ entgegnete ich und das war noch nicht einmal gelogen.
„Das beste, was ich nunmal kann,“ er rückte näher zu mir und verlieh seinen Worten einen bedeutungsschwangeren Unterton „…ist Zuhören!“
Er lehnte sich wieder in seinem Stuhl zurück, sicher, dass diese Überraschung gesessen hatte. Hatte sie aber nicht. Jedenfalls nicht bei mir und nicht mit Überzeugung.
„Wie jetzt? Zuhören? Willst du mich auf den Arm nehmen?“
„Nein. Pass auf, du weißt, ich konnte schon immer gut zuhören, wenn jemand ein Problem hatte, oder nicht?“
Das konnte ich allerdings bestätigen. Bereits früh handelte sich Karsten unter meinen Freunden den missgünstigen Ruf des „Frauenverstehers“ ein, wenn er wieder einmal einer besonders arg vom Schicksal gebeutelten Bekannten etwas von ihrer Last nahm, bloß durch seine Anwesenheit, sein „Für-sie-dasein“. Und wie oft mussten wir uns dann von dieser wiederum anhören, wie lieb er doch sei.

Ich hatte Karsten schon immer unter dem Verdacht, dass die Qualität seiner kognitiven Fähigkeiten schlicht und ergreifend darin verborgen lag, gewisse, nicht vermeidbare Lücken sinnvoll und dem Kontext angemessen zu schließen, sprich: Unwissenheit elegant zu überspielen und allem Anschein nach funktionierte diese Vorgehensweise auch ganz hervorragend.

„Ich hab’ mich vor kurzem als Tröster selbstständig gemacht,“ eröffnete er mir unverfroren.
Ich staunte nicht schlecht und bat um weitere Erläuterungen.
„Ja, glaubst du mir etwa nicht? Hier, warte.“
Er kramte in seiner hinteren Hosentasche und fand ein gelbes Stück Papier, das er mir Ungläubigen zur Ansicht reichte. Offensichtlich handelte es sich um eine Visitenkarte, richtig, dort stand sein Name, seine Telefonnummer und darunter ein selten dämlicher Zweizeiler:

„Zählst Du Dich zu den Aufgelösten?
Ruf mich an und lass dich trösten!“

„Steht auch in den gelben Seiten,“ sagte Karsten.
„Mal abgesehen davon, dass ich immer noch nicht so ganz weiß, was ich davon halten soll: Melden sich wirklich darauf Leute?“
„Aber ja,“ freute er sich. „Überleg doch mal, bei den vielen Trennungen heutzutage. Und das werden nicht weniger. Das ist der totale Zukunftsmarkt.“
Mittlerweile glaubte ich, er sei tatsächlich überzeugt von dem, was er da sprach.
„Karsten, ist das dein Ernst?“
„Ja, aber mal im Ernst. Inzwischen haben wir doch hier so viele unterschiedliche Beziehungsformen, wenn man die alle benennen wollte, ginge es uns wie den Eskimos mit’m Schnee. Weißte, was ich neulich erst gehört habe? Da hat doch jemand tatsächlich seine Beziehung als „Sozialintensivpartnerschaft“ bezeichnet. Krass, oder? Da kommt natürlich so eins zum anderen…“
„Du wirst also tatsächlich ab und zu gerufen?“
„Ja, klar. Vor kurzem hatte ich sogar die Idee, mir eine Art Notfall-Koffer zusammenzustellen. Warte mal,“ er stand auf, und ging in den Flur. Man hörte, wie er etwas herumkramte, bis er mit einem alten Lederkoffer zurückkam. Er öffnete ihn und zeigte mir stolz den Inhalt:
„Hier, siehst du? Natürlich Taschentücher, absolute Pflicht und nicht zuwenig davon. Ein eigenes Kopfkissen und eine Zahnbürste für das „Bitte geh’ noch nicht!“; Flüssigkeitsabweisende Hemden gegen verheulte Schultern, dann Schokolade und Alkohol, also je nach Vorliebe und Schweregrad, etcetera peepee.“
Das musste man ihm lassen: der Mann handelte durchdacht.
Unter dem, was er „etcetera peepee“ nannte, fielen mir mehrere, nur wenige Zentimeter große viereckige Plastiktäschchen auf, deren Inhalt sich ringförmig an der Oberfläche abzeichnete, und ich schloss daraus, dass Karsten den Begriff des Trostes anscheinend sehr weit fasste.
Ich wies auf seine Schutzmaßnahmen:
„Soso. Du prostituierst dich also für die Sache, wie?“ Ich sah ihn von der Seite an.
„Nein, tue ich eigentlich nicht.“ Er begann, herumzudrucksen. „Im Äußersten vielleicht. Und…wenn auch ich Spaß daran hätte.“
Das ging mir dann zu weit. Ich sah ein, dass jeglicher Anklagepunkt an ihm abprallen würde, denn er sah seinen von ihm neuerfundenen Beruf so sehr als einen Dienst an der Gesellschaft, was für mich allerdings nichts anderes als Ausnutzerei darstellte. Plötzlich fühlte ich mich wie ein Politiker, der gegen einen Schönredner ankämpfen wollte, sämtliche Argumente würden zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus gehen. Ich verabschiedete mich daher bald von ihm auf ungewisse Zeit und zog wieder meiner Wege.

Wochen später, ich hatte diese Diskussion bereits verdrängt, rief mich Karin, die personifizierte Inspiration zu seinem Experiment, an. Sie kam bald auf ihn zu sprechen und fragte mich, ob ich von ihm gehört hätte. Ich erwähnte meinen Besuch vor einiger Zeit und meine Bestürzung über seinen eigenwilligen Vorstoß in die Marktwirtschaft, aber das meinte sie nicht.
Karin erzählte mir, dass er – wie sie selbst gehört hatte – sich wohl innerhalb weniger Wochen mehrfach verliebt haben musste und sie vernahm, als sie ihn das letzte Mal traf, in großer Folge Frauennamne, die sie noch nie aus seinem Mund gehört hatte.
„Aber weißt du, was das seltsamste war?“ fragte sie. „Er hat mir überhaupt nicht mehr zugehört, verstehst du? Ich konnte sagen, was ich wollte, sofort hieß es wieder ‘Maria hätte dieses und jenes gesagt und etceterea peepee’“.
Tja, da ist unser Karsten vor Verliebtheit wohl blind geworden. Oder besser ausgedrückt: Ihm ist das Sehen und darüber hinaus das Hören vergangen.

EDIT 19.11.: Huch, laut örtlicher Presse “der beste Vortragende des Abends” (*verlegen-werd*)

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